Game Review: DiRT 3

DiRT3: Schlammgruben-Schönling

Lange mussten Rallye-Fans warten, jetzt endlich steht DiRT3 in den Startlöchern. Und Teil Drei des erfolgreichen Rallye-Franchises aus dem Hause Codemasters macht vieles besser als sein ohnehin schon grandioser Vorgänger. ( , 20.06.2011)

Steriler Look

Das aus DiRT 2 bekannte, interaktive Motorhome-Menüsystem ist Geschichte, stattdessen erwartet den Spieler nun ein geometrisches Menüsystem.Das strotzt jetzt nicht gerade vor Innovation und die Drei- und Rechtecke haben auch eher wenig mit der Vermittlung von Motorsport-Flair zu tun.Nett anzusehen ist der neue Look aber allemal.
Die Spielmodi dagegen sind nahezu identisch zum Vorgänger: so darf man sich in der DiRT-Tour in den Disziplinen„Rally“, „Rally-Cross“, „Landrush“ oder „Trailblazer“mit der CPU messen.
Während „Rally“ und „Trailblazer“ Euch auf die Jagd nach der Bestzeit schicken, kriegt ihr es in den Disziplinen „Rally Cross“ und „Landrush“ auf direktem Weg mit den gegnerischen Karossen zu tun. Großartig gelungen ist das Verhalten der vom Computer gesteuerten Rivalen, denn die passen sich Eurer Fahrweise an. Wer also auf der Strecke ordentlich austeilt, kann sich einem Revanche-Akt so gut wie sicher sein. Und wer sich allzu bereitwillig rammen lässt ohne dagegenzuhalten, sieht sich bald den hemmungslosen Aggressionen des gesamten Feldes ausgesetzt.
Ein neues Feature ist der „Gymkhana“-Modus. Von US-Superstar Ken Block über das Youtube-Portal bekannt gemacht, geht es in dieser extravaganten Disziplin darum, sich an wahnwitzigen Stunts auf vier Rädern zu versuchen. Sprünge, Driften, kunstvolles Donutfahren und Burnouts – kein motorengetriebenes Sonderbedürfnis kommt hier zu kurz. Dabei stellen die „Gymkhana“-Events völlig andere Anforderungen an den Spieler als die Racing-Events: Bleifuß-Rowdies kommen hier sehr schnell an ihre Grenzen, denn ohne gefühlvolle Dosierung von Gas und Bremse und vor allem dem Gefühl für den perfekten Einlenkzeitpunkt geht hier gar nichts. Um möglichst viele Punkte in den „Gymkhana“-Arenen zu ergattern, ist fehlerfreies Fahren und die Aneinanderkettung möglichst vieler verschiedener Aktionen Pflicht.

Race Buggy
Im Race-Buggy ist besondere Vorsicht angesagt, ein Dreher ist schnell mal drin. Vor allem bei Gegnern die Euch nichts schenken.

Handling-Vielfalt

Die Steuerung der vielen verschiedenen Fahrzeuge ist immer noch relativ leicht zu erlernen – auch für blutige Anfänger. Was aber nicht heißen soll, dass das Fahren keine Herausforderung darstellt: ob Race-Truck, Buggy oder Trailblazer-Rakete, sämtliche Wagen sind sehr empfindlich und reagieren schon auf minimale Lenkbewegungen – jedes auf seine eigene Art und Weise. Kommen dann fahrbahntechnische Unebenheiten und Fahrfehler zusammen, landet man schnell mal im Graben, am nächsten Baum oder im Tümpel. Um seine Fehler wieder auszubügeln, stehen pro Event fünf sogenannte „Flashbacks“ zur Verfügung. Das Renngeschehen lässt sich damit um einige Sekunden zurückspulen und an gewünschter Stelle wiederaufnehmen. Je weniger Flashbacks zum Einsatz kommen, umso höher fällt die Belohnung am Ende des Events aus – in Form von Erfahrungspunkten. Die wiederum addieren sich auf eurem Fahrerlevel-Konto, dessen Ende bei Level 30 erreicht ist.
Neben dem DiRT-Tour Karrieremodus stehen für Einzelspieler auch „Time Trial“ und „Single Race“ zur Verfügung.

Der Schwierigkeitsgrad lässt sich in fünf Stufen regeln, zusätzlich sind Features wie Lenk- und Bremshilfe einzeln zu- beziehungsweise abschaltbar. Dadurch kann das Game sehr genau auf die Fähigkeiten des Spielers eingestellt werden und bietet auch für Profis ein hohes Maß an Herausforderung. Wer´s besonders extrem mag, der stellt alle Fahrhilfen aus und steuert mit dem Microsoft Wireless-Wheel auf der Xbox360 – dann führt allerdings schon der kleinste Lenkfehler zum Abflug. Übung macht den Meister!

Mini Cooper
Der Ur-Mini ist natürlich auch dabei – und trotzt tapfer jeder Wetterkapriole.

Anti-Sammelleidenschaft

Autosammler haben diesmal leider schlechte Karten – ihr bekommt mit steigendem Fahrerlevel immer neue Angebote bestimmter Racing Teams, die ein bestimmtes Auto für Euch bereithalten. Die Palette bietet eine riesige Auswahl an Fahrzeugen, das Portfolio reicht von den legendären Gruppe A und Gruppe B-Boliden über Buggys und Trucks bis hin zu den S2000-Racern der Gegenwart. Alle Hersteller, die jemals wichtig für den Rallye-Sport waren, sind vertreten: Ford, Toyota, Opel, Mitsubishi, Subaru, BMW, Citroen, Peugeot, Mini – alle aufzuzählen würde eindeutig den Rahmen sprengen. Auf jeden Fall dürften alle blechgewordenen Rallye-Vorlieben bedient werden, nur kaufen dürft ihr die „Dreckschleudern“ eben nicht mehr. Zumindest nicht mit In-Game-Moneten: verschiedene Car-Packs werden natürlich im Laufe der Zeit als „Downloadable Content“ nachgeschoben, einer ist bereits erhältlich. Das „Kraft und Ruhm“-Wagenpaket beinhaltet den BMW M3 Rally, Lancia Delta S4, Ford Focus ST Rallycross, Scion tC und den Chevy Camaro SSX Concept. Zu einem moderaten Preis von circa sechs Euro.
Zum Preis von nur circa drei Euro erhaltet ihr das „Colin McRae Vision Charity“-Pack: den Ford Escort MK II mit fünf verschiedenen Lackierungen. Der Name der verstorbenen Rallye-Legende ist zwar mittlerweile aus dem Titel des Games verschwunden, dennoch bleibt das Franchise mit der Ikone verbunden. Alle Erlöse wandern zudem nicht in die Tasche des Publishers sondern gehen sämtlich an die Colin McRae Vision Charity-Stiftung. Vorbildlich!
Demnächst steht dann auch noch das Release des „Monaco“-DLCs an, der acht Etappen der legendären Rallye Monte Carlo implementieren wird. Außerdem soll mit dem Paket Nebel als weiterer Wettereffekt den Weg ins Spiel finden.
Fest steht: in punkto Fahrzeugauswahl wird Euch bei DiRT3 auf jeden Fall nicht so schnell langweilig!

Das Fahrzeug-Setup lässt sich ebenfalls verändern, allerdings werden die Optionen Simulations-Fanatiker kaum zufriedenstellen können, dafür sind die Schieberegler für Fahrwerk, Bremsen, Schaltwege, Aerodynamik und Bremsen einfach ein wenig zu spartanisch ausgefallen.

Ford Fiesta RS
Schneeverklebtes Heck – die Liebe zum Detail ist deutlich sichtbar

Vorsprung durch Optik

Technisch ist DiRT3 ein Meisterwerk: grafisch gibt es im Rennsektor derzeit eigentlich keinen Titel, der in punkto Umgebungsgrafik und Realismus mithalten kann. Der einzige Makel ist das immer noch fehlende „Bodendeformations-Feature“. Beim nächsten Mal dann aber bitte, liebes Codemasters-Team!
Die Atmosphäre auf der Strecke ist einmalig: Motoren dröhnen, Zuschauer jubeln, rufen oder laufen mal kurz über die Strecke, mit Surround Sound-Unterstützung fühlt man sich mitten ins schmutzige Geschehen hineinversetzt – das selbstverständlich völlig ruckelfrei in schönstem HD abläuft. Davon profitiert auch das überragende Schadensmodell. So gut wie jedes Teil am Auto Eurer Wahl lässt sich demolieren, Staub und Dreck haften an der Karosserie und falls ihr mal frontal einem Pfeiler begegnet, dürft ihr Schönheit und schiere Ausmaße Eures Totalschadens in Zeitlupe bewundern. Und was ist eleganter als eine geborstene Vorderachse und zugehörige Gummi-Pendants, die in schönster Anti-Ästehtik gen Himmel und Zuschauergruppen fliegen?
Der grafische Detailreichtum des Rennspiel-Genres erreicht mit DiRT3 jedenfalls ohne Frage ein ganz neues Level!

Ein großes Lob ist an dieser Stelle auch für die implementierten Landschaften und Wettereffekte fällig: ob bei Tag oder Nacht, bei Regen oder Schnee, in Monaco, Finnland oder Kenia, die Kurse sehen großartig aus! Insbesondere ist auch die Cockpit-Perspektive als sehr gelungen und realitätsnah hervorzuheben – ob Instrumentenanordnung, Scheibenwischer-Effekt oder Eurem persönlichen Avatar als Spiegelschnickschnack, hier stimmt wirklich jedes Detail.
Im Vergleich muss allerdings erwähnt werden, dass die Locations leider nicht den Abwechslungsreichtum des Vorgängers erreichen. Stickige Dschungel-Jagden zum Beispiel entfallen diesmal leider!

Ford Fiesta RS Peugeot 207
Lokaler Splitscreen-Modus: Ford versus Peugeot versus aggressiver Rest des Feldes.

Serienmäßige Vernetzung

Social Networking ist ja schon seit längerem schwer angesagt – die Vernetzung von DiRT3 mit dem Videoportal YouTube kommt also nicht von ungefähr. Bis zu 30 Sekunden eurer profihaften Runden und Stuntorgien lassen sich „youtube´n“ und das Ergebnis so mit Euren Freunden teilen.
Im Multiplayer-Sektor kann Codemasters seine ganze Erfahrung spielen lassen und dementsprechend ausgefeilt kommt der Online-Wettstreit auch daher: gegliedert in die Disziplinen „Pro Tour“ und „Jam Session“ erlaubt erstgenannter Modus bis zu acht Spielern über das Onlineportal ihrer Wahl in Ranglisten-Rennen gegeneinander anzutreten. „Jam Session“ dagegen ist einfach zwangloser Multiplayer-Spaß. Der Clou am Online-Modus ist allerdings, dass sich eine "DiRT-Party" mit bis zu vier Mitfahrern anlegen lässt. Die komplette Party kann dann auch gemeinsam an „Pro Tour“ wie „Jam Session“-Events teilnehmen.
An der technischen Umsetzung gibt es – wie von Codemasters gewohnt – ebenfalls nichts zu meckern. Beim Test auf dem Xbox Live-Portal kam es weder zu Ausfällen, noch zu Rucklern, endlosen Lade- oder Wartezeiten oder ähnlich unschönen Erlebnissen.
Wer keine Online-Anbindung nutzen kann oder will, hat auch die Möglichkeit lokal über Splitscreen oder System-Link mit Freunden abzuracen.

Audi S1
Ab durch´s Unterholz - in DiRT3 wird jedes noch so dreckige Rennen zum optischen Hochgenuss.

Treppchen-Mietrecht

Kein Zweifel, DiRT3 ist das neue Topmodel des Rallye-Genres. Das Game vereint jede Menge Fahrspaß mit Action, Geschicklichkeit und Ästhetik und bietet reichlich Abwechslung durch die schöne bunte Mischung von Gymkhana-Events, Challenges und den verschiedenen Rallye-Disziplinen.
Auf der Negativseite stehen das fehlende "Bodendeformations"-Feature, das dem grafischen Realismus die Krone aufgesetzt hätte und die mit der Zeit leicht eintönige Kursauswahl. Für so manchen Rennfanatiker ist natürlich auch die fehlende Möglichkeit eine eigene Auto-Sammlung anzulegen, ein Negativ-Punkt.
Insgesamt hat Codemasters uns mit DiRT3 aber überzeugt. Das Spiel ist auf jeden Fall ein Highlight des Racing-Genres, das den Spagat zwischen Simulation und Arcade-Racer – wie schon sein Vorgänger – grandios meistert. Wer kein Hardliner einer der beiden Lager ist, wird mit DiRT3 in jedem Fall glücklich.

Also, wenn die Disc nicht schon längst in Eurem PC, der Xbox 360 oder der PlayStation 3 rotiert, wird´s höchste Zeit!

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