Deutsch-amerikanisches Revival oder japanischer Dauerbrenner?

Auffällig-aggressives Design oder dezente Sportlichkeit? Turbo oder Drehzahlorgel? Das sind nur drei der vielen Fragen, die aufkommen, wenn man den neuen Opel GT mit dem Honda S2000 vergleicht. Motorvision findet die Antworten. ( , 01.01.2009)

Aggressive Optik oder klassische Sportlichkeit?

Ganz klar, Design ist Geschmackssache. Dennoch fliegen beim ersten Eindruck die Emotionen eher dem Opel zu. Dem Mut der Opel-Designer ist absolut Respekt zu zollen, wobei die beiden amerikanischen Schwestermodelle Pontiac Solstice und Saturn Sky eine gute Basis darstellen. Man traut sich was und versucht, ein paar Designelemente des alten Opel GTs aus den 60ern wieder aufzugreifen – außen wie innen. Dazu zählt nicht nur der Hüftschwung, sondern auch die Gestaltung der Armaturen oder der Sitze im Retro-Stil. Mit Klavierlack werten die Rüsselsheimer die sonst eher durchschnittliche Qualitätsanmutung auf. Opel ist auf dem besten Weg, sein biederes Image abzulegen.

Ganz anders der Honda. Die Japaner legen eher Wert auf klare Linien. Kein verspielter Schnickschnack unterbricht die klassische Roadster-Form mit dem schlitzigen Blick. Im Gegensatz zum Opel ist die Sitzposition sportlich tief. Zudem ist das Platzangebot begrenzter als im GT. Großgewachsene und korpulente Roadsterfans werden hier ihre Probleme haben. Besonders auffällig ist die Anordnung der Armaturen. Digital zieht sich beim ersten Gasstoß ein langes Drehzahlband von links nach rechts, welches dem drehfreudigen Motor alle Ehre macht. Rundinstrumente? Fehlanzeige! Im spacigen Cockpit mutiert man zu Michael Knight in seinem sprechendem Wunderauto K.I.T.T. Im Auftrag der Foundation für Recht und Verfassung heißt es dann: „Systeme initialisieren!“ Dort muss man vermutlich auch anrufen, um die Öffnung des Tankdeckels zu erfragen, die sich unter der Gurthalterung befindet.

Honda S2000 - Motor
Der vorn längs eingebaute Motor treibt über ein Sechsgang-Schaltgetriebe die Hinterräder an

Offener Fahrspaß

Beim Honda öffnet das Verdeck elektrisch … oder sagen wir halbautomatisch. Die Halterungen an der A-Säule müssen weiterhin per Hand gelöst werden. Dann faltet sich das Stoffdach vor dem Kofferraum zusammen. Aus demselben soll der Fahrer anschließend eine Persenning über das nun offenliegende Stoffdachgestänge ziehen. Der bequeme Otto-Normal-Fahrer wird sich aber kaum die Mühe machen, allein wegen der Optik noch mal auszusteigen. Hier hätte spätestens mit dem Facelift eine bessere Lösung kommen können. Von der herumliegenden Persenning abgesehen, bleibt das Kofferraumvolumen von 143 Litern unangetastet davon, ob der Fahrer gerade den offenen Fahrspaß genießen mag oder nicht. Die Rüsselsheimer sparen sich auch noch das Gewicht für das halbautomatische Öffnen des Verdecks. Trotzdem haben die Sparmaßnahmen nicht gefruchtet. Bei einem Leergewicht von 1.406 kg ist es wohl nicht abwegig, ein vollautomatisches Verdeck zu erwarten. Der Kofferraum, der diese Bezeichnung kaum verdient, fasst bei geschlossenem Verdeck 157 Liter. Bei geöffnetem Verdeck stehen dem Fahrer gerade noch 66 Liter zur Verfügung. Für den Wochenendtrip kann die Freundin also ihr Beauty Case und zwei String-Tangas einpacken. Von Alltagstauglichkeit kann hier keine Rede sein!

Honda S2000 - Kofferraum
Das Kofferraumvolumen des S2000 beträgt 143 Liter, egal ob geschlossen oder offen

Die helle Motor-Freude

Das Motorkonzept könnte die beiden Roadster nicht weiter trennen. Der Honda besitzt einen hoch gezüchteten Zwei-Liter-Vierzylinder mit 240 PS – und das ohne Turbo oder Kompressor! Der Japaner ist eine echte Drehorgel. Jeder der sechs Gänge will ausgedreht werden, bis der Sound dem Fahrer ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubert. Die Lenkung und die knackige Schaltung lassen nichts zu wünschen übrig. So verkommt der S2000 schnell zum Landstraßenräuber, der mit seinem niedrigen Schwerpunkt und dem straffen Fahrwerk jede Kurve zur Geraden macht. Will man jedoch auf der Autobahn längere Strecken zurücklegen, dauert es nicht lange, bis die Ohren zu glühen beginnen.Auch der Zwei-Liter-Vierzylinder des GT mit seinen 264 Turbo-PS ist ein echtes Sahnestück. Bei fast jeder Drehzahl ist ordentlich Saft vorhanden. Dieser wird leider nur durch ein Fünf-Gang-Getriebe übertragen. Die 24 Mehr-PS des Rüsselheimers sind dabei auch ohne etwaige Nebenwirkungen in Form eines Turbolochs zu spüren. Allein der Sound lässt stark zu wünschen übrig. Abgesehen vom Turbo-Pfeifen ist der Motorklang eines Sportwagens nicht würdig. Der Motor könnte alles möglich machen, doch das Fahrwerk setzt ihm Grenzen. Konstruktionsbedingt ist alles vorhanden: Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern vorn und hinten. Dazu Traktionskontrolle und Sperrdifferential. Der GT vermittelt zwar durchaus Fahrspaß, doch für wirklich sportliches Fahren ist er nicht gemacht. Das Ausschalten des dreistufigen ESP ist nur routinierten Fahrern anzuraten, denn der Opel GT ist kein Auto, das sich gutmütig dem Grenzbereich nähert. Sicher in diesem Wissen greift das ESP sehr früh ein und hält damit den Fahrspaß im Zaum.

Opel GT - Kofferraum
Das Kofferraumvolumen des Opel beträgt bei geschlossenem Verdeck 157 Liter, bei geöffnetem Dach stehen gerade noch 66 Liter zur Verfügung

Kaufempfehlung

Spaß am Offen fahren hat man definitiv mit beiden Autos. Doch nur der Honda hält fahrdynamisch das, was der Opel optisch verspricht. Auch wenn man dem Nippon-Sportler ansieht, dass er älteren Entstehungsdatums ist als die Hosentaschen-Corvette, macht er den solideren und durchdachteren Eindruck. Der GT wirkt trotz attraktiven Designs quasi ohne Kofferraum und mit unausgewogener Fahrdynamik nicht zu Ende entwickelt. So scheinen die 5.000 Euro, die der S2000 mehr kostet, gerechtfertigt.

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