DTM: Seit fünf Jahren der gleiche Film
In der DTM läuft seit Opels Ausstieg nach der Saison 2005 Jahr für Jahr der gleiche Film ab: Audi und BMW treten gegeneinander an, je vier Autos sind auf dem aktuellen Stand. Mit wenig konkurrenzfähigen Jahres- oder Gebrauchtwagen wird das Feld aufgefüllt. Hier wie da befinden sich prominente Ex-Formel 1-Piloten im Team, die mit viel Vorschusslorbeer in die Saison starten und am Ende Mühe haben, in die Punkte zu fahren. Mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit gehen entweder die vier Ringe oder der Stern als Gesamtsieger hervor. Auf dem Weg dahin gibt es das eine oder andere Scharmützel zwischen den Werken, wirft man sich Unfairness und gerne auch eine überharte Fahrweise vor. So geht es nun seit fünf Jahren, das System DTM hat sich überlebt. Es muss sich etwas ändern, das weiß man bei Audi genauso gut wie bei Mercedes oder der DTM-Dachorganisation ITR.
2011: BMW ist bereit
Ein erster Schritt zur Besserung soll das Engagement eines neuen Herstellers sein. Die Fans wünschen sich sehnlichst BMW zurück, schließlich hat das Trio Audi, BMW und Mercedes schon Anfang der Neunziger Jahre die goldene Ära der DTM geprägt. Und tatsächlich stehen die Chancen gut, dass die Münchner 2011 zurückkehren. „Wir freuen uns darauf, BMW schon bald wieder in der DTM begrüßen zu dürfen", sagt ITR-Vorstandsmitglied Thomas Betzler dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Wir haben BMW unser Konzept vorgelegt, und wir wissen, dass es in München wohlwollend geprüft wird. Nicht umsonst ist BMW bereits jetzt schon regelmäßig bei allen wichtigen DTM-Meetings mit von der Partie.“
Die Konkurrenz rollt den roten Teppich aus
Die Voraussetzungen für einen DTM-Einstieg von BMW sind jedenfalls perfekt. Nach dem Formel 1-Ausstieg Ende 2009 können die Münchner ein neues Betätigungsfeld im Motorsport gut gebrauchen. Zwar intensiviert BMW seine Aktivitäten im GT-Sport, reduziert aber gleichzeitig sein Engagement in der Tourenwagen-WM. Dort fühlt man sich angesichts der Diesel-Übermacht vom Reglement benachteiligt, stößt bei den Regelhütern des Weltverbandes FIA aber auf taube Ohren. Die DTM rollt BMW dagegen den roten Teppich aus, führt 2011 sogar ein anderes technisches Reglement ein, um dem Neuling den Einstieg zu erleichtern. Selbst die Konkurrenz würde sich über einen BMW-Einstieg freuen: „Ich bin ziemlich sicher, dass sich mit diesem Konzept weitere Hersteller für die DTM entscheiden“, hatte kürzlich Audi-Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer gesagt – und fügt vielsagend hinzu: „Vielleicht sogar einer aus Bayern."
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- Ralf Schumacher ist einer der prominenten Ex-Formel 1-Piloten, die mit viel Vorschusslorbeer in die Saison starten und am Ende Mühe haben, in die Punkte zu fahren
Das Übergangsjahr vor dem Neuaufbau
Bis es soweit ist, muss die DTM noch ein klassisches Übergangsjahr vor einem Neuaufbau durchziehen. Bis dahin treten sowohl Audi als auch Mercedes mit 2009er Autos gegeneinander an, die Boliden der Gebrauchtwagenfahrer sind auf dem technischen Stand von 2008. Auch das sportliche Reglement bleibt weitgehend unangetastet. So bleibt das Gewicht der aktuellsten Autos mit 1.050 Kilogramm unverändert, die Renner von 2008 specken um fünf auf 1.025 Kilogramm ab. Die wichtigste Neuerung: Zusatzgewichte fallen fortan weg, Erfolg wird nicht mehr durch zusätzlichen Ballast bestraft.
Scheider und Ekström: Die Audi-Speerspitzen 2010
Da die Technik eingefroren worden ist, sollte sich an der Hackordnung innerhalb des Feldes wenig ändern. Audi geht als leichter Favorit in die Saison, schließlich haben die Herren der Ringe seit 2007 alle Fahrertitel geholt. Dafür lag in der Teamwertung in den beiden vergangenen Jahren eine Mercedes-Mannschaft vorne – die Autos starten also weitgehend auf Augenhöhe in die neue Saison. Titelverteidiger Timo Scheider kann 2010 Historisches schaffen: Als DTM-Champion 2008 und 2009 kann er als erster Pilot den Titel-Hattrick schaffen. Doch schon im eigenen Team gibt es große Konkurrenz, allen voran der ebenfalls zweifache Champion Matthias Ekström. Martin Tomczyk ist für einen Meisterschaftskandidaten nicht konstant genug, dürfte aber wie in der Vergangenheit einzelne Glanzlichter setzen. Auf Oliver Jarvis darf man dagegen gespannt sein: Der Brite ersetzt die Legende Tom Kristensen, ist schnell und zweikampfstark und will unbedingt den Beweis antreten, dass er das Cockpit im aktuellen Audi zu Recht ergattert hat.
Viel Formel 1-Erfahrung bei Mercedes
Mercedes tritt mit einem Trio gegen die Audi-Doppelspitze Scheider/Ekström an. Gary Paffett, Paul di Resta und Bruno Spengler bringen allesamt das nötige Rüstzeug mit, um im Titelkampf ein gewichtiges Wörtchen mitreden zu können. Paffet und di Resta sind sogar aktuelle Test- und Ersatzfahrer in der Formel 1. Spannung ist auf jeden Fall garantiert, wenn die drei Youngster in den ersten Rennen die Hierarchie im Team ausfahren. Die altgedienten Ex-Formel 1-Fahrer dürften dabei außen vor bleiben: Ralf Schumacher wird auch im dritten DTM-Jahr vorrangig wegen seines Namens in der Serie aktiv sein. Gleiches gilt für den kurzfristig verpflichteten David Coulthard, der zudem im Mücke-Team mit einem Gebrauchtwagen Vorlieb nehmen muss. Ein weiterer Neuzugang im Mercedes-Team ist Congfu Cheng. Keiner weiß, wie gut der Chinese ist, aber er soll die Aufmerksamkeit in seiner Heimat mehr in Richtung DTM lenken. Schließlich feiert die Serie 2010 erstmals ihr Saison-Abschlussrennen im Land des Lächelns, dessen Automarkt für die deutschen Premiumhersteller so wichtig ist.
Die DTM startet 2010 also in ein Übergangsjahr, 2011 soll dann alles besser werden. Trotzdem wird die Serie spannenden Tourenwagensport bieten, heiße Rad-an-Rad-Duelle mit anschließenden verbalen Auseinandersetzungen sind garantiert. Und immerhin kann Timo Scheider Historisches erreichen – allein das hat Aufmerksamkeit verdient.

