Stärker und schöner als die Konkurrenz
Allmählich setzt sich auch bei den Mercedes-Tunern die Erkenntnis durch, dass ihrer solventen Kundschaft die serienmäßigen 571 PS nicht genug sein dürften. Motortuning für den Flügeltürer liegt im Trend und ist auf dem Genfer Autosalon extrem angesagt. Der Leistungssprung beim skurrilen und 636 PS starken Hamann Hawk ist allerdings überschaubar, der ebenfalls nicht gerade schöneMansory Cormeum bringt es auf immerhin 660 PS. Einmal mehr bleibt es an Brabus hängen, den anderen zu zeigen, wie man es richtig macht: Denn der 700 Biturbo ist nicht nur die stärkste in Genf gezeigt Mercedes SLS AMG-Variante, sondern auch deutlich stilvoller als die eben erwähnten Konkurrenten.
-
- Eine üppig dimensionierte Ladeluftkühlung und neue Luftfilter samt Gehäuse leisten ihren Beitrag zum Power-Plus. Zudem zeigt sich das Innenleben des Triebwerks optimiert.
Brabus dreht den Turbo auf links
Um den inoffiziellen SLS Power-Thron zu besteigen, bedient sich der Brabus 700 Biturbo – wie der Name schon sagt – zweier Turbolader. Dabei haben sich die Bottroper Motoreningenieure einen Trick ausgedacht: Statt den 6,2-Liter-V8 mit zwei rechtsdrehenden Ladern - so die übliche Vorgehensweise - zu bestücken, verpassen sie der linken Zylinderbank einen linksdrehenden Turbo. Das optimiert Strömung und Abgasdynamik, was das konzeptbedingt verzögerte Ansprechverhalten eliminieren soll. Auch die extra für den SLS AMG konzipierten Abgaskrümmer, von denen die Lader angetrieben werden, sind eine Brabus-Spezialentwicklung.
-
- Eine Spoilerlippe auf dem Kofferraumdeckel des Brabus 700 Biturbo presst die Hinterachse auf den Asphalt.
Tuningmaßnahmen im und am Motor
Um 700 PS und 850 Nm (die Serie bringt es auf 571 PS und 650 Nm) zu generieren, müssen die Ruhrpottler noch tiefer in die Tuning-Trickkiste greifen. Eine üppig dimensionierte Ladeluftkühlung und neue Luftfilter samt Gehäuse leisten ihren Beitrag zum Power-Plus. Zudem zeigt sich das Innenleben des Triebwerks optimiert; so kommen unter anderem neue Schmiedekolben zum Einsatz. Eine neu programmierte Motorelektronik darf natürlich nicht fehlen. Gleiches gilt für die Titan-Auspuffanlage mit vier schräg geschnittenen 84-Millimeter-Endrohren und Hochleistungs-Katalysatoren. Diese ist nicht nur zwölf Kilogramm leichter als das Serien-Pendant, sondern verfügt auch über eine Klappenfunktion. Mit dieser kann zwischen der Nachbarschaftsfreundlichen „Coming Home“-Funktion, die leiser als der Serienauspuff ist, und dem deutlich kernigeren Sportmodus variiert werden.
-
- Von Null auf Hundert geht es in 3,7 Sekunden, nach 10,2 Sekunden fällt die 200 km/h-Marke. Der Topspeed von 340 km/h sollte an dieser Stelle ebenfalls Erwähnung finden.
Er geizt nicht mit Reizen
Stichwort Sport: Dank Power-Plus und dem „Speedshift DCT“-Sieben-Gang-Getriebe ist der Brabus 700 Biturbo zu extrem flotten Fahrleistungen in der Lage. Von Null auf Hundert geht es in 3,7 Sekunden, nach 10,2 Sekunden fällt die 200 km/h-Marke. Der Topspeed von 340 km/h sollte an dieser Stelle ebenfalls Erwähnung finden.
Dass der Potenzprotz auch optisch nicht mit seinen Reizen geizt, liegt
in der Natur der Sache. Anders als die eingangs erwähnten Konkurrenten
ist der Brabus 700 Biturbo jedoch ein Paradebeispiel dafür, dass sich
auch ein Breitbau-Bodykit harmonisch in die elegante Linienführung des
Originals einfügen kann.
-
- Brabus hält die Kotflügelverbreiterungen beim 700 Biturbo dezent, packt an beiden Achsen jeweils nur 20 Millimeter hinzu.
Leicht verbreiterter Illuminat
Brabus hält die Kotflügelverbreiterungen dezent, packt an beiden Achsen jeweils nur 20 Millimeter hinzu. Der Frontspoiler verringert den Auftrieb an der Vorderachse, zusätzliche Lufteinlässe tragen dem erhöhten Frischluftbedarf des Biturbo-Triebwerks Rechnung. Luftauslässe an den vorderen Kotflügeln leiten die verbrauchte und zu heiße Luft aus dem Motorraum heraus. Luftauslässe befinden sich außerdem an der hinteren Schürze. Apropos hinten: Eine Spoilerlippe auf dem Kofferraumdeckel presst die Hinterachse auf den Asphalt. Wie bei Brabus üblich beherbergen die Schwellerleisten einige Einstiegslämpchen. Diese leuchten im Dunkeln ebenso blau wie die Brabus-Schriftzüge, sobald die Fernbedienung oder ein Türgriff betätigt wird. Übrigens: Das Bodykit kann in Kontrast- oder Wagenfarbe lackiert werden oder es verpasst der SLS AMG-Karosserie als Sicht-Carbon-Variante die Extraportion in Sachen Racing-Look.
-
- Die Felgen kommen im Format 9,5x20 vorne und 11x21 hinten zum Einsatz. Die Reifen der Dimension 275/30 ZR 20 für die Vorder- und 295/25 ZR 21 für die Hinterachse kommen entweder von Pirelli oder Yokohama.
Ein SLS für Offroadfreaks, oder was?
Beim Räderwerk haut Brabus dann aber wieder auf den Putz. Die Rundlinge heißen „Monoblock F Platinum Edition“ und kommen beim 700 Biturbo im Format 9,5x20 vorne und 11x21 hinten zum Einsatz. Die Reifen der Dimension 275/30 ZR 20 für die Vorder- und 295/25 ZR 21 für die Hinterachse kommen entweder aus Italien (Pirelli) oder Japan (Yokohama). Das zusammen mit Spezialist Bilstein entwickelte höhenverstellbare Fahrwerk senkt die SLS AMG-Karosserie um bis zu 30 Millimeter ab. Der Clou ist die „Ride Control“-Funktion: Je nach bevorzugter Gangart kann per Knopfdruck zwischen eine komfortablen und einer besonders sportlichen Abstimmung gewählt werden. Um das Einlenkverhalten zu verbessern und die Seitenneigung der Karosserie zu verringern, kommen außerdem neue Stabilisatoren an beiden Achsen zum Einsatz. Wichtig ist zudem die Info, dass sich mit dem Front Lift-System der vordere Böschungswinkel um etwa 50 Millimeter erhöht.
-
- Sportlenkrad, 400 km/h-Tacho und Alu-Pedalerie plus Fußstütze sind beim Brabus 700 Biturbo Standard.
Die Qual der Wahl
Deshalb wird jedoch kein Brabus 700 Biturbo-Besitzer auf die Idee kommen, mit seinem Boliden ins Gelände zu fahren. Schließlich will man keinen Dreck ins völlig neu möblierte Interieur schleppen. Sportlenkrad, 400 km/h-Tacho und Alu-Pedalerie plus Fußstütze sind Standard. Was die Farbgebung der Leder- und/oder Alcantara-Ausstattung oder der Carbon-Elemente angeht, hat die zahlende Kundschaft die Qual der Wahl.
Apropos: Wer unbedingt einen gemotzten Mercedes SLS AMG sein Eigen
nennen will, hat also die Wahl zwischen mehreren Anbietern. Das Votum
der Motorvision-Redaktion wäre eindeutig – und das nicht nur wegen des
stärkeren Motors.

