Vorstellung Reynard Inverter

Das ultimative Track Day Car: Reynard Inverter

Reynard ist tot, es lebe Reynard: Der ehemals erfolgreichste und zwischenzeitlich bankrotte Rennwagenhersteller versucht ein Comeback. Diesmal allerdings mit einem Rennwagen, der eine Straßenzulassung hat. Vorhang auf für den Reynard Inverter. (Thomas Harloff , 20.08.2010)

Von Hero to zero

Es gibt eine Zeit, da giltReynard als weltgrößter Rennwagenhersteller der Welt. Die Engländer bauen Monoposti für die Rennserien Formel Ford, Opel, 3 und 3000 sowie die amerikanische Champ Car-Serie. Und das meist so erfolgreich, dass Reynard die Konkurrenz von March, Lola und Ralt aus diesen Serien verdrängen kann und auch wirtschaftlich aufblüht. Firmenchef Adrian Reynard fühlt sich zu Höherem berufen, kauft andere Firmen auf, initiiert einen Börsengang und strebt in die Formel 1. Doch dann beginnt die Pechsträhne: Die finanziellen Belastungen durch die Firmenübernahmen sind immens, das F1-Projekt scheitert ebenso wie der Börsengang. 2001 geht die Firma pleite, Adrian Reynard muss Haus und Hof verkaufen. Auch das Werk in Brackley, das heute der Stammsitz des Mercedes GP-Formel 1-Teams ist.

Comeback mit einem Track Day Car

Nun wagt Adrian Reynard zusammen mit Partner Andre Brown ein Comeback. Allerdings nicht im Rennsport, sondern mit einem sogenannten „Track Day Car“. Die sind trotz Straßenzulassung vor allem für schnelle Rundenzeiten auf der Rennstrecke gebaut und sehen deshalb viel mehr nach Renn- als nach Straßenauto aus. Nun hat der Inverter, so der Name des Boliden, dank einer Ausnahmegenehmigung eine britische Straßenzulassung bekommen – als erster Reynard überhaupt.Somit kann er nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch auf der Landstraße gegen die Konkurrenz à la Ariel Atom, Lotus 2-Eleven, KTM X-Bow und Co. antreten.

Reynard Inverter: Front
Die Karosserie des Inverter, formal stark an den Panoz-GT-Rennwagen erinnernd, an dem Adrian Reynard seinerzeit mitgewirkt hat, besteht entweder aus Carbon oder Fiberglas. Foto: Reynard

Kompromissloser als die Konkurrenz

Mit einem Leergewicht von nur 445 Kilogramm in der Straßenausführung ist der Inverter in dieser Hinsicht noch kompromissloser als die Konkurrenten, die zwischen knapp 600 (Ariel Atom) und 800 (KTM X-Bow) wiegen. Hier kommt Reynards Motorsport-Kompetenz zum Tragen. Das Chassis besteht zwar aus Edelstahl, wiegt aber nur 55 Kilogramm. Die Karosserie, formal stark an den Panoz-GT-Rennwagen erinnernd, an dem Adrian Reynard seinerzeit mitgewirkt hat, besteht entweder aus Carbon oder Fiberglas. Der dreiteilige Diffusor erstreckt sich über den gesamten Unterboden und sorgt zusammen mit den Carbon-Flügeln für einen Abtrieb von maximal 1.180 Kilogramm. Hier macht sich der Feinschliff in einem Formel 1-Windkanal bezahlt. Zum Vergleich: Ein aktuelles F1-Auto produziert bei einer Geschwindigkeit von 200 km/h einen Abtrieb von etwa 1.500 Kilogramm.

Reynard Inverter: Draufsicht Front
Die Motoren kauft Reynard bei Motorradherstellern ein. Basismotor ist der 1.000er Vierzylinder der Honda Fireblade, außerdem steht der 1,3-Liter-Motor der Suzuki Hayabusa zur Verfügung. Foto: Reynard

Die Motoren stammen von Motorrädern

Die meisten anderen Komponenten kauft Reynard bei Spezialisten ein – die Motoren zum Beispiel bei Motorradherstellern. Basis-Triebwerk ist der 1.000 Kubik-Vierzylinder des Superbikes Honda Fireblade, der es im Reynard Inverter auf 183 PS bringt. Damit sind 217 km/h Topspeed drin. Wer mehr Leistung will, kann sich den 203 PS starken 1,3-Liter-Motor - ebenfalls ein Reihen-Vierzylinder - der Suzuki Hayabusa einbauen lassen. Eine Variante mit einem Zweiliter-Vierzylinder von Ford befindet sich noch in der Entwicklung.

Zutaten, die puren Fahrspaß versprechen

In der Straßenkonfiguration rollt der Reynard Inverter vorne auf 16- und hinten auf 17-Zoll-Felgen, alle bestückt mit Toyo Proxes-Reifen. Das Fahrwerk basiert auf dem der Lotus Elise, allerdings aufgerüstet mit verstellbaren Stoßdämpfern der Firma Nitron. Die Bremsanlage liefert Spezialist Alcon, Armaturenbrett und Lenkrad kommen von Farringdon, die Sitze von Tillett, die Pedalerie stellt Tilton zur Verfügung. Die elektronische Gangschaltung, bedienbar über Lenkrad-Paddel, liefert die Firma Pingel.

Reynard Inverter: Heck 2
Mit einem Leergewicht von nur 445 kg ist der Reynard Inverter noch kompromissloser als die Konkurrenten, die zwischen knapp 600 (Ariel Atom) und 800 (KTM X-Bow) wiegen. Foto: Reynard

Durchaus kostengünstiger Rennstreckenspaß

Der Reynard Inverter präsentiert also feinste Zutaten, die puren Fahrspaß und fixe Rundenzeiten versprechen. Ab 14.900 britischen Pfund, aktuell gut 18.000 Euro, kann der Spaß losgehen, sofern man den Inverter als Kit Car ordert und selbst zusammenschraubt. Fahrfertige, jedoch wie die Bausätze ausschließlich rennstreckentaugliche Exemplare kosten mindestens 35.000 Pfund, knapp 42.600 Euro. Die Preise für die straßenzugelassene Variante stehen noch nicht fest.

Auf der Landstraße wird man das Track Day Car jedoch nur in Großbritannien antreffen. Den Inverter gibt es zwar sowohl als Links- und Rechtslenker, allerdings gilt es als ausgeschlossen, dass auch der deutsche TÜV und vergleichbare Organisationen auf dem europäischen Festlandihren Segen geben.

UMFRAGE

Sollte der Reynard Inverter auch eine deutsche Zulassung bekommen?

  • Unbedingt! In Rekordzeit zur und auf der Rennstrecke unterwegs - das wär´s!
    52%
  • Nicht unbedingt. Auf der Rennstrecke sicher geil, aber auf der Straße braucht es andere Qualitäten.
    24 %
  • Reynard soll endlich wieder richtige Rennwagen bauen und nicht so ein Spielzeug!
    14 %
  • Auf keinen Fall, viel zu gefährlich - vor allem für die anderen Verkehrsteilnehmer!
    10 %
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