Faszination 30 Jahre Blues Mobil

Dodge in göttlicher Mission

Vor 30 Jahren brachten die Blues Brothers die Kinoleinwand zum Beben. Die chaotische Musik-Komödie mit ultrahohem Crash-Quotienten machte auch den unscheinbaren Dodge Monaco berühmt. ( , 06.07.2010)

To serve and to protect

Jake kann es nicht fassen: Da holt ihn sein Bruder Elwood nach drei Jahren endlich aus dem Knast ab, und mit was für einem Auto fährt er vor? Mit einem ehemaligen Streifenwagen! Den Cadillac ihrer gemeinsamen Band, das Blues Mobil, hat Elwood gegen ein Mikrofon eingetauscht. „Das ist einzusehen“, muss Jake zugeben. Aber was soll diese schäbige Karre mit der verblichenen schwarz-weißen Lackierung, bei der man noch den Polizeistern und den Schriftzug „Toserveandtoprotect“ erahnen kann?

´74er Dodge Monaco

„Du magst also den Wagen nicht“, sagt Elwood und belehrt seinen Bruder eines Besseren: Er tritt das Gaspedal bis zum Bodenblech durch, mit quietschenden Reifen stürmt der 74er Dodge Monaco voran und fliegt über eine halb geöffnete Klappbrücke. „Der Wagen hat einen Bullen-Motor, auf 350 PS aufgeblasen. Hat Bullen-Reifen, Bullen-Getriebe, Bullen-Stoßdämpfer. Was sagst du jetzt, ist das das neue Bluesmobil?“ fragt Elwood seinen beeindruckten Bruder. Trotzdem hat Jake noch etwas zu meckern: „Der Zigarettenanzünder ist kaputt.“

Das Bluesmobil unter Beschuss

1980 rollten die Blues Brothers in die Kinos, und bis heute hat die Komödie mit ihren unglaublichen Autoverfolgungsjagden nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Jake und Elwood sind im Auftrag des Herrn unterwegs, denn sie sollen 5000 Dollar für das katholische Waisenhaus auftreiben, in dem sie einst aufgezogen wurden. Für diese göttliche Mission müssen sie ihre alte Band wieder zusammentrommeln, deren Mitglieder aber mittlerweile alle „korrekte Jobs“ haben. Als die Band endlich wieder versammelt ist, fangen die Probleme erst an: Seit Jake und Elwood bei einer Verfolgungsjagd mit ihrem Dodge ein komplettes Einkaufszentrum in Schutt und Asche gelegt haben, ist ihnen die gesamte Polizei des Staates Illinois auf den Fersen.

Hochkarätige Besetzung

Regisseur John Landis versammelte für seinen Film neben John Belushi (Jake) und Dan Aykroyd (Elwood) diverse Musik-Legenden, die in Nebenrollen auftreten: Cab Calloway, der schon in den 30er Jahren den New Yorker Cotton Club zum Kochen brachte, spielt Curtis, die gute Seele des Waisenhauses. James Brown tritt als Prediger in einer Kirche auf, Ray Charles rüstet die Blues Brothers in seinem Musikgeschäft mit Instrumenten aus und Aretha Franklin ist die Frau des Band-Mitglieds Matt „Guitar“ Murphy.

Kein Happy End für den Dodge

Am Ende erfüllen die Blues Brothers natürlich ihre Mission und treiben das Geld auf, aber erst nach vielen Musikeinlagen und einer aberwitzigen Verfolgungsjagd durch Chicago, bei der unzählige Streifenwagen zu Bruch gehen. Auch das Blues Mobil ist den Strapazen nicht mehr gewachsen: Kaum am Ziel angekommen, zerfällt der Dodge zu Elwoods großem Bedauern in seine Bestandteile. Schließlich ist das Waisenhaus gerettet, die Blues Brothers aber landen wieder im Knast – wo sie gleich den „Jailhouse Rock“ zum Besten geben.

Erst als Bluesmobil zum Ruhm

Während James Brown oder Ray Charles auch ohne den Film zu Legenden geworden wären, hätte das der 74er Dodge Monaco ohne seine Rolle als Blues Mobil wohl kaum geschafft. Im Prospekt von 1974 als „unmissverständlich neu“ beworben, war der große Ami-Schlitten zwar das luxuriöse Aushängeschild der Marke Dodge, optisch kam er aber ziemlich bieder daher. Für echten Luxus war im Konzern ohnehin die Marke Chrysler zuständig. Den Monaco gab es als Coupé, Limousine und Kombi sowie in den Ausstattungslinien „Monaco“, „Custom“ und „Brougham“. Zu den Optionen gehörten Weißwandreifen, Tempomat, Klimaautomatik, Vinyldach, elektrisch verstellbare Sitze und Stoff-/Vinyl-Polsterung für die Sitze. Der Zigarettenanzünder war schon im Basismodell serienmäßig an Bord.

Monaco als Streifenwagen

Unter der Haube waren in den 70ern zwar bereits Downsizing und geringere Verdichtung angesagt, doch für den Monaco blieben drei kräftige V8-Motoren mit bis zu 7,2 Litern Hubraum übrig. Bei Flottenkunden wie Taxiunternehmen und Polizeirevieren wurden eher die etwas kleinere Limousine Dodge Coronet oder der Plymouth Satellite eingesetzt, doch auch der Monaco kam zum Zug. Als Streifenwagen war er karg ausgestattet, aber mit sinnvollen Extras wie verstärktem Fahrwerk und leistungsgesteigerten Motoren versehen.

Katholischer Klassiker

Das ist bei amerikanischen Streifenwagen noch heute so. Deshalb sind sie bei Auktionen ziemlich begehrt, selbst wenn sie einen astronomischen Meilenstand haben. Bevor man die ausgemusterten Autos an Privatleute abgibt, werden sie natürlich abgerüstet – das Blaulicht wird abgeschraubt, die Funkausrüstung ausgebaut und jede Markierung mit viel Aufwand entfernt. Bei Elwoods Wagen, den er bei einer Auktion der Mount Prospect City Police bei Chicago ersteigert, sind immerhin noch der Rammbügel an der Front und der Suchscheinwerfer vorhanden.

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