Das Tagebuch einer „Q“ - Teil 2

Sie ist Deutschlands meistverkauftes Motorrad, mit über 100.000 Exemplaren die beliebteste BMW aller Zeiten: Die R 1200 GS, von Fans in Anlehnung an den Spitznamen „Gummi-Kuh“ aus früheren Zeiten heute kurz „Q“ genannt. Warum hübsch teuer und doch wahnsinnig beliebt? Erfolgsstories kann man selten erklären. Das Tagebuch einer Q soll jedoch erklären, was man mit ihr alles anfangen kann – von der Kaufentscheidung bis hin zu sinnvollen Tuning- und Aufwertungstipps im Tagebuch einer Q. ( , 01.01.2009)

Teil 2: Ausstattung

Vor dem Gang zum BMW-Händler noch die aktuelle Nachricht: 2007 ist die GS von Januar bis August mit Riesenvorsprung Deutschlands meistverkauftes Bike. 5.637 Qs laufen neu auf unseren Straßen, gefolgt von 3.227 Honda CBF 1000 und 3.074 Yamaha FZ6 Fazer. Die GS ist das einzige Enduro/Funbike unter den Top Ten. Von ihr abgesehen dominieren 1.000er und 600er Naked Bikes und Sportler. Einziger Allrounder ist auf Platz 6 die Kawasaki ER-6n.

Doch zurück zu meiner GS: Am Anfang steht die Aufpreisliste. Entscheidungshilfe: Rainer Wallrapp, versierter und sympathischer Motorradverkäufer beim BMW-Händler Tommy Wagner. In Gräfelfing, am westlichen Stadtrand von München, kann der Interessent viele Modellvarianten in natura erleben. Vieles sieht hier anders aus als im virtuellen Bike-Configurator bei http://www.bmw-motorrad.de.

R 1200 GS Haendler
Beratung beim Händler bestimmt die Ausstattung

Gute Beratung statt Configurator

Deshalb werden die geplanten grauen Kunststoffseitenteile schwarz, die Lackierung bleibt schwarz, ebenso die Sitzbank. Mit meinen 43 Jahren bin ich offenbar voll auf dem Retro-Trip, kaufe mir dieselbe Optik wie bei meinem bisher ältesten Motorrad, einer schwarzen BMW R 75/5 Baujahr 1969. Aber Schwarz in seit dem Modelljahr 2007 verfügbar und dem Showroom von Tommy Wagner zufolge der absolute Renner unter den aktuellen Farben (neben dem stylischen Schwarz noch Rot, Gelb und Silber). Ob die schwarzen Seitenteile besonders anfällig für Verwitterung sind? Cockpitspray wird helfen, den Farbton vor Sonneneinstrahlung und anderen Witterungseinflüssen zu schützen.Nächste Frage: Speichenräder oder Alu? Rainer: „Wenn Du viel ins Gelände fährst, brauchst Du die robusteren Speichenräder und nimmst das Mehrgewicht gern in Kauf. Wenn Du vor allem auf der Straße und höchstens mal über Schotterpisten fährst, sind die Druckgrußräder stabil genug.“ Vorne ist der Gewichtsvorteil gegenüber dem Speichenrad mit 100 g vernachlässigbar klein, für das Hinterrad jedoch beträgt er stolze 1,6 kg. Und wir sprechen von bewegter Masse, die das Trägheitsmoment der Räder mit beeinflusst.

R 1200 GS Heizgriffe
Heizgriffe gehören beim Wiederverkauf zu den „Musts“

Alu oder Speiche?

Weiterer Vorteil: Gussräder bewahren über die Laufzeit dauerhaft ihre Rundlaufeigenschaften und sind einfacher in der Pflege. Für den Haupteinsatzzweck auf Straßen und auf ungeteerten Nebenwegen sind sie deshalb die beste Wahl. Lediglich bei sehr großen dauerhaften Belastungen, wie sie auf Extrempisten vorkommen können, bei hohem Offroad-Tempo und bei Sprüngen im Gelände mit Schlagbeanspruchung, werden die natürlichen Grenzen der Gussräder erreicht. Wer als ambitionierter Endurofahrer seine R 1200 GS überwiegend offroad einsetzt und dabei schwieriges Terrain und höhere Geschwindigkeiten bevorzugt, sollte die bewährten Kreuzspeichenräder wählen.

R 1200 GS Schnabel
Ob der Entenschnabel original bleibt, ist fraglich

Nutzwert und Wiederverkauf

Es steht also doch nicht alles in Testberichten, Motorrad-Katalogen und Internetforen. Oft bleiben Fragezeichen ungut lange stehen, gerade zu grundlegenden Entscheidungen. Also Alufelgen, denn ich habe nicht vor, in nächster Zeit die Rallye Dakar zu fahren oder in ein Projekt wie Ewan McGregors und Charley Boormans „Long Way Down“ einzusteigen. Für wirkliche Abenteurer gibt es schließlich die GS Adventure. Weiter geht’s in der Aufpreisliste, die den Preis von der 12.360 Euro teueren Ausgangsposition weiter in die Höhe treibt. Auspuffanlage verchromt, 100 Euro. Unbedingt empfehlenswert, denn sonst schauen die Abgasrohre nach kurzer Zeit bescheiden aus. Heizbare Griffe, 195 Euro. Weichei? Nein, ich laufe einen Halbmarathon, wenn’s drauf ankommt. Aber warum soll ich in den Händen frieren, wenn’s mal auf dem Weg nach Bella Italia auf dem Brenner wenige Grad über null hat? Weiteres Argument: Der Wiederverkauf. Ist zwar schizophren, beim Kaufen ans Weiterverscherbeln zu denken – aber der GS-Gebrauchtmarkt hat nun mal eine große Nachfrage nach Heizgriffen und anderen Details. Wenn die fehlen, gibt’s weniger Nachfrage und weniger Kohle.

R 1200 GS Seitenansicht
Der Farbrenner 2007: Alles in schwarz

Integral-ABS? Ja, bitte!

ABS ist auch so ein Thema. Rainer verkauft nie eine GS ohne ABS. Der Aufpreis von 1.080 Euro ist o.k., denn: Nach Anlaufschwierigkeiten stammt das Integral-ABS heute von Conti-Teves, ist absolut ausgereift und kann auf Herbstlaub, rutschigem Bitumen, Schwemmkies in der Kurve usw. Stürze vermeiden. Und die Mär von der Bremswegverlängerung? Glückwunsch, wer die optimale Bremsdosierung bei voller Zange immer knapp an der Blockiergrenze besser hinbekommt als komplizierte Hightech. Die restlichen 99,98 Prozent Biker auf Deutschlands Straßen sollten zum ABS greifen. Für Enduristen oder Extremsportler, die sich auf der Rennstrecke x-mal an den optimalen Bremspunkt heranbewegen können: Das ABS ist abschaltbar, sollte es doch einmal den Weg zur neuen Rundenbestzeit versperren. Rainer Wallrapp hat im Showoom die Argumente für ABS parat, man merkt aber gleichzeitig, dass die Entscheidung pro ABS in der Regel keiner großen Überredungskunst bedarf.Zu den letzten Aufpreispunkten gehört: Kofferhalter für 145 Euro. Warum die unbedingt sein müssen: Mehr in Teil 3: Zubehör.

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