Genf 2011

Die Italiener in Genf: Viel Licht und ein amerikanischer Schatten

Die Italiener hauen in Genf aber mal so richtig auf die Pauke. Pagani, Lamborghini, Ferrari und sogar Alfa - ein Sportwagen-Highlight schöner als das andere. Ja und dann gibt es da noch Fiat und vor allem Lancia… ( , 01.03.2011)

Gib mir Stiernamen

Für den ganzen Umwelt- und Elektro-Firlefanz sind die anderen zuständig, Italien baut Sportwagen und zwar nach wie vor die schönsten. Eh klar! Kein Durchkommen dann auch erst mal am Stand von Lamborghini. Ob es an den atemberaubenden Schönheiten im ultraengen Schwarzen oder am neuen Alpha-Stier Aventador liegt? Wir würden in diesem Fall tatsächlich auf den neuen Über-Lambo tippen. Einfach nur geil, was da aus Sant‘ Agata Bolognese wieder auf die Supersportwagenwelt losgelassen wird. Eine Silhouette so rasiermesserscharf wie Berlusconis Gespielinnen, dazu 700 PS, 0 auf 100 in 2,9 Sekunden und 350 km/ Topspeed. Lamborghini weiß eben, wie man die Party rockt.

Ferrari FF
Im Vergleich fast ein wenig bieder: Der neue Ferrari FF. Der Shooting Brake ist der erste Ferrari mit Allradantrieb und damit sowas wie eine Revolution. Für Vortrieb sorgt ein 6,3-Liter-V12 mit 660 PS.

Maranello macht ernst

Gerade noch bei BungaBunga, wirkt der neue Ferrari FF im Vergleich eher wie ein Kaffeekränzchen mit Angela Merkel. Fast ein bisschen zu bieder kommt er live daher, der Kofferraum-König aus Maranello. Fahrdynamisch ist der allererste Ferrari mit Allradantrieb natürlich über jeden Zweifel erhaben. Sein neu entwickelter 6,3-Liter-V12 leistet 660 PS und hievt den Sport-Rucksack in 3,7 Sekunden auf 100 sowie auf 335 km/h Topspeed. Außerdem muss man als seriöser Sportwagenhersteller heute scheinbar irgendwas mit Platz für Vier plus Gepäck im Portfolio haben, Ferrari kann also eigentlich gar nichts dafür. Und ein Verkaufsschlager wird der FF sowieso, siehe Porsche Panamera.

De Tomaso Deauville
Neuer Eigner, alter Name: De Tomaso gibt mit dem Deauville ein durchwachsenes Comeback. Der Crossover hat mit den wunderbaren Sportwagen früherer Jahre rein gar nichts gemein.

Schwer vorstellbar

Apropos Sportwagenhersteller und Platz für Vier plus Gepäck: De Tomaso wagt ein Comeback und zwar mit dem äußerst klobigen Deauville. Leider hat der Deauville weder mit seinem Vorgänger aus den Siebzigern, noch mit dem Rest der legendären De Tomaso Ahnen-Galerie um Pantera, Mangusta und Co. auch nur das Geringste gemein und gibt eine relativ verzweifelte Mischung aus Limousine und SUV – er ist also sowas wie der hässliche italienische Cousin des BMW 5er GT. Für den Antrieb des 5,08 Meter-Kolosses sorgt ein 2,8-Liter-V6-Turbo mit 300 PS und 400 Nm. In 6,7 Sekunden soll es auf 100 gehen, Spitze sind über 250 km/h. Zu Preisen ab 89.000 Euro sollen 8.000 Deauvilles jährlich produziert werden. Schwer vorstellbar irgendwie.

Lancia Thema
Lancia erfindet sich in Genf komplett neu. Leider eher amerikanisch als klassisch italienisch. Der neue Lancia Thema ist demnach ein umgelabelter Chrysler 300. Ob das gutgeht?

Wie soll das gutgehen?

Wo wir gerade bei „schwer vorstellbar“ im Zusammenhang mit Erfolg sind: Alle strömen zum Lancia-Stand! Dabei ist das komplett umgemodelte Modellprogramm der Traditionsmarke eher zum Davonlaufen! Einst große Namen wie Thema oder Flavia werden plötzlich durch lieblos umgebadgte Chrysler-Abkömmlinge verunglimpft. Der Gipfel ist aber der Lancia Voyager, bei dem es nicht mal mehr für einen eigenen Namen reicht. Wie soll eine schlecht laufende italienische Automarke durch Modelle gerettet werden, die schon als Chrysler keiner gekauft hat? Die Neuauflage des Nobel-Knubbels Ypsilon, so wie ein leicht bearbeiteter Delta werden es in diesem Umfeld auch schwer haben. Warum der Lancia-Auftritt dann so belagert ist? Ganz einfach: Pullover-Sergio (also Fiat Chef-Marchionne) hat mal wieder die schärfsten Mädels an den Stand gekarrt.

Fiat 500 Coupé Zagato
Die Studie 500 Coupé Zagato wirkt bei gleichen Außenmaßen etwas dynamischer als das Original. Für Vortrieb sorgt ein TwinAir-Zweizylinder mit 105 PS.

Magerkost bei Fiat

In diesem Bereich traditionell stark besetzt ist auch Abarth. Die sportliche Fiat-Tochter hat nichts gravierend Neues im Gepäck, punktet aber verlässlich mit überaus attraktiver Damen-Untermalung. Fiat selbst zeigt als Studie den 500 Coupé Zagato mit 105 PS-TwinAir-Zweizylinder und einem „dubblebubble“ genannten Doppel-Knubbel auf dem Dach, womit der 3,55 Meter-Knubbel noch viel knubbeliger wird. Perfektes Frauenauto also. Für Männer, oder besser Familienväter haben die Turiner dann noch den Freemont im Gepäck. Der 4,89 Meter-Van basiert auf dem Dodge Journey und sieht trotz angeblicher Überarbeitung aus wie… ein Dodge Journey. Der siebensitzige Freemont ist das erste Fahrzeug der Italiener, das aus der Kooperation mit Chrysler hervorgeht. Wäre er doch nur so bezaubernd wie die Rothaarige, die ihn absolut bezaubernd präsentiert.

Pagani Huayra
An jeder Ecke des Autos befinden sich bewegliche Flaps, die je nach Situation und äußeren Bedingungen auf die Aerodynamik des Autos Einfluß nehmen. Darüber hinaus weiß der Huayra aber auch mit gewaltigen 700 PS und über 1.000 Nm zu überzeugen.

Sportlich und edel versteht sich von selbst

Ok, seien wir ehrlich, Fiat und bezaubernd…naja, dafür sind eher andere zuständig. Maserati zum Beispiel. In Genf öffnet sich der Dreizack einmal mehr der Sportlichkeit und präsentiert den GranCabrio Sport. Traumhaft schön wie eh und je, in der scharfgemachten Version aber mit etwas aggressiveren Schürzen und 450 PS unter der ellenlangen Haube. Ein Hochgenuss auch hier: die holde Weiblichkeit, selbstverständlich in edelstem Zwirn. Wer edelst und möglichst sportlich kombiniert, landet automatisch bei Pagani. Horacio Pagani und seine Mannen haben den Windgott Huayra mit an den Lac Léman gebracht. Der Nachfolger des Zonda hat die wohl ausgeklügeltste und intelligenteste Aerodynamik, die es derzeit gibt. Wo sonst kriegt man Elektromotoren, die abhängig von Fahrdynamik und äußeren Bedingungen die Karosserie verformen? Ach ja, 700 PS und mehr als 1.000 Nm Drehmoment hat die Flunder ebenfalls zu bieten, genauso wie einen Preis von rund einer Million Euro. Irgendwo musste der Haken ja sein.

Alfa Romeo 4C Concept
Der 4C soll in unter fünf Sekunden auf 100 sprinten und über 250 km/h schnell sein. Schon 2012 soll er in Serie gehen, zu Preisen von etwa 45.000 Euro.

Alfa’sLebenszeichen

Noch irgendwen vergessen? Stimmt, Alfa Romeo! Was ist nur aus der Kultmarke geworden? Nur noch zwei Baureihen zählt man in Mailand und die sind kompakt, glubschäugig und haben Frontantrieb! Dazu noch die ständigen Gerüchte um eine Übernahme durch Piechs Schergen (und die würde von vielen Fans der Marke sogar begrüßt)…als waschechter Alfista hat man es echt nicht leicht derzeit. Ja, und wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Klingt jetzt blöd, trifft in diesem Fall den Nagel aber auf den Kopf. 4C Concept heißt dieses Lichtlein, ist knapp vier Meter lang, 850 Kilo schwer und hat einen 200 bis 235 PS starken Mittelmotor sowie Heckantrieb. Ja gut, auch der 4C sieht von vorne aus wie ein kackender Frosch, aber das Konzept ist genial und genau das, wonach sich sehr viele Alfa-Liebhaber seit Jahren die Finger lecken. Das Schönste daran ist, dass die kleine Kiste wirklich gebaut werden soll und zwar schon nächstes Jahr für knapp 45.000 Euro. Sportwagen können sie eben immer noch am besten, egal ob in Mailand, Maranello, Modena oder Sant' Agata Bolognese. Wie schön, dass wir sie haben. Viva Italia!

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  • Der Alfa 4C Concept! Genau das was Alfa gebraucht hat. Endlich!
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  • Der Lambo Aventador! Schärfstes Auto der ganzen Messe!
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  • Der Ferrari FF ist ein Meilenstein! Ein kompletter Sportwagen!
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  • Die Italiener sind mir egal! Die besten Autos bauen andere!
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