Blechgewordene Imagepflege: VW Passat CC V6 4motion

VW feilt an seinem Image. Beispiel: Der neue Passat CC, bei dem Schönheit vor Praxisnutzen geht. Ein Erfolgsrezept oder Flopgarantie à la Phaeton? Der Fahrbericht der 300 PS-Topversion gibt die Antwort. ( , 01.01.2009)

„Ist Ihnen die Frau mit dem Leoparden aufgefallen?“ Eine recht übermütige Frage, die Volkswagens Werbestrategen da stellen. Schließlich tritt die Schönheit samt possierlichem Haustier im aktuellen Passat CC-Spot nur als Randerscheinung auf und ist auf alten, nicht vollends 16:9-kompatiblen Röhren-Geräten womöglich nicht einmal in voller Pracht zu sehen. Dass sich ausnahmslos jeder Passant nach dem neuen Wolfsburger Prestigeobjekt umdreht, lässt sich auch nicht behaupten. Trotzdem muss man VWs Designteam um Walter de´Silva Respekt zollen. Beim markeninternen Schönheitswettbewerb hat der CC höchstens den neuen Scirocco zu fürchten, auch wenn vieles an den Trendsetter Mercedes CLS, die Mutter aller viertürigen Coupés, erinnert.

Schick ist auch das Cockpit, das sich prima bedienen und gegen Aufpreis mit Holz-, Carbon- oder Alu-Accessoires individualisieren lässt. Ein Extralob verdient sich die zentrale Touchscreen-Bedieneinheit, die Navi, Soundanlage und Co. steuert und die beste ihrer Art ist.

VW Passat CC - Cockpit
Das Cockpit ist schick, sehr gut verarbeitet und lässt sich narrensicher bedienen, was auch an der exzellenten Touchscreen-Bedieneinheit liegt

Viel Komfort, aber nur für Vier

Dass die Schönheitskur Zugeständnisse in Sachen Alltagstauglichkeit erfordert, liegt auf der Hand. Das Platzangebot seines gleichnamigen und bodenständigen Bruders kann der CC demzufolge nicht bieten. So ist es nur konsequent, dass er nur vier Sitzplätze bietet. Dennoch sitzt man überall bequem, vorausgesetzt, man hat sich beim Einstieg in den Fond nicht den Kopf an der C-Säule gestoßen. Gute Nachrichten auch für leidenschaftliche Baumarkt- oder Möbelhaus-Touristen: Der Kofferraum ist mit 532 Litern groß, gut nutz- und dank der umklappbaren Rücksitzbank auch erweiterbar.Soweit also alles im grünen Bereich beim Passat CC. Dass „Wolfsburg´s Finest“ das Wort „Coupé“ im Namen trägt, impliziert neben aller Schönheit auch einen ausgeprägten Sportsgeist. Auf dem Papier scheint sich das zu bestätigen: Mit 300 PS, die er aus dem neuen 3,6-Liter-Benzindirekteinspritzer quetscht, ist er neben dem neuen R36 der stärkste Serien-Passat aller Zeiten. Doch frei nach Fußball-Kultfigur und Hobby-Grieche Otto Rehhagel: „Die Wahrheit liegt auf dem Asphalt“. Und hier kann das Flaggschiff die Erwartungen nicht vollends erfüllen.

VW Passat CC - Heckansicht
Der VW Passat CC macht stets eine gute Figur - aus jeder Perspektive und an jeder Location

Überdurchschnittlich potent, überdurchschnittlich trinkfest

Beispiel Motor: Antritt und Drehfreude verdienen sich die Bewertung „überdurchschnittlich“, trotzdem bringen die 300 Pferde die gut 1,7 Tonnen Lebendgewicht nicht gerade spielerisch in Fahrt. Dass das Triebwerk unter diesen Voraussetzung gern ein bisschen mehr Flüssignahrung zu sich nimmt, liegt in der Natur der Sache. Flotte Autobahnetappen wollen mit gut 15 Litern Super Plus im Schnitt beglichen werden. Wer die von VW angegebenen 10,1 Liter erreichen möchte, kann die Reserven der Antriebseinheit nur oberflächlich nutzen. Das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe DSG stimmt den Piloten dagegen uneingeschränkt fröhlich, denn es überzeugt sowohl mit sanften als auch schnellen Schaltvorgängen.Thema Fahrdynamik: Dank des serienmäßigen adaptiven Fahrwerks gelingt es VW, dem Passat CC drei Charaktere anzuerziehen. Per Knopfdruck schaltet der Fahrer zwischen den Modi „Comfort“, „Normal“ und „Sport“ hin und her; ein Effekt ist jeweils deutlich spürbar. Einen wieselflinken Kurvenräuber darf man deshalb aber auch im Sport-Trimm nicht erwarten. Das 4,80 Meter große Comfort-Coupé (daher die Bezeichnung „CC“) ist zu groß und zu schwer, um das Potential des Fahrwerks bis ins Letzte ausreizen zu können. Bevor es ernst wird, schiebt es lieber über die Vorderräder, um seinen Piloten nicht zu überfordern und sich ohne große Mühen einfangen zu lassen. Dafür hilft der traktionsstarke Allradantrieb, nach der Kurve flott wieder auf Tempo zu kommen. Und in der gleichnamigen Fahrwerks-Konfiguration erreicht der Passat CC ein Komfortlevel, dass man Volkswagen so nicht zugetraut hätte.

VW Passat CC - Motor
Der V6-Benzin-Direkteinspritzer leistet 300 PS aus 3,6 Litern Hubraum. Das maximale Drehmoment von 350 Newtonmetern steht zwischen 2.400 und 5.300 Touren zur Verfügung

Preisgestaltung im erträglichen Rahmen

Was also darf man vom Passat CC halten? Im Gegensatz zu fast allen Markenbrüdern überzeugt der Neuling durch innere UND äußere Werte. Okay, wirklich dynamisch ist das Flaggschiff nicht, dazu recht trinkfest. Doch ist er aus allen Perspektiven - auch im Interieur - schick anzusehen, dazu für Vier sehr geräumig. Hinzu kommen der bei entsprechender Fahrwerkseinstellung hervorragende Fahrkomfort und dieses sehr subtil vermittelte Gefühl, viel näher an der Business- als an der von VW sonst gewohnten Touristenklasse zu sein. Dieses Gefühl will aber extra bezahlt werden, nämlich (ausstattungsbereinigt) mit knapp 2.500 Euro im Vergleich zum gleichstarken und ab Werk sehr reichhaltig bestückten R36. Das scheint sich im Gegensatz zum mindestens 64.500 Euro teuren Oberklasse-Flop Phaeton im erträglichen Rahmen zu halten, weshalb die blechgewordene Imagepflege durchaus funktionieren könnte.Doch kann es der Passat CC auch mit seinem Vorbild Mercedes CLS aufnehmen? Diese Frage kann nur ein Vergleich der V6 4motion-Variante gegen den Schwaben in der 350 CGI-Version beantworten. Demnächst auf www.motorvision.de.

VW Passat CC - C-Säule und Felge
Mit der Gestaltung des Hecks hat das Designteam um Walter de´Silva Sinn für Ästhetik bewiesen. Schick sind auch die 18-Zöller im angedeuteten Turbinen-Look

Technische Daten (Werksangaben):

Leistung: 220 kW (300 PS)
Max. Drehmoment: 350 Nm / 2.400 - 5.300/min
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 5,6 s
Durchschnittsverbrauch: 10,1 l / 100 km (SP)
CO2-Emission: 242 g/km
Grundpreis: 40.800 Euro

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