Hilfe aus der Stadt der Engel
Nicht alle Porsche-Fans können sich auch heute noch mit „ihrem“ Elfer identifizieren. Zu groß, zu komfortabel, zu wassergekühlt – manchem Hardcore-Fan ist der Porsche 911 inzwischen zu weichgespült. Doch jenen traditionsversessenen Zeitgenossen kann nun geholfen werden. Singer Vehicle Design aus der Stadt der Engel, Los Angeles, legt jetzt eine Retro-Version der Sportwagen-Ikone auf. Mit Technik und Materialien moderner Machart zwar, aber dem Design der wilden Siebziger und ohne überflüssige Elektronik. Die pure Freude am Heckmotor-Sportler – genau das soll der Singer 911 verkörpern.
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- Über das generalüberholte Chassis eines 964ers oder 993 ers stülpt Singer eine Carbon-Verbundstoff-Hülle im Design der Sechziger und Siebziger Jahre.
Carbon-Karosse mit Entenbürzel
Singer baut das Auto nicht komplett neu auf, sondern nutzt das Chassis von vor 1994 gebauten 911er Coupés. Diese entledigen sich ihrer Karosserie, bevor das Chassis neu verschweißt und verstärkt wird. Dann stülpt Singer eine Carbon-Verbundstoff-Hülle im Design der Sechziger und Siebziger Jahre über das Fahrgestell. Das Besondere: Aerodynamisch ist der Retro-Sportler auf dem neuesten Stand, obwohl die Spoiler – besonders der legendäre „Entenbürzel“-Heckflügel – formal an die Urahnen von anno dazumal erinnern.
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- Der Singer 911 rollt auf 17-Zoll-Felgen im Fuchs-Design. Michelin Pilot Sport-Pneus sind Standard, aber es werden auch Cup-Reifen von Michelin oder Falken angeboten.
Sogar die Farben sind von damals
Um den nostalgischen Look zu perfektionieren, mischen die Lackierer die Original-Farben aus den Sechziger und Siebziger Jahren an. Folgerichtig rollt der Singer 911 auf 17-Zoll-Felgen im Fuchs-Design. Michelin Pilot Sport-Pneus sind Standard. Zudem bietet sich hier die Option an, den Sportler mit Cup-Reifen von Michelin oder Falken für die Rennstrecke zu präparieren. Hinter den Felgen verbirgt sich die Brembo-Vierkolben-Bremsanlage aus dem 993.
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- Singer schnappt sich jene 3,6 Liter-Aggregate, die im 964 und 993 zum Einsatz gekommen sind und revidiert und tunt diese nach allen Regeln der Kunst. Die Leistungsspanne reicht von 304 bis 431 PS.
Wasserkühlung? Nicht mit Singer!
911-Nostalgiker sind sich einig: Ein Elfer-Motor darf nur mit Luft gekühlt werden. Deshalb ist Singer auch bei diesem Thema konsequent und verpflanzt ausschließlich luftgekühlte Boxer-Triebwerke ins Heck seines 911. Die Kalifornier schnappen sich jene 3,6 Liter-Aggregate, die im 964 und 993 zum Einsatz gekommen sind und als Höhepunkt aller luftgekühlten Porsche-Boxer gelten. Gemeinsam mit den britischen Porsche-Boxer-Gurus von Ninemeister und Jerry Woods Enterprises aus San Francisco revidiert und tunt Singer die Motoren nach allen Regeln der Kunst. Mit Hubräumen zwischen 3,6 und 3,9 Litern leisten die Sechszylinder-Boxer nun entweder 304, 385 oder 431 PS. Das sorgt angesichts des überschaubaren Leergewichts von 1.100 Kilogramm für ein exzellentes Leistungsgewicht. Beim Topmodell liegt es bei knapp 2,6 kg/PS – und ordnet sich genau zwischen den aktuellen GT3 RS und GT2 RS ein.
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- Die Fahrleistungen des Singer 911 mit 431 PS: 0 auf 100 mph (96,6 km/h) in 3,9 s, 0 auf 160 km/h in 8,5 s, 274 km/h Topspeed.
Der Beach Boy und sein Urenkel
Bei den Fahrleistungen kann der Singer 911 mit dem puristischen GT3 RS sogar mithalten. Von Null auf 60 mph (96,6 km/h) geht es in 3,9 Sekunden, womit der Retro-Elfer ein Zehntel schneller ist als sein modernes Pendant. Dabei hilft das neue Motormanagement, das auch über eine Launch Control und eine Traktionskontrolleverfügt. Beim Spurt auf 160 km/h setzt sich der moderne Elfer dann aber ab (8,1 statt 8,5 Sekunden), bis er den Urahnen beim Topspeed endgültig in seine Schranken weist und sich mit 310 km/h gegenüber 274 km/h deutlich absetzt. Trotzdem ziehen wir den Hut vor dem in die Jahre gekommenen Beach Boy, dessen Urenkel schon alles aufbieten muss, um ihn auf Distanz zu halten.
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- Ein Getrag-Fünfgang-Getriebe aus dem 964 ist Standard, auf Wunsch gibt es die Sechsgang-Variante aus dem 993 (Foto).
Technik aus „Good Old Germany“
Auch in punkto Getriebe greift Singer auf bewährte und im eigenen Hause generalüberholte 911-Technik zurück. Die Getrag-Fünfgang-Box aus dem 964 ist Standard, auf Wunsch gibt es die Sechsgang-Variante aus dem 993. Damit die Power von 460 Nmbeim Topmodell möglichst verlustfrei an der Hinterachse ankommt, bietet Singer zudem ein Sperrdifferenzial an. Um das fahrdynamische Potenzial des Sportlers zu nutzen, tauschen die Amis Fahrwerk und Radaufhängungen aus und ersetzen sie durch moderne Komponenten. So kommt unter anderem ein Gewindefahrwerk von Bilstein zum Einsatz. Wer aus dem Retro-Elfer endgültig eine Rennstrecken-Waffe machen möchte, lässt Öhlins-Dämpfer oder Teile aus dem 964 RS bzw. den Rennversionen des 993 einbauen.
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- Durch das 380 Millimeter-Lenkrad des Carrera RS aus dem Jahr 1973 blickt der Pilot auf die klassische Uhrensammlung bestehend aus fünf Instrumenten. Auch das nostalgische Blaupunkt Frankfurt-Radio kommt zum Einsatz.
Nostalgisches Flair auch im Innenraum
Wer möchte, kann seinen Singer 911 auch innen in einen wahren Straßen-Rennwagen verwandeln und einen Überrollkäfig oder Sicherheitstank einbauen lassen. Ansonsten regiert Sportwagen-Flair der Sechziger und Siebziger Jahre. Die Sitze präsentieren den Stil der Recaros aus jener Zeit, sind aber mehrfach elektrisch verstellbar. Durch das 380 Millimeter-Lenkrad des Carrera RS aus dem Jahr 1973 blickt der Pilot auf die klassische Uhrensammlung bestehend aus fünf Instrumenten. Natürlich sitzt der Drehzahlmesser im Zentrum, rechts daneben befindet sich der neu kalibrierte und auf 180 mph (290 km/h) skalierte Tacho. Auf Annehmlichkeiten wie Zentralverriegelung, Klimaanlage oder das optionale Navigationssystem müssen die Insassen nicht verzichten. Singers Liebe zum Detail äußert sich exemplarisch beim Radio: Jenes Blaupunkt Frankfurt-Radio, das in den frühen Siebzigern zur Standardausrüstung des Porsche 911 gehörte, macht auch im Singer 911 die Musik. Allerdings wird die Kapelle aufwändig restauriert und mit modernem Verstärker sowie Lautsprechern aufgerüstet. Es kann sogar ein iPod angestöpselt werden.
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- Der Singer 911 in Basisausstattung kostet 175.000 US-Dollar, derzeit etwa 126.000 Euro. Allerdings sind auch schon Exemplare für 300.000 US-Dollar (217.000 Euro) verkauft worden.
Eine Frage der Identifikation
Angesichts des Aufwandes, den Singer bei seinem 911 betreibt, überrascht es kaum, dass der Bolide nicht zum Dumpingpreis über den Ladentisch geht. Eine 304 PS-Version in Basisausstattung kostet 175.000 US-Dollar, derzeit etwa 126.000 Euro. Allerdings sind auch schon Exemplare für 300.000 US-Dollar (217.000 Euro) verkauft worden. Damit sind wir fast schon in GT2 RS-Gefilden, der etwa 20.000 Euro teurer ist. In diesem Fall ist es also tatsächlich eine Frage der Identifikation und keine des Geldes, für welchen Elfer man sich letztlich entscheidet.

