Die Geschichte der Löwenbabys

Im Mai kommt der neue Peugeot 207 auf den Markt – und tritt in große Fußstapfen. Denn die Geschichte der Baureihen 201 bis 206 ist facetten-, ereignis- und vor allem erfolgreich. ( , 01.01.2009)

1929 startet die Produktion des ersten Großserienmodells der „20...“-Geschichte. Wie sollte es auch anders sein, bekommt das erste „Löwenbaby“ die Bezeichnung „201“ verpasst. Schon damals sorgt der Kleine mit innovativen Technikdetails für Aufsehen. So zum Beispiel mit einer Bugatti-Hinterradaufhängung sowie ab 1931 mit einer Einzelradaufhängung vorne.

Ende der Dreißiger Jahre experimentieren zahlreiche Hersteller mit Stromlinien-Karosserien. Der Peugeot 202 tritt als erstes Großserienfahrzeug mit diesem aerodynamisch effizienten Design in der Kompaktklasse an – und wird ein großer Erfolg. In einer speziellen Version fährt er als „BH Darl´Mat Aluminium-Coupé“ in Montlhéry mehr als 2.000 Kilometer mit einem für diese Zeit beachtlichen Durchschnittstempo von 145 km/h. Bis 1950 bleibt der Dauerbrenner im Programm.

Richtungsweisender Motor

Bereits zwei Jahre zuvor kommt der 203 auf den Markt. Auch dieses Modell zeigt sich technisch wegweisend. Der 1,3-Liter-Reihenvierzylinder trägt einen Zylinderkopf aus Metall, und die Verbrennungsräume sind halbkugelförmig ausgelegt. Weiteres Novum: Die selbsttragende Karosserie und das erste vollsynchronisierte Viergang-Getriebe, das je in einem Peugeot zum Einsatz kommt. Als eine der ersten europäischen Limousinen bieten die Franzosen den 203 mit einer Komfortausstattung an, die unter anderem Liegesitze und ein Stahlschiebedach enthält. Der 203 bleibt insgesamt zwölf Jahre – bis 1960 – im Programm.Mit dem 204 findet 1965 ein Generationswechsel statt, denn er ist der erste Peugeot mit Frontantrieb. Der quer eingebaute 1,1-Liter-Vierzylinder stellt in der Kompaktklasse ebenfalls eine Neuheit dar: Motorblock und Zylinderkopf bestehen komplett aus Leichtmetall. Erstmals kommen in diesem Segment außerdem serienmäßig Scheibenbremsen an den vorderen Rädern zum Einsatz. Zwei Jahre später stellt die Marke mit dem Löwen-Logo erstmals ihre Dieselkompetenz unter Beweis: Die Franzosen stellen im 204 Break den bis dahin kleinsten Dieselmotor der Welt vor. Der 1,3-Liter-Selbstzünder ist außerdem das erste Diesel-Aggregat, das mit einem Frontantrieb kombiniert wird und aus Leichtmetall hergestellt ist.

Ein Kleinwagen mischt die Rallyewelt auf

Die Achtziger und Neunziger Jahre prägt bei Peugeot vor allem ein Modell: Der 205. 1983 vorgestellt, setzen die Franzosen hier ihr Diesel-Engagement fort. Die Versionen GLD und GRD erreichen als erste Selbstzünder-Kleinwagen eine Millionenauflage. Auch alternative Antriebskonzepte finden den Weg in die Serie – zum Beispiel mit dem 1984 vorgestellten 205 Électrique. 1987 sorgt erstmals ein Dreiwege-Kat für saubere Abgase, die Dieselmotoren erhalten ein fortschrittliches Abgasrückführungssystem. Das kommt an beim Publikum, und so ist der 205 bei seiner Einstellung im Jahre 1998 der meistverkaufte Peugeot aller Zeiten. Insgesamt 5,3 Millionen Exemplare „gehen über die Ladentheke“.Richtig Aufsehen erregt der kleine Franzose aber auf den Rallyepisten: In breiter Kampfmontur tritt der 205 Turbo 16 in der legendären Gruppe-B-Ära gegen Audis Quattros, die pfeilschnellen Lancias und Fords Waffe namens RS 200 an. Und der kleine Löwe schockt die Rallyewelt: 1985 und 1986 – hier als Evo 2 – gehen sowohl Fahrer- als auch Konstrukteurstitel nach Frankreich. Timo Salonen gewinnt 1985 seine einzige WM. Der junge Juha Kankkunen holt ein Jahr später den ersten von insgesamt vier Titeln.Mit einer sehr erfolgreichen Rallyeversion wartet auch der Nachfolger auf, der Peugeot 206. Zwischen 2000 und 2002 gewinnt der wendige Franzose dreimal in Folge die Konstrukteurs-WM. Der Finne Marcus Grönholm holt 2000 und 2002 seine beiden Weltmeistertitel.

Erstes Kleinwagen-Cabrio mit Klappdach

Doch es sind nicht nur die Triumphe im Motorsport, die den 206 zum Publikumsliebling werden lassen. Da ist zum einen das knuffige Design, das auch heute, acht Jahre nach der Markteinführung, wenig von seinem Charme verloren hat. Aber auch technisch ist der Kleine wegweisend: So ist es das erste Modell des PSA-Konzerns (Zusammenschluss aus Citroen und Peugeot), das vollständig virtuell am Computer entwickelt wird. 2001 bringen die Franzosen mit dem 206CC den Trend zum Cabriolet mit festem Klappdach in die Kleinwagenklasse. Und auch an der Dieselfront setzt Peugeot wieder Maßstäbe: Seit 2004 reinigt serienmäßig ein Partikelfilter die Abgase der 206-Dieselversionen.Und so kommt es, wie es kommen muss: Der 206 überholt seinen Vorgänger in der Zulassungsstatistik, obwohl seine Karriere nur rund halb so lang dauert. Sage und schreibe 5,35 Millionen Exemplare bringt Peugeot an den Mann. Nun liegt es am 207, die Erfolgsstory weiterzuschreiben. Man muss wohl kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass auch dieses Löwenbaby wieder prächtig gedeihen wird.

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