Als erster den Ersten
„Auto steht auf’m Hof, falls ihr Bock habt, mal ne Runde zu fahren. Kommt einfach vorbei!“, steht in der Mail des TechTec-Chefs Pascal Chieschowitz. Wir sollen demnach als erste das erste getunte 1er M Coupé testen? Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Also ab nach Guxhagen (nahe Kassel) und schauen, was der kleinste M mit Power-Zuschlag so draufhat. Schon im Stand quillt das durch und durch orange 1er-Biest fast über vor Kraft und Dynamik. Hat die M GmbH beim Design des vor Kotflügeln und Lufteinlässen nur so strotzenden 1er M mal wieder nichts anbrennen lassen, so wirkt die bedrohlich tief über dem Asphalt kauernde TechTec-Ausbaustufe gleich noch eine ganze Ecke begehrenswerter. Selbiges gilt uneingeschränkt auch für den Innenraum, bei dem die Nordhessen dem M-Lenkrad einen Alcantara-Bezug verpassen und das Seriengestühl durch fantastische BMW Motorsport-Schalen ersetzen.
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- Die Akrapovic-Auspuffanlage mit Klappensteuerung ist unglaublich laut. Die mattschwarzen Endrohre stehen dem 1er ausgezeichnet.
Besser keine Nachbarn
Aber genug vom Design, wir sind schließlich zum Fahren hier. Also rein in den Über-1er und mit spannungsgeladener Vorfreude drauf auf den Startknopf. Mit einer dreckig grölenden, den Nachbarschaftsfrieden nachhaltig gefährdenden Eruption meldet sich das aus mattschwarzen Endrohren speiende Klappenauspuff-Ungetüm von Akrapovic zum Dienstantritt. Wie die, noch in der Entwicklung steckende, später wohl 6.000 bis 8.000 Euro teure Abgasanlage einmal den TÜV-Segen erhalten soll, bleibt vorerst ein Rätsel. Für Gänsehaut sorgt sie freilich heute schon, genau wie sie perfekt mit dem politisch nicht ganz korrekten Auftritt dieses über die Maßen potenten 1ers harmoniert und ihren nicht unerheblichen Teil zur satten Leistungssteigerung beim Dreiliter-Twinturbo-Reihensechser beiträgt. Die hat ihren Ursprung – abgesehen von der Akrapovic-Wuchtbrumme - in einer Optimierung der Motorelektronik sowie der Installation eines Ladeluftkühlers. TechTec-Chef Pascal verspricht uns für die Testfahrt 430 PS und um die 620 Nm Drehmoment, was einem enormen Zuwachs von 90 PS und 120 Nm gegenüber der Serie entspricht.
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- Dem famosen Dreiliter-Biturbo-Reihensechser rückt TechTec mit einer Elektronik-Optimierung, einem Ladeluftkühler und in diesem Fall mit einer Akrapovic-Auspuffanlage zu Leibe. So generieren die Hessen 430 PS und 620 Nm Drehmoment.
Charakteristik wie im Traum
Demnach überrascht es nicht, mit welcher Gier das erste leistungsgesteigerte 1er M Coupé zu Werke geht. Brachialer Biturbo-Schub schon ab gut 2.000 Touren vereint sich mit bissiger Sauger-Drehfreude „oben raus“ zu einer Motorcharakteristik, wie sie wohl nur BMW zu erschaffen im Stande ist. TechTec tut sehr gut daran, hier „nur“ zu verstärken anstatt großspurig zu verändern. So zieht der gedopte M-Neuling mit einer Leistungsentfaltung ins Rennen, die in ihrer Linearität schlichtweg begeistert. Das Hammer-Drehmoment sorgt allerdings spätestens beim Versuch, eine vernünftige 0-100-Zeit in den Asphalt zu brennen, für die ein- oder andere Sorgenfalte. Sagt man ja bereits dem Serien-M gewisse Traktionsprobleme beim Anfahren nach, so ist es bei der Tuner-Version beinahe unmöglich, die 265er Hinterräder auf Kurs zu halten. Wir messen am Ende des Tages mit Werksgummis 4,7 Sekunden für den Standardsprint. Mit Cup-Bereifung am Hockenheimring flog der TechTec-M aber schon nach 4,2 Sekunden an der 100er-Marke vorbei. Den Topspeed geben die Guxhagener Elektronik-Gurus mit knapp 300 km/h an. Nachweisen können wir diesen Wert in Ermangelung einer geeigneten Strecke leider nicht, bei der Vehemenz, mit der der TechTec-1er aber ab 250 Sachen noch nach vorne drückte, erscheint eine Vmax nahe der 300 durchaus realistisch.
Lieber Landstraße als Autobahn
In diesem Zusammenhang sollte eines nicht unerwähnt bleiben: Die Autobahn ist nur begrenzt das Metier des mit einem KW-Clubsport-Gewindefahrwerk (für 2.400 Euro) ausgestatteten TechTec-Boliden. Das Setup mit knackiger Tieferlegung und 2,5 Grad Negativ-Sturz an der Vorderachse mag in Hockenheim astrein funktionieren, auf schnell gefahrenen Autobahn-Passagen wirkt es eher unausgegoren. Das Auto wird schnell unruhig und das sehr leicht wirkende Heck tanzt nach Belieben. Eine gesteigerte Wachsamkeit und zwei fest zupackende Piloten-Hände sind also dringend erforderlich beim rasanten Törn auf der linken Spur. So verkrampft sich der aufgepumpte Kompaktsportler bei der Highspeed-Tour gibt, so brillant entfaltet er sein Talent anschließend beim schnellen Ritt über die serpentinenartig-engen Landstraßen um Guxhagen. Gefühlt hat noch kein Auto zackiger und agiler eingelenkt als dieses Kurven-Tier. Die Lenkung präsentiert sich ultradirekt, dabei nicht zu leichtgängig und jederzeit ungeheuer mitteilsam. Für mehr Grip an der Vorderachse installiert TechTec vorne zusätzlich 10mm-Spurplatten. Die Maßnahme greift gut, sodass der auf Stoff gesetzte M sehr griffig durch die Kurven hetzt. Dennoch sollte man nie vergessen, dass man noch immer in einem 430 PS starken Kompakt-Hecktriebler sitzt. Das Heck hat immer Lust und reagiert allzu hungrig auf zu gut gemeinte Gasstöße, vor allem natürlich, wenn das ESP komplett deaktiviert ist.
Mit dem Virus infiziert
Letztlich ist es faszinierend zu sehen, wie die TechTec-Jungs mit ein paar Handgriffen aus einem hochveranlagten Serienauto eine brachiale Rennfeile machen. Mit dem von uns gefahrenen Setup – vor allem in Sachen Fahrwerk und Auspufflautstärke – muss man dem optimierten M Coupé zwar gewisse Schwächen hinsichtlich der Alltagstauglichkeit attestieren, die Leistungssteigerung erfüllt ihren Zweck aber vortrefflich, vor allem in Anbetracht des Preises von 2.500 Euro (ohne Akrapovic-Auspuffanlage). Wir haben uns jedenfalls schlagartig mit dem TechTec-M-Virus infiziert (was auch an der überaus sympathischen Betreuung vor Ort liegt) und würden uns sehr freuen, die orangefarbene Bestie bald beim motorvision.de-Tracktest begrüßen zu dürfen.

