Sozialistische Automobilwirtschaft
Der automobile Alltag im Osten Deutschlands ist ein ganz anderer als beim kapitalistischen Bruder. Die zum Kauf zur Verfügung stehenden Marken sind stark begrenzt. Sie stammen entweder aus einheimischer Produktion oder sind Importgüter aus dem sozialistischem Ausland. Der Automobilbau ist im Osten Deutschlands zu keinem Zeitpunkt ein tragender Wirtschaftszweig. Die einheimischen Fahrzeugmodelle sind nie der Konkurrenz aus dem Ausland ausgesetzt. Die DDR-Bürger warten zum Teil über zehn Jahre auf ihr motorisiertes Heiligtum. So bedarf es weder Innovationen noch Modellwechsel, um die Produktion an den Mann zu bringen.
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- Neben dem IFA F9 entstehen in Eisenach ab 1956 die Wartburg-Modelle 311, 312 und 313. Mit fünf Karosserievarianten bietet Wartburg eine vergleichsweise große Entscheidungsvielfalt. Der 311er basiert auf dem IFA F9, hat ebenso Frontantrieb und übernimmt auch dessen Kastenprofilrahmen samt Motor und Getriebe. photo by aldenjewell/flickr
Einheimische KFZ-Produktion - Eisenach
In der DDR gibt es zwei große Standorte, an denen Autos produziert werden. Im VEB Automobilwerk Eisenach nahe der berühmten Wartburg, auf der Luther die Bibel übersetzte, läuft die KFZ-Produktion gleich nach dem Zweiten Weltkrieg mit BMW/EMW-Modellen an. Neben dem IFA F9 entstehen hier ab 1956 die Wartburg-Modelle 311, 312 und 313. Mit fünf Karosserievarianten bietet Wartburg eine vergleichsweise große Entscheidungsvielfalt. Der 311er basiert auf dem IFA F9, hat ebenso Frontantrieb und übernimmt auch dessen Kastenprofilrahmen samt Motor und Getriebe. Herzstück ist der bekannte 900 Kubik-Zweitakt-Dreizylindermotor. Die große Neuerung ist die Karosserie. Die ersten Modelle liefert das Werk im Oktober 1955 aus. 1966 kommt der Nachfolger Wartburg 353. Die Grundmerkmale Frontantrieb und Zweitaktmotor mit 45 PS sind auch dem neuen Modell zu eigen. Neu ist hingegen die sachlich gestaltete Karosserie. 1967 kommt das vollsynchronisierte Getriebe und der Kombi „Tourist“ hinzu. Neben Eisenach wird der Wartburg nun auch in Halle und Dresden gefertigt. Schon Anfang der 80er Jahre kostet eine Wartburg-Limousine stolze 22.000 Mark. Viel Geld für DDR-Bürger. 1989 kommt der deutlich teurere Viertakt-VW-Motor ins Programm.
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- Vorläufer des bekannten Trabant 601 ist der P50. Die bezeichnung bedeutet Personenkraftwagen mit 500 ccm3 Hubraum. Gebaut wird er als Stufenhecklimousine und Kombi. photo by sludgegulper/flickr
Einheimische KFZ-Produktion- Zwickau
Der Trabant - das Symbol des Sozialismus schlechthin macht die DDR-Bürger mobil. Schon August Horch baut in der ehemaligen Produktionsstätte des Trabis Automobile. Nach DKW, Wanderer, Horch und Audi halten ab 1955 die Trabis Einzug im VEB Automobilwerk Zwickau. Los geht’s mit den Modellen P50 und P60, den Trabi 601-Vorläufern. P50 bedeutet Personenkraftwagen mit 500 ccm3 Hubraum. Gebaut wird er als Stufenhecklimousine und Kombi. Er baut auf einem selbsttragendem Stahlskelett mit Duroplastbeplankung auf. Vorn steht er auf Einzelradaufhängung, hinten auf Starachse mit Blattfedern. Vier hydraulische Trommelbremsen sollen das 620 kg Leichtgewicht aus einer Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h zum Stehen bringen. Für die Limo müssen sich die Ossis 1960 7.650 Mark zusammensparen, für den Kombi 9.100 Mark.
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- Der 601er Trabi hat mittlerweile Kultstatus erreicht und wird damals wie heute im Rennsport eingesetzt. Diese Rennpappe lernt bei der Rallye im Erzgebirge gerade fliegen. photo by neuwieser/flickr
Der Trabi knattert sich in die dritte Generation
1964 ist es dann soweit: der erste 601 rollt vom Band. Technisch basiert er auf dem P60 – ein P50 mit 600 ccm3. Die neue Karosserie zeichnet sich durch ihre geraden Linien und angedeutete Heckflossen aus. Der Trabant wird 18 cm länger und 5 kg leichter. Ein Jahr später erscheint auch der Kombi „Trabant 601 Universal“ mit umklappbaren Rücksitzen und einer Lade-Kapazität von 1.400 Litern. Für 1968 ist ein Nachfolger vorgesehen, der jedoch nie auf den Markt kommt. Auch weitere Projekte in den 1970ern scheitern, da sie politisch nicht gewollt und wirtschaftlich schwer zu realisieren sind. Der Trabant 601 wird nur noch in Details weiterentwickelt. 1982 kostet die Pappe den Ost-Bürger 10.952 Mark, zur Wendezeit 1989 ist der Preis auf 13.000 Mark gestiegen. Für den Kombi „Universal“ sind gar 15.000 Mark fällig. 1990 bekommt auch der Trabi den 1,1 Liter-Viertaktmotor aus dem VW Polo. Der Wagen wird von der Bevölkerung schlecht angenommen. Für 6.000 Mark Aufpreis im Vergleich zum Vorgänger erwartet man sich mittlerweile ein Fahrzeug auf Westniveau. Nach nur zwölf Monaten verläßt der letzte 1.1 das Werk. 1991 endet nach 33 Jahren die Produktion des Trabant und mit ihm der Fahrzeugbau im Werk Zwickau. Insgesamt sind etwas über drei Millionen Fahrzeuge der Modellreihe Trabant gebaut worden. Mittlerweile hat der Trabi Kultstatus, der in Filmen wie „Go Trabi Go“ zelebriert wird. Am ersten Januar 2010 sind laut Kraftfahrtbundesamt noch 35.000 Trabis in Deutschland registriert.

