Die Hüllen sind gefallen bei dem Fahrzeug, das schneller sein soll als alles, was jemals vier Räder hatte. Das ehrgeizige Ziel für den Bloodhound SSC: 1.000 Meilen pro Stunde. (Stefan Wagner , 20.07.2010)
Mit Tausend-Meilen-Stiefeln
Das 12,8 Meter lange „Gefährt“, welches das englische Bloodhound Project Team anlässlich der Farnborough International Airshow enthüllte, erinnert eher an eine Rakete als an ein Auto. Aus gutem Grund: Schließlich soll mit dem blau-orangenen Pfeil ein neuer „Land Speed Record“, also ein neuer „An Land“-Geschwindigkeitsrekord für Fahrzeuge mit Rädern, aufgestellt werden. Bei 1.228 km/h liegt dieser seit 1997. Für die beiden Projektleiter und Speed-Veteranen Richard Noble und Andy Green (sie waren schon bei den letzten drei Rekordfahrten hauptbeteiligt) ist die Schallgeschwindigkeit mittlerweile kalter Kaffee. Der Bloodhound SSC, so der Name des neuesten Rekordfahrzeugs, soll die 1.000 mph-Grenze (also 1.609,34 km/h) knacken.
Aerodynamischer Feinschliff
Das vorgestellte 1:1-Replikamodell ist das Resultat aus drei Jahren Arbeit und die nunmehr zehnte Design-Evolutionsstufe. Bei Geschwindigkeiten von Mach 1,4 sollte die Aerodynamik nämlich gefälligst funktionieren. Das 950 Kilo schwere Auto selbst ist dabei nicht aus Karbon, sondern aus dem Kunststoff Polystyrol, der mit GFK und einem Gießharz namens Resin überzogen ist. Wie es sich für ein 1.000-Meilen-Auto gehört, kommt für den knalligen Anstrich ein Lack namens „Akzo Noble“ zum Einsatz, der gewöhnlich nur in der Raumfahrt verwendet wird.
Die Turbine läuft schonmal
Zwar nicht in der Raumfahrt, aber immerhin im bekannten Eurofighter-Kampfjet leistet die Rolls Royce EJ200-Turbine, die den Bloodhound SSC auf die 1.000-Meilen Marke katapultieren soll, für gewöhnlich ihren Dienst. Die Maschinentests sind abgeschlossen und die EJ200 ist einsatzbereit. Das 1,5-Tonnen-Triebwerk wird den Fahrer Andy Green zusammen mit der größten je in Europa entwickelten Hybrid-Rakete dank etwa 135.000 PS in aberwitzigen 42 Sekunden von 0 auf 1.609 km/h beschleunigen. Gut, dass ein erfahrener Pilot am Steuer sitzt, denn bei diesen Kräften kann der kleinste Fehler zum Fiasko führen. Angesetzt ist die Rekordfahrt für 2012.
Selbst ist der Rekordjäger
Wer nicht solange warten will oder nicht ganz so risikofreudig ist wie Andy Green, hat die Möglichkeit, den ebenfalls in Farnborough vorgestellten Bloodhound Driving Experience-Simulator zu entern, um zumindest eine winzige Ahnung davon zu bekommen, wie sich Mach 1,4 anfühlt. Auf den virtuellen Rekord-Piloten kommen die gleichen Anforderungen zu wie auf Mr. Green im echten Cockpit. Laut dem Bloodhound Project Team ist es auch vor dem Bildschirm fast ein Ding der Unmöglichkeit, auf der nur 4,5 Meilen langen Strecke alle Stellschrauben so zu drehen, dass am Ende der Rekord steht. Für alle, denen nach derart geballter Leistung spontan der Sinn nach Geschwindigkeitsjagden steht - die südwestlich von London gelegenen Farnborough International Airshow öffnet ihre Tore noch bis 25. Juli.