In einem Focus-Interview spricht sich Bundespräsident Horst Köhler für höhere Benzinpreise aus. Der ADAC kritisiert diese Äußerung scharf – schon in den Osterferien kann mit steigenden Preisen gerechnet werden. (Florian Bauer , 22.03.2010)
Hitzige Debatte
Ausdrücklich spricht Horst Köhler in einem Interview das Thema Spritpreise an: „Auch auf die Gefahr hin, mich jetzt mit vielen anzulegen: Wir sollten zum Beispiel darüber nachdenken, ob der Preis von Benzin nicht tendenziell höher als tendenziell niedriger sein sollte. Das Preissignal ist immer noch das stärkste Signal, damit Menschen ihr Verhalten ändern.“ Diese Argumentation stieß vielfach auf Unverständnis. Auch der ADAC kritisiert die Forderung des Bundespräsidenten scharf. „In den Ohren vieler Millionen Pendler, die Tag für Tag weite Fahrstrecken in Kauf nehmen müssen, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen, klingen solche Äußerungen wie Hohn“, so Präsident Peter Meyer. Schon heute liege der Steueranteil auf Kraftstoff bei über 70 Prozent. „Von jeder Tankfüllung gehen rund 50 Euro an den Staat“, sagte Meyer. Es sei ungerecht, alle Anstrengungen zum Klima- und Umweltschutz einseitig dem Autofahrer aufzubürden.
Steigende Preise sind zu erwarten
Die Diskussion könnte durch die kommende Osterreisewelle weiter verschärft werden. Der ADAC fordert die Mineralölkonzerne daher nachdrücklich auf, die Kraftstoffpreise zu Beginn des Osterreiseverkehrs nicht noch weiter zu erhöhen. Angesichts der seit Wochen überteuerten Kraftstoffe ist es vielmehr dringend erforderlich, die Preise endlich wieder auf ein angemessenes Niveau zu senken. „Es ist schon dreist, wie die Autofahrer derzeit beim Tanken abkassiert werden“, so ADAC-Vizepräsident für Verkehr Ulrich Klaus Becker. „Die Erfahrung vergangener Jahre zeigt jedoch, dass an Ostern die Kraftstoffpreise meist steigen, und zwar unabhängig davon, ob das Preisniveau vorher gerechtfertigt war oder nicht.“
Hohe Gewinnmargen
Welchen Spielraum die Ölkonzerne bei der Preisgestaltung haben, zeigt die Entwicklung über die Osterfeiertage 2009. So kletterte der Preis für einen Liter Superbenzin bis zum Mittwoch vor Ostern (8. April 2009) auf bundesweit durchschnittlich 1,271 Euro je Liter. Im Verlauf der darauffolgenden fünf Tage bröckelte der Preis auf 1,190 Euro (14. April 2009) ab – ein Minus von 8,1 Cent.
Laut ADAC bewegen sich die Kraftstoffpreise schon seit Längerem auf extrem hohem Niveau. Im bundesweiten Durchschnitt kostet Superbenzin derzeit 1,398 Euro je Liter, Diesel 1,179 Euro. Der Automobilclub rät, die Preise genau zu vergleichen und gezielt die günstigste Tankstelle anzusteuern.