Kupfer-Diebstahl

Deutsche Bahn: Clever gegen Klauer

Kupfer ist ein teurer Rohstoff geworden. Alleine bei der Deutschen Bahn belief sich der Schaden durch sogenannte "Buntmetall-Diebstähle" in den ersten neuen Monaten des letzten Jahres auf elf Millionen Euro. Nicht zuletzt wegen der Sicherheitsgefahren schützt die Bahn jetzt die Kabel mit einem Spezial-Gel. ( , 10.02.2012)

Die gesteigerte Nachfrage nach Rohstoffe lässt Diebe auf dumme Gedanken kommen. Dümpelte 2008 der Preis für eine Tonne Kopfer knapp über der Marke von 2 000 Euro, stieg der Preis bis 2011 fast um das Vierfache. Momentan notiert das Kilo bei rund sechs Euro. Zu den größten Opfern der sprunghaft angestiegenen Diebstähle von sogenanntem "Buntmetall" wie alle Metalle außer Eisen genannt werden, zählt die Deutsche Bahn. Zwischen Januar und September 2011 registrierte das Unternehmen im Bereich ihres Streckennetzes 2 193 Diebstähle. 40 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2010.

Für die Bahn sind diese Delikte aus mehreren Gründen fatal. Einmal durch den rein materiellen Schaden. Elf Millionen Euro betrug der in den ersten drei Quartalen 2011. Denn die gestiegenen Materialpreise gehen natürlich auch nicht bei der Instandsetzung an der Bahn vorbei. Bis zu 90 Prozent betrugen die Kostensteigerungen zum Teil. Darüberhinaus entstehen ernste Sicherheitsprobleme, wenn Diebe beispielsweise Kabel für die Signalsteuerung entwenden. Nicht zuletzt führen geklaute Kupferleitungen zu logistischen Katastrophen. Am 21. Juni 2011 waren alleine im Raum Köln 161 Züge betroffen, weil Diebe im Stadtteil Gremberg Signal- und Kommunikationskabel durchtrennt und gestohlen hatten.

Buntmetallklau bei der Bahn ist ein regionales Phänomen, das sich auf das Ruhrgebiet und vor allem auf die neuen Bundesländer konzentriert. Dort lockt eine geringer ausgelastete Infrastruktur, sprich ungestörteres Vorgehen und kurze Abflusswege für die geklauten Ware in östliche Nachbarstaaten. In der Regel sind die Diebe professionell in Banden und mafiösen Strukturen organisiert. Vor den langen Fingern ist alles gleich: Drähte von Fahrleistungen ebenso wie Tragseile, Telefondrähte oder Erdungskabel. Und wenn die diebischen Metallurgen gerade so schön dabei sind, verschwinden auch noch mal ganze Schienen, Kleineisenteile oder Verbindungsstücke. Auch bei ihren Einsatzorten sind die Ganoven nicht wählerisch: Metallisches verschwindet direkt von Strecken aber auch von Baustellen, Bahnhöfen und Stellwerken.

Die Diebe gehen nicht nur hohe Risiken ein, wenn sie sich beispielsweise an eine 15 000 Volt führende Leitung wagen, sie werden auch statistisch gesehen relativ häufig erwischt. Immerhin beträgt die Aufklärungsrate 20 Prozent. Aus strafrechtlicher Sicht kann der metallurgische Beutezug dann richtig heftig werden. Bei ernster Beeinträchtigung der Sicherheit im Bahnverkehr, sind bis zu zehn Jahre Haft drin. Und die Beute von 100 Euro Buntmetall kann leicht ein paar Hunderttausend für Schadenersatzforderungen nach sich ziehen.

Inzwischen setzt die Bahn verstärkt auf Prävention. Das Unternehmen hat bereits begonnen bundesweit seinem verlockenden Kabelsalat ein unbekömmliches Dressing zu verpassen. Mit einer farblosen Flüssigkeit besprüht, sind die Kabel mit künstlicher DNA und mikroskopischen Partikel markiert, deren Code in der Betriebszentrale gespeichert ist. Unterm Mikroskop gibt gestohlenes Metall seinen Ursprung auf einen Blick bekannt. In den Bereichen, die sich unter dem Metall-Gelichter besonderer Beliebtheit erfreuen, kommt zudem ein Gel auf den Kabeln zum Einsatz, das an Haut und Kleidung haftet und den Übeltäter sofort unter dem Licht einer UV-Lampe entlarvt. Die abschreckende Wirkung dieser Maßnahme ist in der Praxis bereits bewiesen. In Bremen hat eine Schule ihre Wertgegenstände auf diese Weise gesichert. Danach ging die Klauerei deutlich zurück.

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