Fahrbericht Mitsubishi i-MiEV

Erstkontakt Mitsubishi i-MiEV: Zukunft in der Nische

Der Mitsubishi i-MiEV hatte eine Woche Zeit, die benzinliebende Motorvision.de-Redaktion von seinen elektrischen Fähigkeiten zu überzeugen. Ob das geklappt hat und wo es Verbesserungspotenzial gibt, klärt der ausführliche Fahrbericht. ( , 26.07.2011)

Es muss auch mal Elektro sein

Wenn eine Woche lang Strom anstatt hochoktanigen Sprits durch die Motorvision-Redaktion fließt, hält sich die Begeisterung der sportwagenaffinen Mannschaft grundsätzlich in Grenzen. Wenn das entsprechende, rein elektrisch zu bewegende Vehikel dann auch noch aussieht wie der Mitsubishi i-MiEV eben aussieht, ist es schnell ganz vorbei mit der Bereitschaft zur Berichterstattung. Nun wollen wir aber freilich nicht gänzlich als neandertaleske Benzinvernichter verstanden werden, die sich jeglichem Fortschritt, alternative Antriebe betreffend, völlig verweigern. Und so überkommen uns nach sieben Tagen intensiven Elektro-Kleinwagen-Studiums einige unerwartete Erkenntnisse. Vor allem aber die, dass hier noch einiges schiefläuft.

Mitsubishi i-MiEV
Im Innenraum kann der Elektro-Pionier nicht überzeugen und wirkt insgesamt recht einfach. Ein nachträglich eingebautes und recht antiquiert daherkommendes Radio komplettiert den lieblosen Eindruck. Von einem Vorreiter der automobilen Zukunft hätte man gerade in Sachen Infotainment etwas mehr erwartet.

Luftig, aber einfach

Über die denkwürdige Optik des i-MiEV kann man beispielsweise schon vorneweg trefflich streiten. Sei es das japanische Idealbild eines Kleinwagens, dass so stark von unserem divergiert, oder die Vorstellung, ein E-Mobil müsse besonders knuffig-futuristisch daherkommen… übers Aussehen, so viel steht fest, wird sich der stromende Mitsubishi schon einmal nicht verkaufen. Ein gewisses Unbehagen stellt sich überdies beim frontalen Blick auf den Elektro-Zwerg ein, erscheint er mit seiner Breite von lediglich 1,475 Metern, bei 1,61 Metern Höhe, doch arg labil und gebrechlich. Im Innenraum ist davon allerdings erfreulich wenig zu merken. Vier Personen finden im 3,475 Meter langen i-MiEV erstaunlich luftig Platz und 227 Liter Gepäck fahren auch noch mit. Klappt man umfassend um, nimmt der Japaner gar 860 Liter auf. So schön es um das Raumgefühl des kleinen Pioniers bestellt ist, so schlecht steht es um den Qualitätseindruck und das Flair im Cockpit. Armaturenbrett und Sitze wirken arg einfach und sonderlich viel Information kommt in den Anzeigen auch nicht rüber. Ein nachträglich eingebautes und recht antiquiert daherkommendes Radio komplettiert den lieblosen Eindruck. Von einem Vorreiter der automobilen Zukunft hätte man gerade in Sachen Infotainment etwas mehr erwartet.

Mitsubishi i-MiEV
Beim Gaswegnehmen und Bremsen wird der E-Motor mit Energie gespeist. Besonders gut funktioniert das, wenn der Automatikhebel auf B (für Brake-Mode) eingerastet ist. Dann wird automatisch stärker abgebremst und der Fahrer kann sich darüber freuen, dass die Nadel des „Eco-Displays“ ständig im tiefblauen „Charge“-Bereich tanzt.

Forsch nach vorn

Doch vergessen wir mal alles, was bis hierhin zu leichten Irritationen geführt hat. Die wahre Revolution sitzt schließlich im Heck, beziehungsweise unter dem Fahrzeug. Der 49 kW/ 67 PS starke permanentmagnetisierte Synchronmotor treibt im i-MiEV tatsächlich die Hinterräder an. Der Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 16 kWh residiert unter dem Wagenboden. Starten wir also die Zukunft: Dreht man den völlig gewöhnlichen Schlüssel im völlig gewöhnlichen „Zündschloss“, passiert gefühlt bis auf ein kurzes Piepsen rein gar nichts. Betriebsbereit ist der Motor jetzt natürlich trotzdem und nach etwas hakeliger Rührerei in der Automatik-Schaltgasse surrt das i-Mobil lautlos von dannen. Wer (wie wohl die meisten) fahrdynamisch so gut wie nichts erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Mit verhältnismäßig strammen 180 Nm Drehmoment, die typbedingt vom Start weg und permanent anliegen, ist man gerade im für die Stadt relevanten Geschwindigkeitsbereich überraschend flott unterwegs. Lustiger Weise und zum forschen Antritt passend, haben wir die Werksangabe von 15,9 Sekunden für den 0-100-Sprint mit einer Zeit von 13,7 Sekunden geradezu pulverisiert. Nicht eben sportlich, aber doch einigermaßen leger erreicht der i-MiEV dann auch seine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h.

Reichweitenspielchen

Dass der über die Maßen hohe und schmale Elektro-Kasten keine querdynamischen Wunderdinge vollbringen würde, war von Anfang an klar. Er fährt sich prinzipiell eben wie ein ganz normaler japanischer Kleinstwagen. Zickig wird er trotz des Porsche-gleichen Layouts mit Motor und Antrieb hinten nie, steuert mit seiner leichtgängigen Lenkung eher kreuzbrav durch die Kurve. Sein unkompliziertes Wesen und der Mini-Wendekreis von nur neun Metern qualifizieren den kleinen Elektriker überdies zum Champion der Innenstadt. Vornehmlich dort sollte man den Mitsubishi i-MiEV auch bewegen, will man mit der eher bescheidenen Reichweite nicht in Konflikt geraten. Die von Mitsubishi angegebenen 150 Kilometer sind rein theoretischer Natur. Wer 120 Kilometer mit einer Ladung schafft…Glückwunsch! Etwas über 100 Kilometer sind aber realistischer. Vor allem wenn Heizung, Klima und Konsorten auf Volldampf laufen, reduziert sich der Bewegungsradius des i-MiEV spürbar. Entgegensteuern kann man durch möglichst häufiges Rekuperieren. Beim Gaswegnehmen und Bremsen wird der E-Motor nämlich mit Energie gespeist. Besonders gut funktioniert das, wenn der Automatikhebel auf B (für Brake-Mode) eingerastet ist. Dann wird automatisch stärker abgebremst und der Fahrer kann sich darüber freuen, dass die Nadel des „Eco-Displays“ ständig im tiefblauen „Charge“-Bereich tanzt.

Mitsubishi i-MiEV
Ist es mit dem Saft trotz aller Energierückgewinnung irgendwann vorbei, muss der i-MiEV für etwa sechs bis sieben Stunden an die Steckdose. Wer es eher eilig und stärkeren Wechselstrom zur Verfügung hat, kann den Zwerg innerhalb einer halben Stunde immerhin auf 80 Prozent seines Ladungszenits bringen.

Richtig planen

Ist es mit dem Saft trotz aller Energierückgewinnung irgendwann vorbei, muss der i-MiEV für etwa sechs bis sieben Stunden an die Steckdose. Wer es eher eilig und stärkeren Wechselstrom zur Verfügung hat, kann den Zwerg innerhalb einer halben Stunde immerhin auf 80 Prozent seines Ladungszenits bringen. Mehrmals standen wir allerdings verdutzt vor der Frage, wo wir das Teil denn nun auf die Schnelle laden sollen. Öffentliche Ladestationen sind absolute Mangelware und zu allem Überfluss ist das mitgelieferte Kabel keine drei Meter lang. Wenigstens trug das Bild eines durch den Briefkastenschlitz geladenen Kleinwagens zur Belustigung sämtlicher Nachbarn bei. Spätestens jetzt wird offensichtlich, dass die Fortbewegung mit einem Elektroauto eine nicht unerhebliche Umstellung der eigenen mobilen Gewohnheiten mit sich bringt. Das richtige Haushalten mit der Energie und den zurückzulegenden Strecken wird zum Rechenspiel und erfordert einiges an planerischem Geschick. Erstaunlicherweise entdeckt man im kleinen Mitsubishi auch als geschwindigkeitsliebender Redakteur nach kurzer Zeit die Freude am Sparen und macht fast einen Wettbewerb daraus, den Öko-Flitzer besonders ressourcenschonend zu manövrieren.

Mitsubishi i-MiEV
Steckdose statt Tankstelle: Gar nicht so einfach und mit einigem an Vorausplanung verbunden, wie sich im Alltag schnell herausstellt.

Idealisten gesucht

Ressourcenschonend im monetären Sinne ist der Mitsubishi i-MiEV leider ganz und garnicht. Von allen Kritikpunkten - und davon gibt es wie beschrieben einige – fällt der horrende Kaufpreis wohl am stärksten ins Gewicht. Kostenintensive Pionierarbeit im noch immer sehr jungen Feld der Elektromobilität hin oder her, aber 35.000 Euro Basispreis für ein Auto, dass ohne den alternativen Antrieb von seiner Gesamtanmutung her höchstens 10.000 Euro kosten dürfte, setzten schon eine sehr stark von Idealismus geprägte Kundschaft voraus. Da tröstet es bestenfalls wenig, dass Annehmlichkeiten wie ESP, eine Klimaanlage oder elektrische Fensterheber zur Serienausstattung zählen. Auf der Habenseite im Kostenkapitel steht immerhin der extrem geringe „Spritpreis“. Nimmt man die aktuellen Strompreise als Grundlage, kosten 100 Kilometer im i-MiEV gerade mal knapp 3,60 Euro. Da kommt der sparsamste Diesel nicht mal annähernd hinterher.

Mitsubishi i-MiEV
Was bleibt also nach einer Woche Umstellung auf die automobile Fortbewegung der Zukunft? Vor allem die Feststellung, dass die derzeit verhältnismäßig erschwingliche Elektromobilität noch arg in den Kinderschuhen steckt. Am kleinwagentypischen Fahrverhalten gibt es wenig zu bemängeln. Qualitätseindruck, Reichweite, mangelnde Infrastruktur und über allem die astronomische Preisgestaltung vermiesen einem die Lust auf Steckdose statt Tankstelle aber nachhaltig.

Kleine Nische

Was bleibt also nach einer Woche Umstellung auf die automobile Fortbewegung der Zukunft? Vor allem die Feststellung, dass die derzeit verhältnismäßig erschwingliche Elektromobilität noch arg in den Kinderschuhen steckt. Am kleinwagentypischen Fahrverhalten gibt es wenig zu bemängeln. Qualitätseindruck, Reichweite, mangelnde Infrastruktur und über allem die astronomische Preisgestaltung vermiesen einem die Lust auf Steckdose statt Tankstelle aber nachhaltig. Man muss Mitsubishi das Übernehmen der Vorreiterrolle in diesem Segment dennoch hoch anrechnen, schließlich kann die Industrie nur besser werden, wenn sie möglichst viele Erfahrungen sammelt. Bei Umweltorganisationen und einigen Regierungen hat der elektrische Schuhkarton übrigens Hochkonjunktur und Mitsubishi wird sich über leere Auftragsbücher nicht beschweren können. Es sei den Japanern gegönnt, allerdings nur unter der Prämisse, dass sie die Entwicklung schleunigst vorantreiben. Denn im Moment taugt die Elektromobilität lediglich für die Nische.

BEWERTE DIESEN ARTIKEL
rating_image rating_1 rating_2 rating_3 rating_4 rating_5
UMFRAGE

Könnt Ihr Euch vorstellen i-MiEV zu fahren?

  • Wäre er nicht so teuer, wäre er eine Überlegung wert!
    36%
  • Warum nicht? Gerade in der Stadt eine tolle Alternative!
    28 %
  • Teuer, langsam, hässlich! i-MiEV - nein danke!
    24 %
  • In ein paar Jahren, wenn die Entwicklung weiter ist, schon. Jetzt nicht.
    12 %
KOMMENTARE
Ähnliche Artikel

Französische Null-Lösung: Citroen C-Zero

Null Liter Spritverbrauch, null CO2-Emissionen, null Geräusch, volle Power schon ab null Umdrehungen - beim neuen Citroen C-Zero ist der Name Programm.

Das passende Haus zum Elektroauto – Mitsubishi i-Miev und Weber Haus kooperieren

Nur ein umweltfreundliches Auto zu fahren reicht eben nicht! Deshalb hat sich Mitsubishi mit dem Fertighausspezialist Weber zusammen getan, um ein Haus zu bauen, dass sich selbst und dazu noch den Mitsubishi i-Miev mit Strom versorgt.

Vorstellung Mitsubishi Outlander

Mitsubishi Outlander: Auf zu neuen Taten

Mitsubishi zeigt auf dem Genfer Automobilsalon erstmals seinen neuen Outlander.

Pariser Autosalon

Paris: Die Neuheiten Teil 3

Am zweiten Oktober gehts los und der Pariser Autosalon öffnet seine Pforten. Fast alle großen und die meisten kleinen Hersteller sind vertreten und zeigen der Welt wie die automobile Zukunft aussieht. Bei Motorvision erfahrt ihr schon vorab was auf der Messe steht.

Missachtete Helden

Missachtete Helden Teil 3: Mitsubishi Lancer Evo VI

Tommi Mäkinen hat ihn weltweit berühmt gemacht, Tim Schrick prügelte ihn zu Tracktest-Ehren: Der Evo VI ist der bedeutendste in der rumreichen Ahnenreihe der Rallye-Straßensportler von Mitsubishi. www.motorvision.de wirft einen verträumten Blick zurück auf die Jahrtausendwende.
Ähnliche Videos

Mitsubishi L200 im Härtetest

Kajakprofi Schorschi Schauff testet den Mitsubishi L200 unter Extrembedingungen.

Die Mitsubishi-Story: Der Evo X trifft seinen Urahnen

Teil 5 der Mitsubishi-Reportage: Der aktuelle Evo X trifft auf den ersten Mitsubishi Lancer von 1977 - und tritt gegen den Erzrivalen von Subaru an.

Die Mitsubishi-Story: Der Lancer Sportback RalliArt

Teil 6 der Mitsubishi-Reportage: Neuzugang in der Lancer-Familie - Motorvision stellt den Sportback RalliArt vor.

Die Mitsubishi-Story: Die Tracktest-Historie des Lancer Evo

Teil 7 der Mitsubishi-Reportage: Die Historie der Lancer Evolution-Modelle - und ihre grandiosen Vorstellungen auf dem Motorvision Tracktest.

Die Mitsubishi-Story: Von der Rallyepiste auf die Straße

Teil 1 der Mitsubishi-Reportage: Die großen Erfolge in der Rallye-WM.

Die Mitsubishi-Story: Fahrbericht Lancer Evo X

Teil 2 der Mitsubishi-Reportage: So fährt sich die zehnte Auflage des Lancer Evolution.
MOTORVISION MAGAZIN
MOTORVISION AUF FACEBOOK
AKTUELLES VIDEO
Lucy bei Knud Tiroch Teil 6
FACEBOOK EMPFEHLUNGEN