Brabus 700 Biturbo

Brabus verpasst dem Mercedes SLS AMG den Biturbo-Punch

Beim Boxen sorgt ein heftiger Punch meist für einen Knockout. Beim Fahrer des Brabus 700 Biturbo dürfte dessen durch zwei Turbolader hervorgerufener Punch dagegen für feuchte Augen sorgen – wegen der puren Freude an Beschleunigung und Geschwindigkeit. ( , 02.03.2011)

Stärker und schöner als die Konkurrenz

Allmählich setzt sich auch bei den Mercedes-Tunern die Erkenntnis durch, dass ihrer solventen Kundschaft die serienmäßigen 571 PS nicht genug sein dürften. Motortuning für den Flügeltürer liegt im Trend und ist auf dem Genfer Autosalon extrem angesagt. Der Leistungssprung beim skurrilen und 636 PS starken Hamann Hawk ist allerdings überschaubar, der ebenfalls nicht gerade schöneMansory Cormeum bringt es auf immerhin 660 PS. Einmal mehr bleibt es an Brabus hängen, den anderen zu zeigen, wie man es richtig macht: Denn der 700 Biturbo ist nicht nur die stärkste in Genf gezeigt Mercedes SLS AMG-Variante, sondern auch deutlich stilvoller als die eben erwähnten Konkurrenten.

Brabus 700 Biturbo
Eine üppig dimensionierte Ladeluftkühlung und neue Luftfilter samt Gehäuse leisten ihren Beitrag zum Power-Plus. Zudem zeigt sich das Innenleben des Triebwerks optimiert.

Brabus dreht den Turbo auf links

Um den inoffiziellen SLS Power-Thron zu besteigen, bedient sich der Brabus 700 Biturbo – wie der Name schon sagt – zweier Turbolader. Dabei haben sich die Bottroper Motoreningenieure einen Trick ausgedacht: Statt den 6,2-Liter-V8 mit zwei rechtsdrehenden Ladern - so die übliche Vorgehensweise - zu bestücken, verpassen sie der linken Zylinderbank einen linksdrehenden Turbo. Das optimiert Strömung und Abgasdynamik, was das konzeptbedingt verzögerte Ansprechverhalten eliminieren soll. Auch die extra für den SLS AMG konzipierten Abgaskrümmer, von denen die Lader angetrieben werden, sind eine Brabus-Spezialentwicklung.

Brabus 700 Biturbo
Eine Spoilerlippe auf dem Kofferraumdeckel des Brabus 700 Biturbo presst die Hinterachse auf den Asphalt.

Tuningmaßnahmen im und am Motor

Um 700 PS und 850 Nm (die Serie bringt es auf 571 PS und 650 Nm) zu generieren, müssen die Ruhrpottler noch tiefer in die Tuning-Trickkiste greifen. Eine üppig dimensionierte Ladeluftkühlung und neue Luftfilter samt Gehäuse leisten ihren Beitrag zum Power-Plus. Zudem zeigt sich das Innenleben des Triebwerks optimiert; so kommen unter anderem neue Schmiedekolben zum Einsatz. Eine neu programmierte Motorelektronik darf natürlich nicht fehlen. Gleiches gilt für die Titan-Auspuffanlage mit vier schräg geschnittenen 84-Millimeter-Endrohren und Hochleistungs-Katalysatoren. Diese ist nicht nur zwölf Kilogramm leichter als das Serien-Pendant, sondern verfügt auch über eine Klappenfunktion. Mit dieser kann zwischen der Nachbarschaftsfreundlichen „Coming Home“-Funktion, die leiser als der Serienauspuff ist, und dem deutlich kernigeren Sportmodus variiert werden.

Brabus 700 Biturbo
Von Null auf Hundert geht es in 3,7 Sekunden, nach 10,2 Sekunden fällt die 200 km/h-Marke. Der Topspeed von 340 km/h sollte an dieser Stelle ebenfalls Erwähnung finden.

Er geizt nicht mit Reizen

Stichwort Sport: Dank Power-Plus und dem „Speedshift DCT“-Sieben-Gang-Getriebe ist der Brabus 700 Biturbo zu extrem flotten Fahrleistungen in der Lage. Von Null auf Hundert geht es in 3,7 Sekunden, nach 10,2 Sekunden fällt die 200 km/h-Marke. Der Topspeed von 340 km/h sollte an dieser Stelle ebenfalls Erwähnung finden.

Dass der Potenzprotz auch optisch nicht mit seinen Reizen geizt, liegt in der Natur der Sache. Anders als die eingangs erwähnten Konkurrenten ist der Brabus 700 Biturbo jedoch ein Paradebeispiel dafür, dass sich auch ein Breitbau-Bodykit harmonisch in die elegante Linienführung des Originals einfügen kann.

Brabus 700 Biturbo
Brabus hält die Kotflügelverbreiterungen beim 700 Biturbo dezent, packt an beiden Achsen jeweils nur 20 Millimeter hinzu.

Leicht verbreiterter Illuminat

Brabus hält die Kotflügelverbreiterungen dezent, packt an beiden Achsen jeweils nur 20 Millimeter hinzu. Der Frontspoiler verringert den Auftrieb an der Vorderachse, zusätzliche Lufteinlässe tragen dem erhöhten Frischluftbedarf des Biturbo-Triebwerks Rechnung. Luftauslässe an den vorderen Kotflügeln leiten die verbrauchte und zu heiße Luft aus dem Motorraum heraus. Luftauslässe befinden sich außerdem an der hinteren Schürze. Apropos hinten: Eine Spoilerlippe auf dem Kofferraumdeckel presst die Hinterachse auf den Asphalt. Wie bei Brabus üblich beherbergen die Schwellerleisten einige Einstiegslämpchen. Diese leuchten im Dunkeln ebenso blau wie die Brabus-Schriftzüge, sobald die Fernbedienung oder ein Türgriff betätigt wird. Übrigens: Das Bodykit kann in Kontrast- oder Wagenfarbe lackiert werden oder es verpasst der SLS AMG-Karosserie als Sicht-Carbon-Variante die Extraportion in Sachen Racing-Look.

Brabus 700 Biturbo
Die Felgen kommen im Format 9,5x20 vorne und 11x21 hinten zum Einsatz. Die Reifen der Dimension 275/30 ZR 20 für die Vorder- und 295/25 ZR 21 für die Hinterachse kommen entweder von Pirelli oder Yokohama.

Ein SLS für Offroadfreaks, oder was?

Beim Räderwerk haut Brabus dann aber wieder auf den Putz. Die Rundlinge heißen „Monoblock F Platinum Edition“ und kommen beim 700 Biturbo im Format 9,5x20 vorne und 11x21 hinten zum Einsatz. Die Reifen der Dimension 275/30 ZR 20 für die Vorder- und 295/25 ZR 21 für die Hinterachse kommen entweder aus Italien (Pirelli) oder Japan (Yokohama). Das zusammen mit Spezialist Bilstein entwickelte höhenverstellbare Fahrwerk senkt die SLS AMG-Karosserie um bis zu 30 Millimeter ab. Der Clou ist die „Ride Control“-Funktion: Je nach bevorzugter Gangart kann per Knopfdruck zwischen eine komfortablen und einer besonders sportlichen Abstimmung gewählt werden. Um das Einlenkverhalten zu verbessern und die Seitenneigung der Karosserie zu verringern, kommen außerdem neue Stabilisatoren an beiden Achsen zum Einsatz. Wichtig ist zudem die Info, dass sich mit dem Front Lift-System der vordere Böschungswinkel um etwa 50 Millimeter erhöht.

Brabus 700 Biturbo
Sportlenkrad, 400 km/h-Tacho und Alu-Pedalerie plus Fußstütze sind beim Brabus 700 Biturbo Standard.

Die Qual der Wahl

Deshalb wird jedoch kein Brabus 700 Biturbo-Besitzer auf die Idee kommen, mit seinem Boliden ins Gelände zu fahren. Schließlich will man keinen Dreck ins völlig neu möblierte Interieur schleppen. Sportlenkrad, 400 km/h-Tacho und Alu-Pedalerie plus Fußstütze sind Standard. Was die Farbgebung der Leder- und/oder Alcantara-Ausstattung oder der Carbon-Elemente angeht, hat die zahlende Kundschaft die Qual der Wahl.

Apropos: Wer unbedingt einen gemotzten Mercedes SLS AMG sein Eigen nennen will, hat also die Wahl zwischen mehreren Anbietern. Das Votum der Motorvision-Redaktion wäre eindeutig – und das nicht nur wegen des stärkeren Motors.

BEWERTE DIESEN ARTIKEL
rating_image rating_1 rating_2 rating_3 rating_4 rating_5
UMFRAGE

Was haltet Ihr vom Brabus 700 Biturbo?

  • Schönes Bodykit, mächtig Leistung: So muss ein getunter Mercedes SLS AMG aussehen.
    61%
  • Der SLS AMG ist als Serienauto schon perfekt. Da ist jegliches Tuning überflüssig.
    30 %
  • Autos wie der SLS AMG passen nicht mehr in unsere Zeit - geschweige denn die Tuning-Versionen.
    7 %
  • Der ist mit nicht krawallig genug. Ich finde den Hamann und den Mansory geiler.
    2 %
KOMMENTARE
Ähnliche Artikel

Brabus Mercedes SLS AMG

Mercedes SLS AMG: Brabus lässt die Qual der Wahl

Endlich präsentiert Brabus seine Interpretation des Mercedes SLS AMG. Und lässt seinen Kunden die Qual der Wahl: Ob laut oder leise, hart oder weich, schwarz oder weiß oder in welcher Farbe auch immer: In der Brabus-Variante lässt der Flügeltürer seinem Besitzer die freie Auswahl.

Weltpremiere Hamann Hawk

Ein Habicht auf Sink- oder Höhenflug? Hamann Mercedes SLS AMG

Hamanns Highlight für den Genfer Autosalon 2011 ist ein markant umgestylter Mercedes SLS AMG. Nicht nur dessen Name „Hawk“ ist gewöhnungsbedürftig, auch das umgestaltete Outfit muss man mögen. Dafür rüstet der Tuner den Flügeltürer technisch gehörig auf.

FAB Design Mercedes SLS AMG

Eleganz? Nicht mit FAB Design! Tuning für den Mercedes SLS AMG

FAB Design – was vom Mercedes-Spezialisten aus Heidi-Country kommt, hat mit schweizerischer Zurückhaltung nichts mehr zu tun. Auch für ihren Mercedes SLS AMG gilt: Eleganz war gestern! Dafür hat der Über-Benz mehr Druck und darf noch lauter als die Serienversion sein.

Hamann Mercedes SLS AMG

Hamann Motorsport: Sanfte Retuschen am Mercedes SLS AMG

Der Mercedes SLS AMG fasziniert bereits im Serienzustand wie lange kein Benz vor ihm. Entsprechend vorsichtig würzt Hamann beim Supersportler mit Stern nach. Beim Thema Felgen klotzt der schwäbische Veredler allerdings so richtig.

Kicherer SLS 63 Supersport

Beflügelter Flügeltürer: Kicherer SLS 63 Supersport

Manchmal ist weniger mehr: Unter diesem Motto könnte das Kicherer-Programm für den Mercedes SLS AMG stehen. Der Tuner schärft nur behutsam nach – und stellt gerade deshalb einen besonders begehrenswerten Supersportler auf die Räder.
Ähnliche Videos

Hausbesuch bei Brabus - Teil 2

Lucy hat das Schrauberfieber gepackt. Unsere Moderatorin hilft bei der Veredelung eines Mercedes G-Modells.

Hausbesuch bei Brabus - Teil 3

Lucy schaut sich in der Brabus-Designabteilung um und nimmt es mit 800 PS auf dem Motorenprüfstand auf.

Hausbesuch bei Brabus - Teil 1

Moderatorin Lucy ist heute bei Brabus zu Gast - und informiert sich gleich einmal über die Geschichte des traditionsreichen Mercedes-Tuners.

Mercedes SLS AMG

Härtetest für den Flügeltürer: Motorvision fühlt dem Mercedes SLS AMG in Laguna Seca auf den Zahn.

Brabus Mercedes E 55 AMG

310 km/h in der Mercedes E-Klasse: Gibts nicht? Gibts wohl! Tuner Brabus sei Dank!

Mercedes SLS AMG - Teil 1

Mercedes SLS: Gleich geht Wolfgang Rothers Testfahrt im neuen Mercedes-Flügeltürer los.
MOTORVISION MAGAZIN
MOTORVISION AUF FACEBOOK
AKTUELLES VIDEO
Lucy bei Knud Tiroch Teil 6
FACEBOOK EMPFEHLUNGEN