Der Siegeszug von Nintendos Klempner-Maskottchen hat längst begonnen. Nintendos Versuche, Instant-Reis zu vermarkten, sind wohlwollend verdrängt, da erscheint 1993 ein Titel namens „Mario Kart“. Die Fun-Racer-Referenz schlechthin ist geboren. Seitdem sind für Nintendo-Konsolen insgesamt fünf Mario Kart-Games erschienen, zudem zwei Spielautomaten, die im fernen Japan zum Standardinventar der Spielhallen gehören. Der sechste Ableger des Fun-Racers ist bereits im Jahr 2008 für das Nintendo Wii, die mit bislang weltweit fast 50 Millionen verkauften Einheiten erfolgreichste Konsole der Japaner, erschienen.
Für all diejenigen, die noch nie ein Mario Kart gespielt haben: Hier geht es – im Gegensatz zu den bekannten Renn-Simulationen – nicht um ein möglichst realistisches Fahrverhalten, originalgetreue Strecken oder eine besonders sonor-brachiale Soundkulisse. Auch Modifikationen am Fahrzeug fallen – zumindest im herkömmlichen Sinne – aus. Bei Mario Kart geht es um Punkte und Pokale, vor allem aber darum, seinen Gegnern mit verschiedenen waffenähnlichen Gegenständen virtuelle Höllenqualen zu bereiten. Diese Items werden nach dem Zufallsprinzip verteilt. So ist garantiert, dass das Renngeschehen stets actiongeladen und spannend bleibt. Denn erst, wenn einem Bananenschalen, Gewitterwolken, Schrumpfblitze und bunte Schildkröten-Panzer um die Ohren fliegen, macht sich das typische Mario Kart-Feeling breit.
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- In der höchsten Schwierigkeitsstufe ergeben sich auch im Solo-Modus durchaus kurzweilige Rennen, mitunter auch inklusive Foto-Finish
Retro-Flash
Eine Neuerung, die sofort ins Auge springt: Diesmal stehen nicht nur Karts, sondern auch Motorräder zur Auswahl, um Asphalt – und Gegner – das Fürchten zu lehren. Viele bekannte Figuren aus der Mario Brothers-Serie haben wieder den Weg ins Spiel gefunden. Da ist für jeden Geschmack was dabei, egal ob niedliche Prinzessin im pinken Kinderwagenkart oder Geisterkönig auf böse blickendem Custombike. Zudem unterscheiden sich die meisten Charaktere und Fahrzeuge in Handling und Fahrverhalten.Die Zahl der spielbaren Strecken haben die Entwickler nach oben geschraubt, gleichzeitig die noch von den Vorgängern bekannten „Spiegelstrecken“ abgeschafft, die schon immer mehr als Mogelpackung denn als eigenständige Strecken gewirkt haben. Stattdessen stehen nun insgesamt acht Cups mit jeweils vier Strecken zur Verfügung. Von diesen insgesamt 32 Strecken sind 16 komplett neu designt, die übrigen 16 bieten eine Sammlung berühmt-berüchtigter Strecken aus allen bisher erschienenen Ablegern von Mario Kart. Leider wurden die klassischen Strecken teilweise fast gänzlich ohne grafische Überarbeitung übernommen. Vor allem die Strecken des mittlerweile 16 Jahre alten Super Nintendo-Titels kommen in punkto Optik inzwischen doch recht altbacken daher. Dafür entschädigen die neuen Strecken mit toller Grafik, einfallsreichem Design und gewohnter „Zuckersüß“-Atmosphäre, die von der fröhlichen „Dudel“-Musik noch verstärkt wird. Egal, ob die Jagd durch eine stillgelegte Mine mit allerlei Tücken und gemeinen Fallen führt, oder ob man seine Runden durch ein quietschbuntes Einkaufsparadies dreht: Es macht einen Riesenspaß, den Vordermann mit einem gezielten Drift in den Abgrund zu drängen oder ihm mit bizarren „Waffen“ den temporären Garaus zu bereiten.
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- Wenn man mit allerlei tierischen und nicht-tierischen Produkten beworfen wird, artet Mario Kart Wii schnell zur (Rach-)Sucht aus
Freihand-Wutprobe
Im Lieferumfang des Spiels enthalten ist ein kabelloses Lenkrad (auch „Wii-Wheel“ genannt), das der authentischen Steuerung der kleinen Kart-Flitzer dienen soll. Die Steuerung mit dem Funk-Lenkrad erweist sich dabei als verbesserungswürdig. In höheren Schwierigkeitsstufen wird klar, dass man mit den herkömmlichen Steuerungsmethoden besser und präziser fährt. Hierzu gibt es die Möglichkeit, einen „Wii Classic“-Controller oder das Eingabegerät der Vorgängerkonsole GameCube anzuschließen. Natürlich können auch die Standard-Controller der Wii benutzt werden. Hat man dies getan, sinkt der Adrenalinspiegel ein wenig. Gleichzeitig eröffnet sich ein weiterer Kritikpunkt: Der Schwierigkeitsgrad von Mario Kart Wii wurde – verglichen mit den Vorgängern – nochmals nach unten geschraubt, was sicherlich auch Nintendos neuer Ausrichtung – Stichwort Familien- und Partyfreundlichekeit – geschuldet ist. In der höchsten Schwierigkeitsstufe ergeben sich aber auch im Solo-Modus durchaus kurzweilige Rennen, mitunter auch inklusive Foto-Finish.
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- Wer gerade keine leibhaftigen Gegner vor sich hat, für den gibt es auch noch die Möglichkeit, sich online mit Spielern aus aller Welt zu messen
Viele Köche verfeinern den Brei
Wie bei allen Mario Kart-Titeln gilt auch für den Wii-Ableger: Alleine zocken bringt nur halben Spaß. Egal ob zuhause mit Freunden und Familie oder in den Redaktionsräumen von MotorVision: Die Klamauk-Raserei rund um den Klempner und seine Freunde sorgt für jede Menge Ausgelassenheit und vor allem Schadenfreude! Und wer gerade keine leibhaftigen Gegner vor sich hat, für den gibt es auch noch die Möglichkeit, sich online mit Spielern aus aller Welt zu messen. Das ist mit der Wii kein Problem, sofern man einen WLAN-fähigen Router sein Eigen nennt. Dann kann die Jagd nach Ruhm und Ehre auf internationaler Ebene in wenigen Minuten losgehen. Zwar gibt es weder ein „echtes“ Lobbysystem noch eine Chat-Funktion, dafür bieten die Japaner aber ein technisch einwandfreies, absolut lag- und ruckelfreies Onlinevergnügen. Die simplen Menüsysteme sind schnell durchschaut, und wenn man erstmal von den teilweise recht bizarren „Mii´s“ – eine Art Avatar im Wii-Universum – mit allerlei tierischen und nicht-tierischen Produkten beworfen wird, artet Mario Kart Wii auch online schnell zur (Rach-)Sucht aus. Zu packend sind die Rennen mit ihren unzähligen Wendungen und Gemeinheiten. Eines muss jedoch klar sein: Mario Kart Wii hat wie seine Vorgänger nur bedingt etwas mit fahrerischem Können zu tun. Eine gehörige Portion Glück und meisterlich-fieses Fallenstellen können oft schon zum Sieg reichen. Doch genau das macht Mario Kart aus: Spaßfaktor 100! Auch sollte man sich von der kinderfreundlichen Optik des Titels nicht blenden lassen: Vergnügen und Wut liegen, was Mario Kart angeht, quer durch alle Altersklassen sehr nahe beieinander.

