Fahrbericht BMW 740i

Die perfekte Hochzeits-Gesellschaft: Fahrbericht BMW 740i

Wenn die besten Freunde heiraten und der Trauzeuge Autojournalist ist, sollte als Hochzeitsauto schon etwas Besonderes her. Ein BMW 740i zum Beispiel. Hier sind ganz besondere Anforderungen gefragt. Ob der 7er mit Basis-Benziner diese erfüllt? Der Fahrbericht verrät es Euch. ( , 24.12.2010)

Basis-Benziner? Warum eigentlich nicht.

Manchmal ist das Beste gerade gut genug. Zum Beispiel, wenn die besten Freunde heiraten und ich der Trauzeuge des Bräutigams bin. „Klar besorge ich Euch das Hochzeitsauto“, biete ich sofort an, als Maik mich fragt, ob ich diesen verantwortungsvollen Posten übernehmen möchte. Für ihn und Heike, seine Angetraute, kommt natürlich nur die deutsche Oberklasse infrage. Ein 7er BMW ist geradezu prädestiniert. Dass es der 740i wird, also der Basis-Benziner, ist mir als PS-versautem Autoredakteur ein kleiner Dorn im Auge. Heike und Maik sind dagegen sehr glücklich mit dieser Wahl, und auch ich werde später die Chance haben, die Vorzüge des Downsizings kennenzulernen. Doch der Reihe nach.

BMW 740i
Über beengte Verhältnisse kann sich im BMW 740i keiner beschweren. Schon gar nicht Braut und Bräutigam, die trotz langer Beine genug Kniefreiheit zur Verfügung haben.

Viel Platz auf den gar nicht so billigen Plätzen

In erster Linie soll das Brautpaar an seinem großen Tag standesgemäß durch Dachau, den Ort der Trauung, und Umland chauffiert werden. Und dabei natürlich eines nicht fürchten müssen: Platzprobleme. Schnell ist klar: Über beengte Verhältnisse kann sich nun wahrlich keiner beschweren. Schon gar nicht Braut und Bräutigam, die trotz langer Beine mehr als genug Abstand zwischen Knien und Vordersitzlehnen haben. Dazu die flauschigen Teppiche, das weiche Leder, die toll ausgeformten und bequemen Rücksitze: Da nimmt man gerne in der zweiten Reihe Platz, was sicher nicht nur für Brautpaare, sondern auch für gestresste Manager, neureiche Gangster-Rapper oder VIPs auf dem Weg zum Roten Teppich gilt.

BMW 740i
Bei Design und Materialauswahl des 7er Cockpits beweist BMW Geschmack. Alles wirkt edel, aber keineswegs prunkvoll, erscheint so funktional wie nötig, aber so wohlgeformt wie möglich.

So funktional wie nötig, so schön wie möglich

Den Job des Chauffeurs habe ich natürlich gerne übernommen. Schließlich reist es sich auch in vorderster Front vorzüglich im Münchner Luxusliner. Das vergleichsweise kleine Lenkrad mit BMW-typischer Daumenmulde fasst sich hervorragend an. Gleiches gilt für alle Knöpfe, Schalter und Oberflächen. Dazu klar gegliederte Anzeigen, klassische Rundinstrumente und ein inzwischen absolut intuitiv bedienbares iDrive. Bei Design und Materialauswahl beweist BMW endlich wieder Geschmack. Alles wirkt edel, aber keineswegs prunkvoll, erscheint so funktional wie nötig, aber so wohlgeformt wie möglich. Keine Frage, hier verbringt man gerne Zeit.

BMW 740i
Links vom Lenkrad befinden sich die Tasten, mit denen sich die Fahrassistenz-Systeme bedienen lassen. Im Test funktionierten diese einwandfrei.

Abstandsradar, Spurhalteassistent und Co.

Neben dem Brautpaar war der 740i einer der Hingucker der Hochzeitsfeier, was jedoch auch am sehr stilvollen Blumenschmuck lag. Einige der Gäste hat er am frühen Morgen des nächsten Tages noch sicher nach Hause gebracht. So wie auch mich einige Stunden später: Ein Trip in die Heimat stand an, bei miesestem Wetter zum Klassentreffen. Dauerregen sorgt für eine geflutete A9 und massenhaft übervorsichtige Autobahn-Schleicher. „Die Rekordzeit für die Strecke kannst Du so eh nicht angreifen“, denke ich mir und teste stattdessen die ganze Armada an Fahrassistenzsystemen, die im 6.650 Euro teuren Innovationspaket zusammengefasst ist. Besonders der Tempomat mit Abstandsradar leistet bei diesen Bedingungen treue Dienste, funktioniert auch bei heftiger Gischt absolut zuverlässig. Obwohl sich das Wetter keineswegs bessert, komme ich entspannt beim Klassentreffen an. Übrigens war der 7er auch an diesem Abend wieder einer der Hingucker, auch wenn ich immer wieder attestieren musste, dass er nicht mein eigener ist, sondern ein Testwagen. Beim obligatorischen „Mein Haus, mein Auto und meine Frau“-Spielchen konnte ich also nur bedingt punkten…

BMW 740i
"740i" steht drauf. Aber anders wie früher arbeitet kein Vierliter-V8 mehr unter der Haube, sondern ein doppelt per Turbolader aufgepumpter Reihensechser mit drei Litern Hubraum.

Die Vorzüge des Downsizings

Auf der Rückfahrt ist es trocken. Endlich kann der 740i mal zeigen, was er kann. Mit dem Brautpaar im Schlepptau wollte ich nicht an die Grenzen gehen, beim Sauwetter tags zuvor schon gar nicht. Jetzt zeigt sich: Selbst basisbenzinert ist der aktuelle 7er ein feiner Autobahngleiter, der jederzeit souveränes Vorkommen bietet. 326 PS und 450 Nm Drehmoment-Maximum, das in einem großen Drehzahlspektrum von 1.500 bis 4.500 Touren nutzbar ist, reichen für dieses Zwei-Tonnen-Flaggschiff aus. Hinzu kommt eine Sechs-Gang-Automatik, welche die Gänge zwar nicht in Rekordzeit, dafür besonders verschliffen wechselt. Klar, manchmal dürfte es ein wenig mehr Druck sein, aber wenn ich ehrlich bin, kommt bei diesem Gedanken wieder dieser PS-Junkie in mir durch. Denn der Sechszylinder-Doppel-Turbo dreht willig bis knapp 7.000 Touren hoch, klingt dabei kernig, aber nie unangenehm. Bei niedrigen Touren ist er akustisch so gut wie gar nicht zu vernehmen. 5,9 Sekunden von Null auf Hundert, 250 Sachen Topspeed – wann braucht man wirklich einmal mehr? Apropos „mehr brauchen“: Der Durchschnittsverbrauch von 12,4 Litern entfernt sich deutlich von der Werksangabe (9,9), ist angesichts des Gebotenen aber völlig in Ordnung. Beim Tanken bin ich sogar froh, dass BMW keinen 750i oder gar 760i zur Verfügung gestellt hat. 12,4 Liter – da müssen die großen V8- und V12-Brüder verstohlen die weiße Flagge schwenken.

BMW 740i
326 PS und 450 Nm Drehmoment-Maximum, das in einem großen Drehzahlspektrum von 1.500 bis 4.500 Touren nutzbar ist, reichen für dieses Zwei-Tonnen-Flaggschiff wie den BMW 740i aus. Foto: Christian Edler

Flotte Kurven, bequemes Reisen – der 7er kann beides

Muss das auch der Fahrer, wenn er Lust auf eine flotte Tour auf kurvigen Landstraßen hat? Klar, 1er Coupé, 3er oder 5er muss der 740i ziehen lassen, sofern sie den nahen Verwandten des 740i-Triebwerks, den aufgeladenen Reihensechser mit 306 PS, unter der Haube tragen. Hier macht sich das durch die große Karosserie und allerlei Hightech-Features zustande kommende Gewicht von knapp zwei Tonnen negativ bemerkbar. Zudem arbeitet die Lenkung für BMW-Verhältnisse einen Tick zu leichtgängig und indirekt. Aber das Paket stimmt, im sportlichen Fahrwerks-Modus macht das Kurvenplätten sogar Spaß. Ein komplett anderes Gesicht zeigt der 740er, wenn er im „Comfort“-Modus unterwegs ist. Nämlich das des super-bequemen Reise(be)gleiters, der so gut wie jede Straßenunebenheit glatt bügelt. Wobei die serienmäßigen Runflat-Reifen sowohl in Sachen Fahrdynamik als auch -komfort für Abstriche in der B-Note sorgen. Ich bin mir sicher: Mit konventionellen Reifen würde der 7er einen Teil seines Einlenk-Untersteuerns verlieren und um einiges geschmeidiger abrollen. Aber dieses Meckern findet auf wahrlich hohem Niveau statt.

BMW 740i
Die Fahrleistungs-Daten des BMW 740i: 5,9 Sekunden von Null auf Hundert, 250 Sachen Topspeed – wann braucht man wirklich mehr? Foto: Christian Edler

„Basis“ sind weder Motor noch Preisgestaltung

In der Ober(klasse)liga spielt der 7er BMW wieder ganz vorne mit. Trotz seines überdimensionierten Nieren-Grills ist er der eleganteste Vertreter seiner Klasse, den Designern ist ein sehr ansehnlicher Mix aus Understatement und prestigeträchtiger Präsenz gelungen – was übrigens auch für den Innenraum gilt. Der Motor harmoniert so gut mit Fahrwerk und Getriebe, das der Begriff „Basis“ in diesem Zusammenhang eigentlich überhaupt nichts zu suchen hat. Klar, leisten muss man sich das schon können. Mit einem Grundpreis von 79.600 Euro steht der BMW 740i fast nackt da. Das Nötigste in Sachen Sonderausstattung (Vier-Zonen-Klimaautomatik, Einparkhilfe, Navigationssystem, 19-Zöller und Metallic-Lack) verschlingt nochmals 9.210 Euro. Wer die Hütte richtig voll macht, kann gut und gerne den halben Grundpreis zusätzlich investieren – Aufpreispolitik à la BMW eben.

BMW 740i
Lila Schleifen an den Türgriffen: Der BMW 740i war für die Hochzeitsfeier wirklich hübsch zurechtgemacht. Foto: Christian Edler

Eine Empfehlung für jeden Wedding Planer

Heike und Maik müssen sich darüber keine Gedanken machen. Sie durften den Oberklasse-Luxus samt Chauffeur-Diensten für einen Tag gratis genießen. Und wenn ich ihre (okay, mehrheitlich Maiks) Schwärmerei für den 7er heute so höre, war das Ereignis nicht nur wegen der Hochzeit, sondern auch dank des Autos für die beiden besonders einprägsam. Allen Wedding Planern, Trauzeugen und Brautpaaren, die noch das passende Auto für den großen Tag suchen, sei der BMW 740i also wärmstens empfohlen.

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Was wäre für Euch das perfekte Hochzeitsauto?

  • Ein 7er wäre auch meine Wahl. Alternativ eine S-Klasse oder ein A8.
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  • Für mich kommt nur ein Oldtimer in Frage. Das hat viel mehr Stil.
    24 %
  • Etwas sportlicher darf es schon sein. Maserati Quattroporte oder Porsche Panamera - das hätte was.
    24 %
  • Hochzeitsauto? Ich will eine Pferdekutsche. Oder einen Hubschrauber.
    12 %
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