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Das Biest mit Samtpfoten: Fahrbericht BMW X6 M

Wenn der Test eines Autos wie des BMW X6 M ansteht, sind die Erwartungen eines Redakteurs hoch. In diesem Fall hat der X6 M die Erwartungen nicht erfüllt, aber trotzdem auf vielen Gebieten überrascht. (Thomas Harloff)

Ich pirsche mich ran, da steht er, Blinker blinken, Außenspiegel surren, mittels der Fernbedienung habe ich Kontakt aufgenommen. Fast schüchtern wirkt er, seine Größe beeindruckt, respektvoll besteige ich ihn. „Lass ihn stehen“, meldet sich das Gewissen. „Im Stau sind alle gleich, ein kleineres Gefährt tut’s auch.“ „Quatsch!“, protestiert das Benzin im Blut, „555 PS, 680 Nm – Du wirst nicht mehr aussteigen wollen. Und der Stau geht vorbei!“. Hin und her gerissen zwischen Grün und Spaß drücke ich den Startknopf.

Vier Prius, ein Tesla, 77.500 Liter Super Plus

Erstaunlich souverän rollt das 4,88 m lange, 1,98 m breite und 1,68 m hohe „Sports Activity Coupé“ durch die und aus der Tiefgarage. So handlich hätte ich ihn nicht erwartet, auch wenn er brutal unübersichtlich ist. Aber dafür gibt´s ja Kameras rund um das Auto. Wer nicht allzu sorglos ist, rangiert das Monster auch auf engem Raum um die Hindernisse herum. Aber wehe, die zusätzlichen Augen sind mal verdreckt oder funktionieren nicht…Auf dem Weg zur Autobahn herrscht reger Feierabendverkehr, ich stehe mehr, als dass ich fahre. Eine gute Gelegenheit, um über den Preis nachzudenken. 108.500 Euro kostet der BMW X6 M mindestens. „Dafür kriegst Du vier Toyota Prius. Oder einen Tesla Roadster – der macht auch Spaß.“, meldet sich Gewissen. „Wie wär´s mit 77.500 Liter Super Plus?“, folgt der Einspruch aus der anderen Richtung. „Das reicht für knapp 11.000 Kilometer Freude am Fahren.“

Der X6 M verschiebt Grenzen – aber überwindet sie nicht

Freude am Stehen kommt leider auch im BMW X6 M nicht auf. Im Autobahnstau beobachte ich die Umgebung – in der Erwartung, Stirnrunzeln und pikierte Blicke zu ernten. Doch die Resonanz überrascht – nein, ernüchtert. Den Leuten geht es wie mir selbst: Anfangs fand ich ihn richtig hässlich, jetzt hab ich mich an das X6-Design gewöhnt - es polarisiert nicht mehr. Die M-Version erkennen eh nur Insider, von außen weist wenig darauf hin, welche Kräfte in diesem Auto walten. Sinnlos walten? Das möchte ich noch herausfinden. Aber nicht mehr heute. Ich könnte morgen eine Stunde früher aufstehen. Später ist dieser Gedanke verworfen, Schlaf ist diesmal wichtiger. Es ist der letzte Gedanke an den X6 M für diesen Tag.8:30 Uhr am nächsten Morgen, der Wecker klingelt. Was ich geträumt habe, weiß ich nicht mehr – ein BMW X6 M kam jedenfalls nicht drin vor. Eine Dusche später sitze ich wieder drin im Melbourne-roten Monstrum. Um diese Zeit ist die Autobahn frei, und der Gasfuß juckt schon heftig. Es folgt ein Fahrdynamiktest in der Autobahnauffahrt. Zack und rum um die Kurve – erstaunlich flott für 2,38 Tonnen Lebendgewicht. Wenn sich auch alles sehr synthetisch anfühlt, denn technische Helferlein wie „xDrive“-Allradantrieb, „Dynamic Performance Control“, Stabilitätsprogramm „DSC“, eine intelligente Servolenkung, „M“ Drive“, „Adaptive Drive“ und deren Vernetzung „Integrated Chassis Management (ICM)“ sollen das Gewicht kaschieren. Den Ingenieuren der M GmbH ist es gelungen, die Grenzen der Physik zu verschieben – überwunden haben sie diese nicht.

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