Das 24-Stunden-Rennen in Le Mans ist einer der Motorsport-Klassiker schlechthin. Seit 1923 trifft sich (mit einer zwischenzeitlichen Kriegs-Unterbrechung) alljährlich die Crème de la Crème des Rennsports, um ihren Langstrecken-König zu küren. Oft haben dabei die bayerischen Hersteller brilliert – und zwar nicht erst, seit Audi mit dem R8 und kürzlich mit dem R10 TDI zum Seriensieger an der Sarthe wurde. Auch BMW hat eine glorreiche Le Mans-Tradition vorzuweisen, welche die Münchner in diesem Jahr erstmals bei der „Le Mans Classic“ wieder aufleben lassen. Vom 7. bis zum 9. Juli dröhnen in Nordfrankreich zum dritten Mal die Motoren historischer Boliden, und BMW nimmt mit einigen Schätzchen aus dem hauseigenen Fundus teil.
Triumph bei der Premiere
Dabei wird vor allem das BMW 328 Touring Coupé im Rampenlicht stehen, das nach 67 Jahren zum Ort seines ersten Triumphes zurückkehrt. Das bei der italienischen Karosseriefirma Touring gebaute Coupé gibt im Jahr 1939 seine Premiere beim 24-Stunden-Rennen – mit Erfolg. Der nur 780 Kilogramm schwere und 136 PS starke „italienische Münchner“, bei dem seinerzeit die Piloten Max Prinz zu Schaumburg-Lippe und Hans Wencher ins Lenkrad greifen, gewinnt souverän die Zweiliter-Klasse und belegt in der Gesamtabrechnung den fünften Platz. Eine sensationelle Leistung, denn das Team lässt zahlreiche hubraumstärkere Wagen hinter sich. In diesem Jahr wird Holger Lapp, Leiter „BMW Mobile Tradition“, den 328er über die legendäre Rennstrecke steuern.Zudem hat BMW einen Aufsehen erregenden Youngtimer im Gepäck: Den BMW 320 Gruppe 5 aus dem Jahr 1977. Der Bolide tritt in den späten Siebziger Jahren in die Fußstapfen des 3.0 CSL Coupés und erstrahlt – genau wie der Vorgänger - im „Streifen-Design“ der 1972 gegründeten BMW Motorsport GmbH. Mit seinen mächtigen Kotflügelverbreiterungen, Front- und Heckspoiler hat er optisch kaum noch etwas mit dem Serien-Pendant gemeinsam. Doch bei dem, was da unter der äußeren Hülle werkelt, sind derlei aerodynamische Hilfsmittel und ein Rennfahrwerk unbedingt angebracht: Als Triebwerk dient ein reinrassiger BMW-Formel 2-Motor, der als Zweiliter-Vierzylinder 300 PS leistet.Hinter dem Steuer nimmt jener Mann Platz, der schon 1977 einen 320 Gruppe 5 pilotierte: Marc Surer. Für den Schweizer ist es damals der Einstieg in die höchsten Sphären des Motorsports. 1979 gewinnt Surer auf BMW die Formel 2-Europameisterschaft, bis er in den Achtziger Jahren den Sprung in die Formel 1 schafft.
Kunstvoll verziert: BMW M1
Fahrer-Prominenz auch beim dritten Boliden, den BMW bei der Le Mans Classic präsentiert: Prinz Leopold von Bayern wird ein Viertel-Jahrhundert, nachdem er damit am 24-Stunden-Rennen teilnahm, wieder einen BMW M1 Gruppe 4 pilotieren. Mit dem wohl aufregendsten deutschen Sportwagen der frühen Achtziger Jahre erregt BMW 1981 nicht nur wegen dessen Schnelligkeit Aufsehen. Anders als die Konkurrenz, die auf ihren Rennwagen großvolumige Sponsoren-Logos präsentiert, lackieren die Bayern ihren Boliden sehr kunstvoll. Der Lackierer Walter Maurer stylt die Flunder mit handgemalten Motiven traditionsreicher Münchner Gaststätten und Sehenswürdigkeiten. Damit steht dieser Renn-M1 in der Tradition der sogenannten „Art Cars“, die bei BMW eine große Tradition haben und auf denen sich sogar die Pop Art-Größen Andy Warhol oder Roy Lichtenstein verewigt haben.Insgesamt nehmen in diesem Jahr 390 Rennwagen an der Le Mans Classic teil, streng geordnet nach Baujahren und eingeteilt in sechs Klassen. Vorkriegs-Klassiker von Aston Martin, Bentley oder Bugatti sind dabei ebenso am Start wie die legendären Sechziger Jahre-Boliden, die den Kampf „USA gegen Europa“ austrugen: Ford GT40 gegen Ferrari 250 LM oder GTO bzw. AC Cobra. In den Siebziger Jahren schlägt die Stunde monströser, hubraumgeschwängerter Prototypen à la Porsche 917 oder Ferrari P3. Auch hier sind prominente Fahrer am Start: Namen wie Patrick Tambay, Jürgen Barth, Henri Pescarolo oder Bobby Rahal lassen die Herzen der (etwas betagteren) Le Mans-Fans höher schlagen. Zudem werden zahlreiche Clubs ihre Schmuckstücke, insgesamt rund 5.000 Fahrzeuge, rund um die Strecke ausstellen. BMW zeigt in einem großen Pavillon in der Boxengasse Rennwagen und Motorräder der Fünfziger Jahre und dokumentiert außerdem seine Le Mans-Historie. Zudem zeigt der BMW Club de France ausgewählte historische Klassiker der Marke.

