Das ist der Gipfel: Bugatti 16 C Galibier
Zu neuen Höhen will sich Bugatti mit dem Modell 16 C Galibier aufschwingen. Nichts weniger als das Abbild der Zukunft des Automobilbaus will die Luxusschmiede ihrer erlauchten und vor allem vermögenden Kundschaft in die Garage stellen und holt dazu erst einmal Meinungen ein. Ob die Studie tatsächlich produziert wird, steht derzeit noch in den Sternen. (T. Harloff)
Bereits der Name des exklusiven Renners belegt die hochfliegenden Pläne der VW-Tochter. Ist der Galibier doch der fünfthöchste Alpenpass und stellt regelmäßig die Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers auf eine harte Probe. Begleitet von den Medien der Welt fällt hier regelmäßig die Vorentscheidung der Tour de France. Wir alle dürfen dann Zeuge sein, wie entkräftete und demoralisierte Fahrer gezwungenermaßen die Bergziegen unter den Radprofis ziehen lassen müssen. Nur die Härtesten erreichen das Ziel und dürfen sich des ungeteilten Beifalls der Fachleute und Fans sicher sein. Ob das auf die Wahrnehmung des automobilen Galibier ebenfalls zutreffen wird, ist noch nicht ausgemacht.
Bugatti-Chef Franz-Josef Paefgen sieht die Studie jedenfalls als „Meilenstein auf dem Weg zur exklusivsten Limousine der Welt“. Weitere Showcars sollen folgen, um auf Basis der Reaktionen und Kritiken spätere einmal mit dem definitiven Luxusliner durchs Ziel gehen zu können. Der besonderen Klientel entsprechend werden diese Entwicklungen nicht auf schnöden Automessen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Otto-Normal-VW-Golf-Fahrer bleibt außen vor, nur eine handverlesene Schar durfte den Galibier beispielsweise im September am Stammsitz im französischen Molsheim oder kürzlich im sonnigen Beverly Hills livehaftig in Augenschein nehmen.
Berühmtes Vorbild
Der 16 C Galibier ist eine Hommage an die ruhmreiche Vergangenheit des Hauses Bugatti. Für das Design stand eines der legendärsten Modelle Pate – der 57 Atlantic aus den späten Dreißiger Jahren. Wie beim historischen Vorbild teilt eine Kante, die sich vom markanten Kühlergrill über die Front, die Windschutzscheibe und das gesamte Dach bis ins Heck zieht, das Auto in Rechts und Links. Spektakulär auch die Motorhaube: Sie besteht wie bei vielen Autos der Vorkriegszeit aus zwei Flügeln, die sich elektrisch öffnen und schließen und dann den Blick auf das Triebwerk freigeben.Die Form des Hecks erinnert ebenfalls an den Urahnen, auch wenn ein Blick auf die Fotos unweigerlich den Porsche Panamera ins Gedächtnis ruft. Die beiden rechts und links in Viererpaketen angeordneten acht (!) Auspuff-Endrohre sind sicher auch als Reminiszenz zum Atlantic gedacht. Dieser präsentiert gleich sechs nebeneinander angeordnete Mündungen. Eine nicht unbedingt geschmackssicher Lösung, lässt sie den Betrachter doch eher an osteuropäische Tuning-Exzesse als an die unbezahlbare Rarität von einst denken.
Hightech sorgt für Kraft im Überfluss
Unter der mit Aluminium-Kotflügeln und -türen ergänzten Carbon-Karosserie verblasst die Erinnerung an das 70 Jahre alte Vorbild, hier kommt ausschließlich Hightech zum Einsatz. Wie im Bugatti Veyron stellt ein 16-Zylinder-Triebwerk, im Galibier acht Liter groß und zweistufig per Kompressor aufgeladen, Kraft im Überfluss bereit. Wie viel Leistung dieses Monster von einem Motor tatsächlich bereitstellen wird, steht noch nicht fest. Gehandelt werden Werte zwischen 800 und 1.000 PS, was auch vom verwendeten Treibstoff abhängt. Denn wahlweise soll das Aggregat auch den Betrieb mit Ethanol erlauben.Zu den Fahrleistungen des 16 C Galibier äußert sich Bugatti nicht. In punkto Topspeed liegt die hauseigene Messlatte allerdings sehr hoch, der Veyron schaffte immerhin unglaubliche 407 km/h! Der Tacho der Limousine reicht vorsorglich bis Tempo 420. Zudem ist die Keramik-Bremsanlage - eine Sonderanfertigung eigens für den Galibier - für alle Eventualitäten gerüstet. Und der permanente Allradantrieb dürfte genug Traktion bereithalten, um die rohen Kräfte zu zähmen.
Edel, geschmackvoll, detailverliebt
Herrschaftlich wie die Lounge eines französischen Chateaus ist der Innenraum eingerichtet. Die Designer haben edles Leder und glänzendes Holz geschmackvoll arrangiert, verzichten jedoch auf Design-Experimente. Tacho und Drehzahlmesser thronen zentral über der Mittelkonsole, die zudem einen großen LCD-Monitor und die Steuerelemente der Klimaautomatik beherbergt. Zwischen den vorderen Sitzen sind die Fahrstufen der Automatik und der Multimedia-Controller plan eingelassen, sodass sich eine ebene Fläche ergibt. Die Anzeige hinter dem Lenkrad informiert den Fahrer, wie viel Power der Motor gerade abgibt. Eine nette Spielerei, die aber von der Borduhr noch getoppt wird. Das exklusive Modell des Schweizer Herstellers Parmigiani lässt sich aus dem Cockpit herausnehmen und auch am Handgelenk tragen.Es sind Details wie diese, die einen Bugatti-Fahrer erfreuen, einen weniger betuchten Automessen-Besucher aber vermutlich kalt lassen. Deshalb wird die Event-Tour auf der Suche nach der potentiellen Kundschaft für den Galibier und dessen Nachfolger weitergehen. Ob der Gipfelstürmer tatsächlich den Gipfel angreifen darf, will Konzernmutter VW in den kommenden Monaten entscheiden.