Die Abwrackprämie: Totengräber des Gebrauchtwagenmarkts

Die Abwrackprämie hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Sie hat in schweren Krisenzeiten so manchen Hersteller vor dem kompletten Aus bewahrt. Doch als Nebenwirkung herrscht auf dem Gebrauchtwagenmarkt totale Flaute. ( , 16.03.2010)

​Mit der Abwrackprämie verschwinden billige Gebrauchtwagen mehr und mehr vom Straßenbild. Während Vertragshändler Umsatzzuwächse verzeichnen, drehen Gebrauchtwagenhändler Däumchen. Bei Autos bis zu einem Wert von 5.000 Euro soll Schätzungen des Verbundes der Autoverwerter zufolge der Markt zu 80 Prozent eingebrochen sein. Insgesamt hat der Gebrauchtwagenmarkt um etwa 50 Prozent nachgegeben.

Wer jetzt einen billigen fahrbaren Untersatz sucht, wie Fahranfänger beispielsweise, tut sich deutlich schwerer als noch vor zwei Jahren. Günstige Kleinwagen findet man jetzt hauptsächlich auf dem Schrott. Das bessere Angebot wären hier Mittel- oder Oberklasse-Gebrauchte, denn die sind nicht loszukriegen. Dementsprechend fallen die Preise. Shopping High-Noon hier also für potentielle Käufer von Leasing-Rückgängen. Zwei Millionen potentielle Käufer von guten Gebrauchten sind bereits mit Neuwagen versorgt. Vorwiegend Klein- und Kompaktwagen wurden mit dem abgewrackten Geld gekauft.

Ursache und Wirkung

Als zu Beginn des vergangenen Jahres bei fast allen großen Autoherstellern die Verkaufszahlen komplett einbrachen, erdachte sich die Bundesregierung eine Methode zur Steigerung der Neuwagenkäufe. Die Umweltprämie wurde im Rahmen des Konjunkturpakets II eingeführt. Jeder PKW-Besitzer bekam 2.500 Euro „Abwrackprämie“ für die Verschrottung seines mindestens neun Jahre alten Fahrzeugs, wenn er im Gegenzug einen Neu- oder Jahreswagen gekauft hat. Die Bundesregierung stellte dafür insgesamt fünf Milliarden Euro zur Verfügung. Sie versprach sich davon die Rettung der deutschen Autoindustrie und sah darin gleichzeitig die Erneuerung des Autobestandes. So sollen ältere Fahrzeuge mit vermeintlich höherem CO2-Ausstoß vom Straßenbild verschwinden.

Tod dem CO2

Tatsächlich verschleuderten viele Auto-Nichtkenner ihre Gebrauchten mit der Abwrackprämie (korrekt: Umweltprämie), die noch weitaus mehr Wert hatten als eben erwähnte 2.500 Euro. Der Bundesregierung völlig unbekannt scheint die Tatsache zu sein, dass viele ältere Autos, auch solche, die schon Oldtimerstatus besitzen, einen weitaus geringeren CO2-Ausstoß haben als Neuwagen. CO2-Ausstoß ist untrennbar verbunden mit dem Spritverbrauch. Fahrzeuge, die teilweise mehrere hundert Kilogramm leichter sind als aktuelle Autos, verbrauchen dementsprechend weniger Kraftstoff. Experten vermuten gar, dass die Umweltbelastung durch Verschrottung und Produktion der Neuwagen größer sei, als die älteren Gebrauchten länger zu fahren.

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