DiRT 2 soll die Erfolgsstory der ehrwürdigen Colin McRae Rallye-Reihe weiterführen und gleichzeitig ein Tribut an den Meister aus Schottland darstellen. (Florian Maier , 01.01.2009)
Im Jahr 2007 erschien der sechste Titel der ehrwürdigen Colin McRae Rallye-Reihe. DiRT heimste damals Höchstwertungen der Fachpresse ein. Zugleich war es das letzte Spiel, an dem Colin McRae selbst mitwirken konnte. Denn am 15. September 2007 kam der erste – und bisher einzige – britische Rallye-Weltmeister bei einem tragischen Hubschrauber-Absturz ums Leben. Insofern sind die Rennspiele, die Colin McRaes Namen tragen, ein Teil seines Vermächtnisses – und DiRT 2 trägt das „Colin McRae“-Gütesiegel vollkommen zu Recht.
DiRT 2 überrascht schon beim ersten Einlegen mit einer Präsentation im Stile bekannter Action-Racer: Schnelle Schnittfolgen erfreuen das Auge, Action-Szenen das Kleinhirn. Schon an dieser Stelle lässt sich erahnen, dass der Fokus des Nachfolgers auf Action verlagert wurde, was nicht Jedermanns Sache sein dürfte.
Home Improvement
Der neuralgische Punkt bei DiRT 2 ist ein Wohnwagen. Dieser setzt das Hauptmenü auf plastische Art und Weise um und bildet das Heim des Spielers auf seinen zahlreichen Weltumrundungen während der Karriere. Ob in politischen Grauzonen Chinas, den Party-Hochburgen Kroatiens oder den Mormonen-Landstrichen der USA – das Lieblingsspielzeug der Holländer ist immer mit dabei. Genauso wie die eigene Mechaniker-Crew, die sich vor beziehungsweise nach jedem Event um die Ausbeulung der Karosse sorgt. Die Präsentation in ihrer Gesamtheit ist deutlich frischer und peppiger als bei so manch anderem Genre-Vertreter geraten: Der fetzige Soundtrack besteht größtenteils aus Punkrock-Nummern, die Optik ist deutlich cineastisch geprägt und der virtuelle Moderator schafft es, zu informieren und dabei nie die Grenze zur Nervtöterei zu überschreiten. Im Laufe der Karriere bekommt man die Möglichkeit, sein Können in zahlreichen verschiedenen Events zu beweisen: Echte Rallyes mit Beifahrer sind dabei genauso mit an Bord wie Zeitfahren, Duelle mit Rallye-Größen wie Ken Block oder Dave Mirra, Offroad- oder „Torjäger“-Events. Die Krönung bilden aber die obligatorischen X-Games Events. Und für besonders erfolgreiche Fahrer gibt´s dann auch noch ein Colin McRae Gedenk-Event!
Full House
Das Handling der Fahrzeuge – von denen es insgesamt 35 verschiedene gibt – ist generell sehr sensitiv ausgelegt: Bremse und Gaspedal sollten mit sehr viel Bedacht eingesetzt werden! Nur so kommt man mit beeindruckenden Drifts an Gegnern und Hindernissen vorbei, um schließlich das Zielfeuerwerk zu genießen. Der Fuhrpark von DiRT 2 beinhaltet klassische Rallye-Boliden wie Subaru Impreza WRX STi oder Mitsubishi Lancer Evo IX, aber auch moderne Racer wie etwa das BMW Z4 M Coupé. Außerdem gibt es Buggys und Offroad-Monster wie Hummer H2 oder Toyota FJ Cruiser zu lenken. Die Steuerung mit dem Gamepad gelingt bereits nach relativ kurzer Eingewöhnungszeit sehr gut. Die Bremspunkte sollte man allerdings perfekt treffen, ansonsten kennen die Wagen meist nur eine Richtung: geradeaus! Mit dem Microsoft Wireless Racing Wheel ist man ebenso gut bedient: Mit den Pedalen lassen sich Gas und Bremse noch etwas besser dosieren, das Lenken verlangt jedoch ein größeres Maß an Präzision. Insgesamt gesehen ist das Fahrgefühl mit beiden Steuergeräten als rundum gelungen und sehr einsteigerfreundlich zu bezeichnen!
Out of This World
Hinzu kommt die fordernde Intelligenz der Gegner im Rennen: Hier wird nicht aus Nächstenliebe Platz gemacht! Im Gegenteil: Rammt man einen der lieben Kollegen, wird das so schnell nicht verziehen! Harsche Worte sind erst der Anfang. Eventuell kommt es dann in der letzten Runde des Rennens gar zum fiesen Racheakt inklusive linguistischer Häme. So müssen virtuelle Gegner fahren! Die Synchronisation und deutsche Lokalisierung sind lobenswert: Sowohl Sprecher als auch die zahlreichen Gegner leisten sich keine sprachlichen Fehltritte! Auch das Schadensmodell der Fahrzeuge lässt wenig Wünsche offen: Abfallende Fahrzeugteile, rauchende Wracks und spektakuläre Unfälle lassen Destruktions-Freaks in Wohlwollen verfallen. Die Soundeffekte schlagen in die gleiche Kerbe: Dröhnende Motoren und authentische Crashgeräusche untermalen das Bildschirmgeschehen absolut angemessen.Grafisch präsentiert sich DiRT 2 in absolutem Chic: Die Umgebung der Strecken ist –
Who´s the Boss?
Colin McRae: DiRT 2 bietet im Gegensatz zu seinem Vorgänger auch einen vollwertigen Online-Multiplayer Part. Im „Jam Session“-Modus kann man sich mit den Freunden nicht gewertete Rennen in sämtlichen Varianten liefern, im „Pro Modus“ geht´s dann ernsthafter zur Sache: Bis zu acht Spieler versammeln sich hier zu Online-Ranglisten-Rennen, die es in sich haben! Die Erfolge (Xbox360, PC) beziehungsweise Trophies (PS3) sind fair, aber fordernd verteilt. Die Negativ-Faktoren an DiRT 2 treten beim Vergleich mit dem Vorgänger in den Vordergrund: Weniger Fahrzeuge (wo ist der Ur-Quattro?!), relativ kurze Rennen, zu wenige „echte“ Rallye-Rennen und vor allem die Rationalisierung des umfangreichen Feineinstellungs-Systems berauben DiRT 2 des Simulationsanspruchs. Dafür wurde der Anteil arcadelastiger Action nach oben geschraubt und die Präsentation gehörig aufgemöbelt.
Fazit: Colin Mc Rae: DiRT 2 präsentiert sich in abgespeckter Form, was Fahrzeuge und Optionen angeht, dafür legt es deutlich an Zugänglichkeit zu! Letztendlich eine reine Geschmacksfrage: Wer nicht auf reinrassige Simulationen festgelegt ist, der wird auch an Codemasters neuestem „Dreck“-Streich für PC, Xbox 360 und PlayStation 3 seine helle Freude haben!