Das Schnäppchen unter den Superminis: Renault Twingo RS

Der Renault Twingo und sportliche Dynamik: Bisher passte das nicht so recht zusammen. Das ändert sich Ende Oktober – mit dem neuen Twingo RS. ( , 01.01.2009)

Ende Oktober werden die Karten unter den kleinen Knallbonbons neu gemischt, wenn der neue Twingo RS mit einem 98 kW/133 PS starken 1,6-Liter-Benziner zu den deutschen Renault-Händlern rollt. Als stärkster Twingo aller Zeiten bringt er die Motorsport-Kompetenz aus dem Hause Renault zu einem attraktiven Grundpreis von 14.800 Euro durchaus überzeugend auf die Straße.

Hauptwettbewerber des Twingo RS im überschaubaren Segment der Superminis ist - neben dem Suzuki Swift Sport und dem Citroen C2 VTS - der ebenfalls gerade vor kurzem vorgestellte Fiat 500 Abarth. Und im Vergleich zum italienischen Charmeur sieht der kleine Franzose zunächst ein bisschen blass aus - wenngleich Karosserieanbauten wie die verbreiterten Kotflügel, Front- und Heckschürze und die neuen Seitenschweller dem Top-Twingo etwas Esprit verleihen. Auch der schmucklose Innenraum mit der billig wirkenden Instrumentenhutze auf der Mitte des Armaturenbretts hinterlässt, abgesehen von den Sportsitzen und der Alu-Pedalerie, keinen sportlichen Gesamteindruck. Da wirkt das Interieur des 500 Abarth deutlich konsequenter durchgestylt.

Renault Twingo RS - Felge
Die in der Cup-Version erhältlichen 17-Zoll-Räder stehen dem Twingo außerordentlich gut

Praktischer Innenraum, unpraktische Türgriffe

Dafür kann der Twingo mit praktischen Talenten punkten: beispielsweise dem passablen Platzangebot im Fond, den um 22 Zentimetern verschiebbaren Rücksitzen und dem annehmbaren Kofferraumvolumen von 230 Litern. Warum allerdings ausgerechnet die schon beim alten Twingo unhandlichen Türgriffe den Modellwechsel überleben mussten, dafür fällt einem immer noch keine sinnvolle Begründung ein.Den mangelnden Charme macht der Twingo RS auf der Straße mit einem bemerkenswert satten Fahrverhalten wieder wett. Die Lenkung spricht direkt an, beim Schalten der fünf Gänge hakelt nichts, und fahrdynamisch überzeugt der freche Franzose mit einer kaum zu irritierenden Stabilität, die dem Fahrer auch Bremsen oder Gaswegnehmen in schnellen Kurven nicht weiter übel nimmt. Verantwortlich dafür sind die im Vergleich zum Serien-Twingo breitere Spur, das um zehn Millimeter tiefer gelegte Fahrwerk, die strafferen Federn und der steifere Querstabilisator an der Hinterachse. Dies zeigt: Der Twingo RS ist kein kleiner Sport-Schüler, sondern ein ausgereifter, erwachsener Dynamiker, der viel von seinen größeren Brüdern Clio Sport und Megane Sport gelernt hat.

Renault Twingo RS - Heckansicht
Am Heck des Twingo sorgen Dachspoiler, Auspuffendrohr und die Kotflügelverbreiterungen für einen markanten Auftritt

Abzüge in der B-Note

Die gutmütige Handlichkeit und das weitgehende Fehlen von Wankbewegungen wird allerdings mit ruppigen Reaktionen auf Querfugen auf der Autobahn erkauft. Abzüge in der B-Note gibt es darüber hinaus, weil sich wegen der fehlenden Tiefenverstellung des Lenkrads nur schwer eine sportliche Sitzposition finden lässt und das etwas groß geratene und zu schräg stehende Lenkrad besser in der Hand liegen könnte.Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt auch der Antrieb: Wer den sportlichen Charakter des Twingo RS auskosten will, muss den 1,6-Liter-Benziner bei Laune und damit konstant bei Drehzahlen um mindestens 4.000 U/min halten. Das wiederum treibt den Verbrauch in die Höhe, der sich in der Praxis nur schwer auf den Normwert von 7,0 Liter je 100 Kilometer drücken lassen dürfte. Das maximale Drehmoment von 160 Nm liegt erst bei 4.400 U/min und lässt mehr als einmal den Wunsch nach einem quirligen Turbobenziner aufkommen, der in unteren Drehzahlbereichen für mehr Nachdruck sorgen könnte.

Renault Twingo RS - Innenansicht
Der schmucklose Innenraum mit der billig wirkenden Instrumentenhutze in der Mitte des Armaturenbretts hinterlässt keinen sehr sportlichen Eindruck. Besser: Sportsitze und Alu-Pedalerie

Der Preis als Joker

So muss der Twingo RS am Ende im direkten Wettbewerbsvergleich doch noch das Preisargument als Joker ausspielen. Mit einem Grundpreis von 14.800 Euro unterbietet er den fast gleichstarken Fiat 500 Abarth um rund 3.500 Euro. Da bleibt noch genügend Spielraum für den Griff zur 600 Euro teureren Cup-Version mit 17-Zoll-Rädern und um weitere vier Millimeter tiefer gelegtem, noch einmal etwas straffer abgestimmten Fahrwerk. Ein vergleichsweise spät eingreifendes ESP, vier Airbags, Klimaanlage und CD-Radio sind ohnehin schon in der Grundversion Serie. Männliche Singles mit solidem Einkommen, die Renault-Vertriebschef Holger Böhme als Hauptzielgruppe ausgemacht hat, können da schon ins Grübeln kommen. Denn der neue Twingo RS bietet in seiner Klasse wohl am meisten Auto fürs Geld.

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