Jetzt geht es ab auf die Piste: Motorvision verrät, wie viel Spielspaß Forza Motorsport 3 tatsächlich bietet – und wo noch Verbesserungspotential liegt. (Florian Maier , 01.01.2009)
Schicksals-Kurve
Trotz der Überzahl an Fahrzeugen und Einstellmöglichkeiten steuert sich jedes Fahrzeug unterschiedlich und verlangt Eingewöhnungszeit, um perfekte Runden hinzulegen. Die Steuerung per Gamepad oder Wireless-Lenkrad ist gleichermaßen gut gelungen und vermittelt hervorragendes Feedback, gerade wenn es über Bodenwellen, Kuppen oder Curbs geht. Besonders mit dem Wireless-Lenkrad gilt es, immer den perfekten Einlenk- beziehungsweise Bremspunkt zu finden, ansonsten landet man ganz schnell im undankbaren Kiesbett oder klebt an einer widerstandsfähigen Mauer. Simulation pur eben! Nach einigen Kampf-Runden kann es schon mal vorkommen, dass der virtuelle Lack-Doktor die ein oder andere Nachtschicht einlegen muss. Abfliegende Stoßstangen und total zerstörte Wracks treiben den Spielspaß weiter in die Höhe – oder auch nicht, wenn es sich um das eigene Gefährt handelt. Trotzdem ist das Schadensmodell nicht nur lobend zu erwähnen: Leider entstehen die Blessuren an der Karosserie recht blitzartig, beispielsweise ist das Glas des Rücklichts eben da oder nicht. Einen Glassplitter-Flug, der diese Entstehungsgeschichte unterfüttert, sucht man leider vergebens.
Erstmals bei Forza an Bord: ein Cockpitmodus! Dieser ist im Großen und Ganzen recht gut gelungen, kommt aber in punkto Detailverliebtheit und Fahrgefühl gegen den „König des Cockpits“, namentlich „Need for Speed: Shift“, nicht an. Eine revolutionäre Neuerung stellt die „Rückspul-Funktion“ dar, die es erlaubt, Fahrfehler beliebig oft per Tastendruck zu korrigieren: War mal die Wand im Weg, spult man zurück und fährt die Schikane auf der Ideallinie. Viele Realitäts-Fanatiker werden davon nicht begeistert sein, aber die müssen ja nicht auf diese Funktion zurückgreifen. Generell gilt: Der Frustfaktor sinkt durch die Rückspul-Funktion erheblich! Sollte man nun während eines Langstreckenrennens in den letzten Runden in Sekundenschlaf verfallen, ist noch nicht alles verloren.
Technischer Schlachtgesang
Grafisch wird – wie von Forza Motorsport gewohnt – einwandfreie Kost geboten. Gerade auf Full HD-TVs kommt der Titel hervorragend zur Geltung. Das gilt nicht nur für die Fahrzeuge, die durch überwältigenden Detailreichtum, Realismus und authentisch brüllende Motoren glänzen: Auch die Strecken sehen weniger steril aus als noch beim Vorgänger. Schöne Zuschauerkulissen, die auch mal in tosenden Applaus ausbrechen, und Details wie Lautsprecheransagen sorgen für Lebendigkeit, mehr Umgebungsdetails und nahezu perfekt umgesetzte Straßenbeläge für Authentizität. An die Lebendigkeit des Hybrid-Racers „NFS: Shift“ kommt man aber auch hier nicht ganz heran. Technisch gibt es dagegen absolut nichts zu bemängeln – das Testerlebnis war durchgehend ruckelfrei! Das gilt übrigens auch für den Online-Mehrspielerpart von Forza 3! Hier gibt es die Möglichkeit, entweder bewertete Rennen oder private Rennen auszutragen. Erstere leben von einem demokratischen Abstimmungssystem, was Strecke und Autoklasse angeht. Private Rennen können vom Host ganz nach Belieben gestaltet werden. Packende Automobil-Fights sind hier in jedem Fall an der Tagesordnung, die richtigen Mitspieler vorausgesetzt. Und dann wäre da noch das Online-Auktionshaus: Wie schon bei Forza 2 gibt es natürlich die Möglichkeit, Autos an den Meistbietenden zu verkaufen. Das war´s aber noch nicht: Bei Forza 3 können auch Fotos, Fahrzeug-Designs, selbstgebastelte Replay-Filme oder Tuning-Setups an den Meistbietenden verhökert werden! Und möchte man seine Kunstwerke Freunden präsentieren, lassen sich die besten Aufnahmen des Lieblingsboliden an die Freundesliste verschenken.Doch es gibt auch noch ein paar Kritikpunkte: Zum einen finden alle Rennen nur bei – zugegebenermaßen schön inszeniertem – gutem Wetter statt. Regenrennen gehören trotzdem in eine Simulation vom Schlage eines Forza Motorsport! Zum anderen wären da die Achievements, auch Erfolge genannt: War beim Vorgänger noch erheblicher Einsatz von Zeit und Mühe gefragt, um die Punkte-Höchstzahl zu erreichen, ist das bei Forza 3 eigentlich kein Problem mehr. So gut wie alle Erfolge werden im Saisonmodus automatisch erreicht. Der Casual-Virus zieht immer weitere Kreise. Beim nächsten Teil bitte wieder etwas mehr Einfallsreichtum! Das gilt auch für die „Siegerehrungen“, die sich in einem Oldschool-Goldpokal auf weißem Hintergrund manifestieren. Das ginge auch pompöser, wie man bei dem ein oder anderen Konkurrenten bereits gesehen hat!
Epischer Dreiteiler
Mit Forza 3 präsentieren die Microsoft Game Studios und Turn10 eine klare Weiterentwicklung im Vergleich zum Vorgänger. Perfekt ist zwar auch Forza 3 nicht, wie die immer noch nicht besonders fordernde KI, das weiter verbesserungswürdige Schadensmodell oder die fehlenden Schlechtwetter-Fronten zeigen. Die Präsentation ist sicher Geschmackssache, dennoch schafft sie ohne Zweifel eine etwas unterkühlte, teilweise auch angestaubte Atmosphäre. Dennoch: Durch seinen schieren Umfang, die Individualisierungsmöglichkeiten, Langlebigkeit in punkto Spielspaß und spielerischen Tiefgang macht sich Forza Motorsport 3 unentbehrlich für jeden Simulations-Racer! Fazit: Der König ist kalt und berechnend, steht aber auf der Microsoft-Konsole weiterhin an der Spitze seiner Zunft!