Sie denken, der neue Mercedes C 63 AMG mit 457 PS starkem V8-Motor wäre ein richtig kräftiger Mittelklassewagen? Wie die Mannen von Brabus darüber denken, wissen wir nicht. Wahrscheinlich zaubert ihnen diese Zahl nur ein müdes Lächeln ins Gesicht. Denn die Ruhrpottler haben es tatsächlich geschafft, ihren schon jetzt legendären V12-Biturbo-Motor für die C-Klasse zu adaptieren. Auf der Frankfurter IAA hat der nun „Bullit“ genannte Bolide sein Debüt gefeiert.
Wie bei seinen großen Brüdern wie dem Weltrekordler Brabus Rocket leistet der doppelt aufgeladene Zwölfzylinder wahnsinnige 730 PS. Um diesen Wert zu erreichen, ist allerdings eine Menge Feinarbeit nötig. Dank größerer Zylinderbohrungen, einer speziellen Kurbelwelle sowie modifizierten Kolben und Pleueln gelingt es den Brabus-Technikern, den Hubraum des V12-Triebwerks von 5,5 auf 6,3 Liter anzuheben. Zusätzlich bearbeitet Brabus bei dieser Herzoperation die Zylinderköpfe und installiert Spezial-Nockenwellen.
Generalüberholtes Triebwerk
Doch auch die Motor-Peripherie wird in Bottrop auf Vordermann gebracht. Größere Turbolader und effizientere Ladeluftkühler sorgen für freie Atemwege. Die Abgase entweichen durch staudrucksenkende Metallkatalysatoren und eine komplett aus Edelstahl gefertigte Hochleistungsauspuffanlage in die Freiheit. Zu guter Letzt stimmt die neue Motorelektronik alle Komponenten aufeinander ab und ist letztlich dafür verantwortlich, dass der Bullit wahre Bärenkräfte entwickelt. Dabei ist es nicht nur die Leistung, die ungläubiges Staunen hervorruft. Auch das maximale Drehmoment von 1.320 Newtonmetern – von Brabus aus Gründen der Materialschonung elektronisch auf „nur“ 1.100 Nm begrenzt – treibt den Besitzern der meisten Supersportwagen den Angstschweiß auf die Stirn. Den undankbaren Job der Kraftübertragung auf die Hinterräder besorgt eine Fünfgang-Automatik. Ein Differenzial mit 40 Prozent Sperrwirkung hilft dabei, die Power auch auf den Boden zu bringen.Die Fahrleistungswerte dürften nur ansatzweise verdeutlichen, wozu der Brabus Bullit im Ernstfall in der Lage ist. Bei stehendem Start erreicht der im Ruhrgebiet verfeinerte Schwabe nach nur 3,9 Sekunden den dreistelligen km/h-Bereich. Nach insgesamt 10,49 Sekunden fällt die 200 km/h-Marke. Bleibt der Pilot feste auf dem Gas stehen, vergehen weitere 14 Sekunden, bis der Bullit die 300er-Schallmauer durchbricht. Und damit hört die Beschleunigung noch lange nicht auf: Brabus gibt für seinen Jüngsten einen Topspeed von mehr als 360 km/h an. Wahnsinn? Nein, mehr als das!
Rennwagentechnik und –optik
Da beruhigt es ungemein, dass eine standfeste Bremsanlage an Bord ist. An der Vorderachse nehmen Zwölfkolben-Aluminium-Festsättel 380er Scheiben in die Zange, hinten kommen Sechskolben- und 360-Millimeter-Pendants zum Einsatz. Und auch das Fahrwerk scheint den hohen Anforderungen gewachsen. Das Gewindefahrwerk arbeitet mit jeweils zehnfach in Zug- und Druckstufe verstellbaren Gasdruck-Stoßdämpfern und ist zudem in der Höhe justierbar. Sportstabilisatoren sollen die Seitenneigung bei schneller Kurvenfahrt reduzieren. Als Bindeglied zwischen Auto und Fahrbahn dienen 19-Zoll-Leichtmetallfelgen im „Monoblock S“-Design, die vorne mit 265/30er und hinten mit 285/30er Pneus bestückt sind.Damit die breiten Räder auch ein Dach über dem Kopf finden, spendiert Brabus ein Bodykit mit markanten Kotflügelverbeiterungen aus Aluminium. Apropos markant: Das Monster von Motor und die Bremsen müssen mit ausreichend Frischluft versorgt werden. Zu diesem Zweck verpassen die Bottroper dem Bullit eine Carbon-Frontschürze, die mit ihren riesigen Lufteinlässen und Spoilerecken auch direkt von einem Rennwagen stammen könnte. Die Aluminium-Motorhaube mit Entlüftungsschlitzen sorgt ihrerseits für einen gesunden Temperaturhaushalt im Motorraum. Die Schwellerleisten beruhigen nicht nur den Luftstrom an den Seiten, sondern weisen dank der integrierten Einstiegsleuchten beim Ein- und Aussteigen stets den rechten Weg. Ein dreiteiliger Heckspoiler und eine Carbon-Heckschürze mit integriertem Diffusor generieren mehr Abtrieb auf der Hinterachse.
Rennsportfeeling im Innenraum
Im Bullit weht eine gehörige Brise Motorsportluft durch´s Cockpit. Verantwortlich dafür sind eigens entwickelte Leder-Sportsitze mit Carbonrücken, zahlreiche Kohlefaser-Elemente an Armaturenbrett, Mittelkonsole und Türverkleidungen, ein Sportlenkrad sowie Pedalerie und Schaltknauf aus Aluminium.Bevor wir es vergessen: Es gibt eine weitere Zahl, die ungläubiges Staunen hervorrufen dürfte. Brabus ruft für den Bullit, von dem nur maximal zehn Exemplare im Jahr entstehen werden, einen Preis von 348.000 Euro auf.

