Veränderte Vorzeichen bei der Titeljagd
Mit zwei Wochen Verspätung startet der PS-Zirkus in seine 2011er Tournee: Nach der Absage des Bahrain-Grand-Prix´ geht am Wochenende vom 25. bis 27. März endlich die neue Formel 1-Saison los. Spätestens nach 19 Rennen – vorausgesetzt, das Rennen in Bahrain wird nicht nachgeholt, wonach es derzeit aussieht – werden die neuen Weltmeister der Fahrer- und Konstrukteurs-Kategorie feststehen. Bei der Jagd nach beiden Titeln haben sich die Vorzeichen allerdings mal wieder geändert: Ein Weltmeister-Novize, Sebastian Vettel, startet als Titelverteidiger ins neue Formel 1-Jahr und will dafür sorgen, dass die Startnummer 1 auch 2012 auf seinem Red Bull-Boliden prangt. Einige weitaus erfahrenere Konkurrenten, besonders natürlich der 2010 so knapp geschlagene Fernando Alonso, wollen die aus ihrer Sicht verkehrten Machtverhältnisse wieder zurechtrücken. Regeländerungen und der neue Reifenlieferant Pirelli werden ihren Teil dazu beitragen, dass uns auch 2011 wieder eine spannende Saison bevorsteht.
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- Sebastian Vettel ist sich im Klaren, dass die Startnummer 1 kein Ruhekissen, sondern eine Verpflichtung ist. Der Weltmeister möchte die Ziffer auch 2012 auf seinem Boliden sehen.
Verpflichtung und Vertrauen
Traditionell geht der Titelverteidiger als Topfavorit in die neue Saison. Tatsächlich kommt Sebastian Vettel nochmals gestärkt aus dem vergangenen Jahr. Zumal der jüngste Weltmeister aller Zeiten weiß, dass die Startnummer 1 kein Ruhekissen, sondern eine Verpflichtung ist: „Die Eins ist zwar ganz angenehm“, sagte Vettel kürzlich dem „kicker“, „aber schneller machen wird sie mich nicht.“ Der Heppenheimer ist sich also bewusst, dass er viel investieren muss, um auch im kommenden Jahr mit der beliebtesten aller Startnummern ins Rennen zu gehen. Und er weiß, wem er seinen ersten Titel zu verdanken hat. Dass er seinen Vertrag – genau wie Technikchef Adrian Newey, Teamchef Christian Horner und etwa 50 wichtige Red Bull-Mitarbeiter – vorzeitig bis 2014 verlängert hat, zeugt vom großen Vertrauensverhältnis zwischen Team und Fahrer.
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- Die drei Hauptkonkurrenten um den Fahrertitel 2010 gehen auch in diesem Jahr wieder als Topfavoriten in die Saison. Hinter diesem Trio hat sich das Feld der Herausforderer jedoch gelichtet.
Ein Trio auf Augenhöhe
Die Liste der Herausforderer ist im Vergleich zum vergangenen Jahr geschrumpft. Da ist natürlich Fernando Alonso, der nach der ebenso knappen wie vermeidbaren Niederlage im Saisonfinale 2010 umso motivierter ins Titelrennen geht. Zudem will Vettels Teamkollege Mark Webber seine – vermutlich letzte – Chance nutzen, dem ungeliebten Mannschaftskameraden mit gleichem Material in die Titelsuppe zu spucken. Dieses Trio kämpft auf Augenhöhe, allerdings drängt sich darüber hinaus kein Pilot auf, aktiv in die Jagd nach der Fahrer-WM einzugreifen. Felipe Massa? Hat nicht den Biss eines Champions. Nico Rosberg und Michael Schumacher? Der Mercedes scheint (noch) nicht titelreif zu sein. Lewis Hamilton und Jenson Button? Der McLaren scheint nicht (mehr) titelreif zu sein. Robert Kubica? Kämpft nach seinem schweren Rallye-Unfall in der Reha um seine Karriere. Die anderen? Nicht mehr als schmückendes Beiwerk.
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- Der neue Reifenlieferant Pirelli wird auf Wunsch von Bernie Ecclestone und des Motorsport-Weltverbandes FIA jeweils sehr unterschiedliche Reifenmischungen an die Strecken liefern. Das soll die Spannung erhöhen.
Die Reifen als Zünglein an der Waage
Wer sich aus dem Favoriten-Trio letztlich durchsetzen wird, hängt besonders davon ab, wie sich die Piloten auf die neuen Gegebenheiten einstellen werden. Spannend wird vor allem sein, wie sie mit den neuen Reifen zurechtkommen. Der neue Lieferant Pirelli wird auf Wunsch von Bernie Ecclestone und des Motorsport-Weltverbandes FIA jeweils sehr unterschiedliche Reifenmischungen an dieStrecken liefern. Das soll natürlich die Spannung erhöhen. Außerdem haben die Testfahrten gezeigt, dass die neuen Reifen erst lange viel Grip liefern, um dann rapide abzubauen. Somit wird in den Rennen viel davon abhängen, den idealen Zeitpunkt zum Boxenstopp zu finden. Gut möglich, dass diese Tatsache öfter über Sieg und Niederlage entscheidet als der pure Speed von Fahrer und Auto.
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- 2011 gilt das Energie-Rückgewinnungssystem KERS - hier die Variante des Williams-Teams - in die Formel 1 zurück. Bis auf Team Lotus, Marussia-Virgin und Hispania Racing setzen alle Teams das System ein.
Heckflügel, KERS und Teamorder
Und dann gibt es - wie eigentlich in jedem Winter - noch die Regeländerungen. Die wichtigsten aerodynamischen Innovationen der letzten beiden Jahre, der Doppel-Diffusor und der F-Schacht, sind nun verboten. Stattdessen gibt es nun einen verstellbaren Heckflügel, der den Topspeed auf Geraden erhöhen und damit Überholmanöver erleichtern soll. Zudem kehrt das Energie-Rückgewinnungssystem KERS zurück, dass pro Runde zeitlich begrenzt eine Extra-Power von etwa 82 PS bereitstellen wird, aber nicht von jedem Team eingesetzt wird. Außerdem ist ab sofort die Teamorder wieder erlaubt, um eine Farce wie jene von Ferrari beim Deutschland-Grand Prix 2010 zu vermeiden. Die Einzelheiten zu den neuen Regeln beleuchtet www.motorvision.de morgen in einem ausführlichen Artikel.
Es ist also angerichtet, die neue Formel 1-Saison verspricht wegen einiger Unwägbarkeiten Spannung pur. www.motorvision.de stimmt Euch die ganze Woche in mehreren Vorschau-Texten darauf ein und wird natürlich jedes Rennwochenende vom 1. Freien Training bis zur Siegerehrung – inklusive Vorschau und Analyse – ausführlich begleiten.

