Es muss auch mal Elektro sein
Wenn eine Woche lang Strom anstatt hochoktanigen Sprits durch die Motorvision-Redaktion fließt, hält sich die Begeisterung der sportwagenaffinen Mannschaft grundsätzlich in Grenzen. Wenn das entsprechende, rein elektrisch zu bewegende Vehikel dann auch noch aussieht wie der Mitsubishi i-MiEV eben aussieht, ist es schnell ganz vorbei mit der Bereitschaft zur Berichterstattung. Nun wollen wir aber freilich nicht gänzlich als neandertaleske Benzinvernichter verstanden werden, die sich jeglichem Fortschritt, alternative Antriebe betreffend, völlig verweigern. Und so überkommen uns nach sieben Tagen intensiven Elektro-Kleinwagen-Studiums einige unerwartete Erkenntnisse. Vor allem aber die, dass hier noch einiges schiefläuft.
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- Im Innenraum kann der Elektro-Pionier nicht überzeugen und wirkt insgesamt recht einfach. Ein nachträglich eingebautes und recht antiquiert daherkommendes Radio komplettiert den lieblosen Eindruck. Von einem Vorreiter der automobilen Zukunft hätte man gerade in Sachen Infotainment etwas mehr erwartet.
Luftig, aber einfach
Über die denkwürdige Optik des i-MiEV kann man beispielsweise schon vorneweg trefflich streiten. Sei es das japanische Idealbild eines Kleinwagens, dass so stark von unserem divergiert, oder die Vorstellung, ein E-Mobil müsse besonders knuffig-futuristisch daherkommen… übers Aussehen, so viel steht fest, wird sich der stromende Mitsubishi schon einmal nicht verkaufen. Ein gewisses Unbehagen stellt sich überdies beim frontalen Blick auf den Elektro-Zwerg ein, erscheint er mit seiner Breite von lediglich 1,475 Metern, bei 1,61 Metern Höhe, doch arg labil und gebrechlich. Im Innenraum ist davon allerdings erfreulich wenig zu merken. Vier Personen finden im 3,475 Meter langen i-MiEV erstaunlich luftig Platz und 227 Liter Gepäck fahren auch noch mit. Klappt man umfassend um, nimmt der Japaner gar 860 Liter auf. So schön es um das Raumgefühl des kleinen Pioniers bestellt ist, so schlecht steht es um den Qualitätseindruck und das Flair im Cockpit. Armaturenbrett und Sitze wirken arg einfach und sonderlich viel Information kommt in den Anzeigen auch nicht rüber. Ein nachträglich eingebautes und recht antiquiert daherkommendes Radio komplettiert den lieblosen Eindruck. Von einem Vorreiter der automobilen Zukunft hätte man gerade in Sachen Infotainment etwas mehr erwartet.
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- Beim Gaswegnehmen und Bremsen wird der E-Motor mit Energie gespeist. Besonders gut funktioniert das, wenn der Automatikhebel auf B (für Brake-Mode) eingerastet ist. Dann wird automatisch stärker abgebremst und der Fahrer kann sich darüber freuen, dass die Nadel des „Eco-Displays“ ständig im tiefblauen „Charge“-Bereich tanzt.
Forsch nach vorn
Doch vergessen wir mal alles, was bis hierhin zu leichten Irritationen geführt hat. Die wahre Revolution sitzt schließlich im Heck, beziehungsweise unter dem Fahrzeug. Der 49 kW/ 67 PS starke permanentmagnetisierte Synchronmotor treibt im i-MiEV tatsächlich die Hinterräder an. Der Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 16 kWh residiert unter dem Wagenboden. Starten wir also die Zukunft: Dreht man den völlig gewöhnlichen Schlüssel im völlig gewöhnlichen „Zündschloss“, passiert gefühlt bis auf ein kurzes Piepsen rein gar nichts. Betriebsbereit ist der Motor jetzt natürlich trotzdem und nach etwas hakeliger Rührerei in der Automatik-Schaltgasse surrt das i-Mobil lautlos von dannen. Wer (wie wohl die meisten) fahrdynamisch so gut wie nichts erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Mit verhältnismäßig strammen 180 Nm Drehmoment, die typbedingt vom Start weg und permanent anliegen, ist man gerade im für die Stadt relevanten Geschwindigkeitsbereich überraschend flott unterwegs. Lustiger Weise und zum forschen Antritt passend, haben wir die Werksangabe von 15,9 Sekunden für den 0-100-Sprint mit einer Zeit von 13,7 Sekunden geradezu pulverisiert. Nicht eben sportlich, aber doch einigermaßen leger erreicht der i-MiEV dann auch seine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h.
Reichweitenspielchen
Dass der über die Maßen hohe und schmale Elektro-Kasten keine querdynamischen Wunderdinge vollbringen würde, war von Anfang an klar. Er fährt sich prinzipiell eben wie ein ganz normaler japanischer Kleinstwagen. Zickig wird er trotz des Porsche-gleichen Layouts mit Motor und Antrieb hinten nie, steuert mit seiner leichtgängigen Lenkung eher kreuzbrav durch die Kurve. Sein unkompliziertes Wesen und der Mini-Wendekreis von nur neun Metern qualifizieren den kleinen Elektriker überdies zum Champion der Innenstadt. Vornehmlich dort sollte man den Mitsubishi i-MiEV auch bewegen, will man mit der eher bescheidenen Reichweite nicht in Konflikt geraten. Die von Mitsubishi angegebenen 150 Kilometer sind rein theoretischer Natur. Wer 120 Kilometer mit einer Ladung schafft…Glückwunsch! Etwas über 100 Kilometer sind aber realistischer. Vor allem wenn Heizung, Klima und Konsorten auf Volldampf laufen, reduziert sich der Bewegungsradius des i-MiEV spürbar. Entgegensteuern kann man durch möglichst häufiges Rekuperieren. Beim Gaswegnehmen und Bremsen wird der E-Motor nämlich mit Energie gespeist. Besonders gut funktioniert das, wenn der Automatikhebel auf B (für Brake-Mode) eingerastet ist. Dann wird automatisch stärker abgebremst und der Fahrer kann sich darüber freuen, dass die Nadel des „Eco-Displays“ ständig im tiefblauen „Charge“-Bereich tanzt.
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- Ist es mit dem Saft trotz aller Energierückgewinnung irgendwann vorbei, muss der i-MiEV für etwa sechs bis sieben Stunden an die Steckdose. Wer es eher eilig und stärkeren Wechselstrom zur Verfügung hat, kann den Zwerg innerhalb einer halben Stunde immerhin auf 80 Prozent seines Ladungszenits bringen.
Richtig planen
Ist es mit dem Saft trotz aller Energierückgewinnung irgendwann vorbei, muss der i-MiEV für etwa sechs bis sieben Stunden an die Steckdose. Wer es eher eilig und stärkeren Wechselstrom zur Verfügung hat, kann den Zwerg innerhalb einer halben Stunde immerhin auf 80 Prozent seines Ladungszenits bringen. Mehrmals standen wir allerdings verdutzt vor der Frage, wo wir das Teil denn nun auf die Schnelle laden sollen. Öffentliche Ladestationen sind absolute Mangelware und zu allem Überfluss ist das mitgelieferte Kabel keine drei Meter lang. Wenigstens trug das Bild eines durch den Briefkastenschlitz geladenen Kleinwagens zur Belustigung sämtlicher Nachbarn bei. Spätestens jetzt wird offensichtlich, dass die Fortbewegung mit einem Elektroauto eine nicht unerhebliche Umstellung der eigenen mobilen Gewohnheiten mit sich bringt. Das richtige Haushalten mit der Energie und den zurückzulegenden Strecken wird zum Rechenspiel und erfordert einiges an planerischem Geschick. Erstaunlicherweise entdeckt man im kleinen Mitsubishi auch als geschwindigkeitsliebender Redakteur nach kurzer Zeit die Freude am Sparen und macht fast einen Wettbewerb daraus, den Öko-Flitzer besonders ressourcenschonend zu manövrieren.
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- Steckdose statt Tankstelle: Gar nicht so einfach und mit einigem an Vorausplanung verbunden, wie sich im Alltag schnell herausstellt.
Idealisten gesucht
Ressourcenschonend im monetären Sinne ist der Mitsubishi i-MiEV leider ganz und garnicht. Von allen Kritikpunkten - und davon gibt es wie beschrieben einige – fällt der horrende Kaufpreis wohl am stärksten ins Gewicht. Kostenintensive Pionierarbeit im noch immer sehr jungen Feld der Elektromobilität hin oder her, aber 35.000 Euro Basispreis für ein Auto, dass ohne den alternativen Antrieb von seiner Gesamtanmutung her höchstens 10.000 Euro kosten dürfte, setzten schon eine sehr stark von Idealismus geprägte Kundschaft voraus. Da tröstet es bestenfalls wenig, dass Annehmlichkeiten wie ESP, eine Klimaanlage oder elektrische Fensterheber zur Serienausstattung zählen. Auf der Habenseite im Kostenkapitel steht immerhin der extrem geringe „Spritpreis“. Nimmt man die aktuellen Strompreise als Grundlage, kosten 100 Kilometer im i-MiEV gerade mal knapp 3,60 Euro. Da kommt der sparsamste Diesel nicht mal annähernd hinterher.
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- Was bleibt also nach einer Woche Umstellung auf die automobile Fortbewegung der Zukunft? Vor allem die Feststellung, dass die derzeit verhältnismäßig erschwingliche Elektromobilität noch arg in den Kinderschuhen steckt. Am kleinwagentypischen Fahrverhalten gibt es wenig zu bemängeln. Qualitätseindruck, Reichweite, mangelnde Infrastruktur und über allem die astronomische Preisgestaltung vermiesen einem die Lust auf Steckdose statt Tankstelle aber nachhaltig.
Kleine Nische
Was bleibt also nach einer Woche Umstellung auf die automobile Fortbewegung der Zukunft? Vor allem die Feststellung, dass die derzeit verhältnismäßig erschwingliche Elektromobilität noch arg in den Kinderschuhen steckt. Am kleinwagentypischen Fahrverhalten gibt es wenig zu bemängeln. Qualitätseindruck, Reichweite, mangelnde Infrastruktur und über allem die astronomische Preisgestaltung vermiesen einem die Lust auf Steckdose statt Tankstelle aber nachhaltig. Man muss Mitsubishi das Übernehmen der Vorreiterrolle in diesem Segment dennoch hoch anrechnen, schließlich kann die Industrie nur besser werden, wenn sie möglichst viele Erfahrungen sammelt. Bei Umweltorganisationen und einigen Regierungen hat der elektrische Schuhkarton übrigens Hochkonjunktur und Mitsubishi wird sich über leere Auftragsbücher nicht beschweren können. Es sei den Japanern gegönnt, allerdings nur unter der Prämisse, dass sie die Entwicklung schleunigst vorantreiben. Denn im Moment taugt die Elektromobilität lediglich für die Nische.

