Import-Autos aus der UdSSR
Die einheimische Automobilwirtschaft der DDR stellt abgesehen von LKWs, Kleintransportern wie dem Barkas, Spezialfahrzeugen wie dem Multicar und Zweirädern wie MZ und Simson hauptsächlich nur Trabant- und Wartburg-Modelle her. Ohne Importe ist die wachsende Nachfrage nach Autos in der DDR unmöglich zu befriedigen. Größter Handelspartner ist die UdSSR. Zwei große Firmen etablieren sich in Moskau. Bei ZIS (später ZIL) entstehen große Repräsentationslimousinen der Marke Wolga. Bei MZMA wird ab 1945 der Opel Kadett als Moskwitsch nachgebaut. Später kommen noch das ukrainische Kommunard-Werk ZAZ in Zaporoshje sowie das Lada-Werk in Togliatti dazu.
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- Der beliebtester Exportschlager in die DDR ist der Lada Shiguli. Basis für den Lizenzbau ist der Fiat 124, der 1966 zum Auto des Jahres gekürt wird und auch in der Bundesrepublik überaus gefragt ist. photo by tm-md/flickr
Der Shiguli als gefragtestes Auto
Die Sowjets stützten sich stark auf westliche Nachbauten. Damit bekommen die DDR-Bürger PKWs, die der eigenen Produktion überlegen sind. Ihr beliebtester Exportschlager in die DDR ist der Lada Shiguli. Basis für den Lizenzbau ist der Fiat 124, der 1966 zum Auto des Jahres gekürt wird und auch in der Bundesrepublik überaus gefragt ist. Ab 1970 läuft er in Togliatti vom Band. 40 Prozent gehen von Anfang an in den Export. Ab 1972 kommen die Modelle 2101 (Lada 1200), 2101 Kombi und 2103 (Lada 1500) in die DDR. Hier sind die Shiguli sehr gefragte Modelle. Sie haben Doppelscheinwerfer, einen chromglänzenden Grill, schicke Rundinstrumente, Wisch-Wasch-Anlage usw. Diese Autos bieten in der DDR westlichen Luxus. Die neuen Typen 2105 (Lada 1300 S, Nova), 2104 Kombi und 2107 besitzen eine leicht modifizierte Technik. Die Shiguli zählen in der DDR zu den teuersten Autos. 1972 kostet ein 1200er knapp 20.000 Mark, ein 1600er (2106) 1979 gar 24.000 Mark. Zum Vergleich: ein Trabi 601 schlägt 1982 lediglich mit 10.952 Mark zu Buche. Allerdings ist der Lada auch locker ein doppelt so gutes Auto.
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- Der Polski-Fiat hat eine neuere Karosserie als der Shiguli, denn er basiert auf dem Fiat 125. Unter der Haube werkeln allerdings die 1,3- und 1,5-Liter Motoren der älteren Fiat 1300 bzw. 1500. Die Polski-Fiats rangieren noch über den Shiguli. photo by elektronhjarnan/flickr
Besserer Lada aus Polen
Fiat-Modelle wurden auch in Polen in Lizenz gefertigt. Der Polski-Fiat hat eine neuere Karosserie als der Shiguli, denn er basiert auf dem Fiat 125. Unter der Haube werkeln allerdings die 1,3- und 1,5-Liter Motoren der älteren Fiat 1300 bzw. 1500. Die Polski-Fiats rangieren noch über den Shiguli. Im Preis schlägt sich das aber kaum nieder. In den 1970ern stehen 23.500 Mark im Kaufvertrag. In den 80er Jahren versiegt dann die Polski-Fiat-Quelle, als der Lizenzvertrag mit Italien ausläuft.
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- Seit Mitte der 1960er werden über 60.000 MB 1000 in die DDR exportiert. Anfangs gibt es das 40 PS starke Heckmotor-Modell mit großer Panorama-Heckscheibe, großen Lufteinlässen hinten und durchlaufender mittiger Sicke über dem gesamten Dach. Später wird seine Form versachlicht. photo by sludgegulper/flickr
Skoda-DDR-Grundstein
Die tschechische Fahrzeugindustrie hat uralte Wurzeln. Bis zum Zweiten Weltkrieg sind hier knapp 30 Fahrzeughersteller angesiedelt. Seit Ende der 1940er Jahre gelangen ausschließlich Tatra- und Skoda-Modelle in die DDR. Die Skoda-Importe beginnen schon mit dem Modell 1200. Die Skodas, die tatsächlich das Straßenbild der DDR bestimmen, sind allerdings der MB 1000, der S 100 und der S 105. Seit Mitte der 1960er werden über 60.000 MB 1000 in die DDR exportiert. Anfangs gibt es das 40 PS starke Heckmotor-Modell mit großer Panorama-Heckscheibe, großen Lufteinlässen hinten und durchlaufender mittiger Sicke über dem gesamten Dach. Später wird seine Form versachlicht. 1966 kostet der MB 1000 in der DDR 14.900 Mark. Nur geringfügig verändert erscheint 1969 der Skoda S 100. 142.000 Einheiten werden davon in die DDR überführt. Preislich liegt das 48 PS-Modell mit knapp 15.900 Mark unter dem Wartburg 353. Die in den 60er und 70er Jahren in die DDR importierten Skodas erarbeiteten sich allerdings einen zweifelhaften Beinamen als „Böhmisch-Mährischer Schnell-Roster“ aufgrund ihrer starken Rostanfälligkeit. Auch die antiquierte Pendelachse wird immer wieder kritisiert. Ab 1976 gelangen einige Zehntausend Skoda S 105 in die Deutsche Demokratische Republik. Letztes Modell vor dem Untergang des Ostblocks ist der S 136 Favorit. Das Frontantriebsauto mit Bertone-Design wird bis 1995 produziert, kommt aber nur in kleiner Stückzahl nach Ostdeutschland. Anfang der 1990er beteiligt sich VW am Skoda-Konzern, bevor die Wolfsburger ihre tschechische Tochter später komplett übernehmen.
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- Der Renault R12 rollt ab 1971 als Dacia 1300 auch auf ostdeutschen Straßen. Mit einem Verkaufspreis von 23.450 Mark liegt der 1,3 Liter Dacia gleichauf mit dem Polski-Fiat und dem Shiguli 2103. Verbunden mit dem Glanz des Westens erfreut sich der 54 PS-Dacia allergrößter Beliebtheit. photo by tm-md/flickr
Dacia überlebt den Untergang des Ostblocks
Das landwirtschaftlich geprägte Rumänien hatte eine nicht mal mit anderen Ostblockstaaten vergleichbare Automobilproduktion. Diese läuft erst an, als die Rumänen Mitte der 1960er beginnen, den Renault R8 unverändert in Lizenz zu fertigen. Allerdings ist es erst der Renault R12, der ab 1971 als Dacia 1300 auch auf ostdeutschen Straßen rollt. Mit einem Verkaufspreis von 23.450 Mark liegt der 1,3 Liter-Dacia gleichauf mit dem Polski-Fiat und dem Shiguli 2103. Verbunden mit dem Glanz des Westens erfreut sich der 54 PS-Dacia allergrößter Beliebtheit. Allerdings ist seine Verarbeitung derart schlecht, dass die Import-Wagen in der DDR nochmals überarbeitet werden müssen. Demzufolge steigt auch der Preis um 1.500 Mark. Trotz allem reicht die Dacia-DDR-Geschichte bis Ende der 1980er. Mittlerweile gehört Dacia zum Renault-Konzern und ist mit dem Logan sehr erfolgreich. So hat neben Skoda schon der zweite Hersteller den Untergang des Ostblocks erfolgreich überlebt.

