Sie ist die letzte wahre Herausforderung im professionellen Motorsport und die Mutter aller Wüstenrallyes: die Rallye Dakar. Jahr für Jahr startet die Motorsportsaison mit dem Sahara-Klassiker, kämpfen Hunderte Motorrad-, Auto- oder Truck-Fahrer um den Sieg – und manchmal auch ums Überleben. Derzeit erlebt die Rallye ihre 29. Auflage, das große Duell des Seriensiegers Mitsubishi gegen den Herausforderer Volkswagen geht in die vierte Runde. Auch diesmal begleitet von großen und kleinen Dramen, welche die Favoriten am Siegen und die vielen enthusiastischen Privatteams am Erreichen des Ziels hindern.
Vom Abenteuer zum Sport-Großereignis
Seit beinahe zwei Jahrzehnten begleitet der Journalist Christian Schön den Rallyetross, wenn er sich immer Anfang Januar in Richtung Dakar, der Hauptstadt des Senegals, in Bewegung setzt. In seinem Buch „Mythos Rallye Dakar“ fasst der Experte alles Wissenswerte zu jeder bisherigen Dakar-Rallye zusammen. Durch den chronologischen Aufbau zeigt Schön auf, wie aus einer „Sause für ein paar mehr oder weniger verrückte Abenteurer ein Betätigungsfeld für mit Millionenaufwand operierende Werksteams“ wird. Garniert werden die Rückblicke von Portraits der wichtigsten Protagonisten sowie der teilnehmenden Hersteller, Ergebnislisten zu jeder Auflage und einem Vorwort der „Wüsten-Lady“ Jutta Kleinschmidt. Zudem beleuchtet Schön ausführlich die technische Komponente der Marathon-Rallye. Wer wissen möchte, wie sich die Organisation oder die Navigations- und Fahrzeugtechnik im Laufe der Zeit weiterentwickelt haben, bekommt in „Mythos Rallye Dakar“ interessante Einblicke geboten.Gerade die Entwicklung der Autos lässt sich an Schöns Buch exzellent nachvollziehen. Los geht es in den späten Siebziger und frühen Achtziger Jahren mit mehr oder weniger serienmäßigen Autos wie dem Range Rover (Sieger 1979 und 1981), dem VW Iltis (Sieger 1980) oder dem Mercedes G-Modell (Sieger 1983). Danach läutet Porsche mit dem mehr als 400 PS starken 959 (Doppelsieg 1986) die Gruppe B-Ära bei der Rallye Dakar ein. Die inzwischen aus der Weltmeisterschaft verbannten Boliden dürfen noch bis 1997 in der Wüste starten. Es ist die Zeit, in der der PSA-Konzern (erst Peugeot mit Teamchef Jean Todt, später Citroen) der Marathon-Rallye seinen Stempel aufdrückt. Zwischen 1987 und 1996 gehen acht Gesamtsiege auf das Konto der französischen Hersteller-Allianz. Erst danach beginnt die große Zeit von Mitsubishi. Seit 1983 sind die Japaner ununterbrochen dabei, feiern bereits 1985 ihren ersten Sieg und unterbrechen die Peugeot/Citroen-Siegesserie 1992 und 1993 für zwei Jahre. Doch erst 1997 startet die Marke mit den drei roten Diamanten im Logo richtig durch: Bis 2006 gelingt es nur „le patron“ Jean-Louis Schlesser (1999 und 2000), mit seinen Eigenbau-Buggys die japanische Erfolgsstory für zwei Kapitel zu unterbrechen.
Atemberaubende Fotos
Leider kommen die Motorrad-Fahrer, die eigentlichen Helden des Events, und die allseits beliebten Race-Trucks in Schöns Buch nicht über den Status von Randerscheinungen hinaus. Ein kleines Manko, das aber angesichts der verwendeten Fotos in den Hintergrund tritt. Besonders die doppelseitigen Bilder am Anfang und am Ende des Werkes sind schlicht atemberaubend und bewirken das, was Thierry Sabine bei der Gründung der Rallye inspiriert hat: Nämlich „die Daheimgebliebenen zum Träumen anregen“.Das Buch „Mythos Rallye Dakar“ umfasst 176 Seiten und beinhaltet rund 300 meist farbige Fotos. Es ist zum Preis von 39,90 Euro im Buchhandel oder direkt beim Heel-Verlag erhältlich.

