Großer Bahnhof für den Tabellenletzten
Verkehrte Welt in der Formel 1: Das alles überragende Weltmeister-Team der vergangenen Formel 1-Saison, Red Bull-Renault, enthülltseinen neuen Boliden kurz und schmerzlos vor den ersten Testfahrten in der Boxengasse. Eine schlichte Enthüllung mit der Botschaft „Leistung statt Show“ war angesagt. Großer Bahnhof dagegen für das Team, das 2010 abgeschlagen auf dem letzten Platz der Konstrukteurs-WM gelandet ist: MarussiaVirgin zeigt sein neues Auto mit viel Tamtam im Londoner Fernsehzentrum der BBC erstmals der Weltöffentlichkeit. Aber mangelndes Selbstbewusstsein war auch in der Vergangenheit nicht das Problem des Rennstalls. Zudem hat man jetzt die Millionen des russischen Sportwagenherstellers Marussia zur Verfügung, der als Anteilseigner beim britischen Team einsteigt undsomit auch als neuer Namensgeber fungiert.
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- Der Marussia-Virgin-Cosworth MVR-02 soll aerodynamisch deutlich effizienter sein als der Vorgänger, zudem um einiges haltbarer. Besonders die Hydraulik- und Getriebeöl-Probleme aus 2010 sollen der Vergangenheit angehören.
CFD statt Windkanal
Trotz neuer finanzieller Möglichkeiten rückt Chefdesigner Nick Wirth nicht von seiner eigenwilligen Linie ab: Der Brite ist ein Fan von CFD (Computational Fluid Dynamics) und anderen Computer-Simulationen. Windkanaltests hält er für komplett überbewertet. Deshalb hat er auch bei der Entwicklung des MVR-02 komplett auf die teuren und zeitaufwändigen Versuche im Windtunnel verzichtet. „Wir haben uns mit jedem einzelnen Problem befasst, das uns im letzten Jahr so zurückgeworfen hat, aber auf unsere einzigartige digitale Art“, sagt Wirth. Dass diese Herangehensweise 2010 gründlich schief ging, stört ihn nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Er will nicht nur jene Teams überholen, die zusammen mit Virgin vor der letzten Saison eingestiegen sind, sondern den Anschluss ans Mittelfeld herstellen.
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- Zuverlässigkeit hat beim Marussia-Virgin-Cosworth MVR-02 oberste Priorität, weshalb der Bolide auf das Energie-Rückgewinnungssystem KERS verzichten muss.
Druck vom russischen Anteilseigner
Wohin die Reise für das MarussiaVirgin-Team, dass nun mit russischer Lizenz an den Start gehen wird, in diesem Jahr gehen soll, verdeutlich Nikolay Fomenko: „Ein realistisches Ziel für 2011 muss lauten, jedes Rennen zu beenden und regelmäßig den zweiten Qualifikationsabschnitt zu erreichen“, sagt der Präsident von Marussia Motors und neue Chefingenieur des Teams. Das aktuelle Auto soll aerodynamisch deutlich effizienter sein als das alte, zudem um einiges haltbarer. Besonders die Hydraulik- und Getriebeöl-Probleme aus 2010 sollen der Vergangenheit angehören. Zuverlässigkeit hat oberste Priorität, weshalb die beiden Piloten Timo Glock und Neuling Jerome d´Ambrosio auf das Energie-Rückgewinnungssystem KERS verzichten müssen.
Wo MarussiaVirgin mit dem MVR-02 wirklich steht, wird sich während der Testfahrten im spanischen Jerez in dieser Woche zeigen. Jetzt liegt es an der russisch-britischen Truppe, der Show auch Leistung folgen zu lassen.

