BMW F 800 GS und F 650 GS - Neu auf allen Wegen

Gleich zweifach neu belebt BMW die Mittelklasse der Enduros. Während die 9 640 Euro teure F 800 GS als vollwertige Reiseenduro für Erfahrene daher kommt, bietet sich die 7 600 Euro teure F 650 GS als unkompliziertes Ein- und Wiedereinsteigermotorrad an. ( , 01.01.2009)

Stilistisch orientieren sich beide Neulinge an der großen Schwester, der R 1200 GS. Sie haben charakteristische Design-Merkmale wie die markante Front mit dem Taucherbrillen-Scheinwerfer und den leicht kantigen Techno-Look übernommen.

Im Fahrbetrieb kommt der Paralleltwin direkt zur Sache; gut unterstützt vom sauber schaltbaren Sechsganggetriebe erfreut er mit einem prima Drehmoment von Anfang an. Sauber und willig dreht er nach oben und entwickelt seine Kraft höchst gleichmäßig und kontrollierbar. Seine Stärke liegt zwischen 3 500 und 5 500 Umdrehungen, hier schiebt er kräftig voran und verwöhnt mit sattem Sound, der sich aufgrund des Soundmanagements wie der der großen 1200er GS anhört. Über 5 500 Touren beginnen leichte Vibrationen und der willige Vortrieb erlahmt ein wenig. Doch das Gebotene ist höchst respektabel, voll ausgefahren läuft die GS über 200 km/h schnell.Wie für Geländegänger üblich ergibt sich bei 88 Zentimeter Sitzhöhe ein hochbeiniges Gefühl, das sich per Sonderausstattung immerhin auf 85 Zentimeter absenken lässt. Einmal auf der schmalen Sitzbank Platz genommen, bietet die Kombination Lenker-Sitzbank-Rasten eine bequeme Ergonomie. Selbst das kleine Windschild liefert normalgroßen Piloten guten Windschutz. Für einen guten Schwerpunkt sorgt der unter der Sitzbank liegende 16-Liter-Tank, der bei einem Verbrauch von rund fünf Litern auf 100 Kilometern für 300 Kilometer-Etappen gut sein sollte. Zur weiteren Optimierung der Reisequalitäten findet sich das Passende wie üblich im reichhaltigen BMW-Zubehörkatalog, unter anderem auch der 110 Euro teure Hauptständer, der eigentlich serienmäßig dran sein sollte.Auf Schotterpisten und in mittelschwerem Gelände macht die 800er eine ausgesprochen gute Figur, lässt sich selbst von unerfahrenen Piloten sicher über loses Geläuf treiben. Ungeübte stört der etwas harsche Gaseinsatz samt Lastwechselreaktionen in den unteren Gängen etwas, doch stellt dies kein wirkliches Problem dar. Doch auch asphaltlastige Fahrer kommen mit der F 800 GS voll auf ihre Kosten. Neben den oben beschriebenen Reisequalitäten verfügt die GS über ein hohes Straßenpotenzial, das sie zum veritablen Landstraßenjäger macht. Ihr druck- und drehfreudiger Motor liefert verlässlichen Vortrieb, das in der Grundabstimmung komfortabel ausgelegte Fahrwerk toleriert eine flotte Gangart, gegebenenfalls lässt sich das Federbein straffer justieren. Bodenunebenheiten oder derbe Schlaglöcher verarbeitet das Fahrwerk klaglos, die kleine GS hält ihre Spur problemlos und gibt sich nicht unhandlich.Einen anderen Weg schlägt sie F 650 GS ein, wobei ihre Bezeichnung in die Irre führt: Sie ist mit dem gleichen 798 ccm großen Reihenzweizylinder wie die 800er ausgerüstet, der allerdings in der Leistung auf 52 kW/71 PS und beim Drehmoment auf 75 Nm gedrosselt wurde. Deshalb kann diese auch Normalbenzin vertragen, während die 800er Superbenzin benötigt. Des Weiteren zeigt sich ihre Verkleidung im zurückhaltenden Straßen-Look mit einem kleinen, wenig Schutz bietenden Windschild. Leichtmetallgussräder senken gemeinsam mit einfacheren Federelementen und weniger Federweg die Sitzhöhe auf vertrauenschaffende 82 Zentimeter, als Sonderausstattung gibt es einen Tieferlegungssatz auf 79 Zentimeter. Damit finden selbst Kurzbeinige stets einen festen beidbeinigen Stand.

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