| Chrysler Viper SRT-10 | |
|---|---|
| Motor | Zehnzylinder-V-Motor |
| Hubraum | 8.285 ccm |
| Leistung | 372 kW (506 PS) bei 5600 U/min |
| Drehmoment | 711 Nm bei 4250 U/min |
| L/B/H in Meter | 4,46/1,91/1,23 |
| Gewicht | 1.621 kg |
| Antrieb | Hinterradantrieb |
| Getriebe | Sechsgang-Schaltgetriebe |
| Felgengröße | vo: 10x18 Zoll; hi: 13x19 Zoll |
| Bereifung | 275/35R18 / 345/30R19 Michelin Pilot Sport |
| Bremsen | Scheiben rundum; vo: 355 mm / hi: 355 mm |
| 0-100 km/h | 4,2 s |
| 0-200 km/h | 13,9 s |
| Vmax | 306 km/h |
| Bremsweg (100-0 km/h) | 34,5 Meter |
| Verbrauch | 15,3 Liter |
| Grundpreis | 115.000 Euro |
| Testwagenpreis | gebraucht etwa 50.000 - 70.000 Euro |
| Versicherungsklassen | HP k.A. / VK 34/ TK 32 |
| Rundenzeit | 43,6 s |
| Teststrecke | Wachau |
Warm Up
Die Dodge Viper – in Deutschland eher ein Mythos als ein allgegenwärtiger Sportwagen. Sie ist einfach viel zu selten auf hiesigen Straßen unterwegs. Während ein Porsche fast an jeder Straßenecke wartet, ein Ferrari zumindest hier und da mal in freier Wildbahn zu bewundern ist und selbst die natürliche Viper-Konkurrentin Corvette ihren Platz im alltäglichen Straßenbild gefunden hat, macht sich die amerikanische Giftschlange extrem rar. Exakt 188 Exemplare hat Chrysler Deutschland von der zwischen 2002 und 2010 produzierten zweiten Generation an den Mann bringen können. Hinzu kommt die eine oder andere Schlange, die freie Importeure wie Geiger Cars in München unter die Leute gebracht haben. Firmenchef Karl Geiger war es dann auch, der der Motorvision.de-Redaktion die Gelegenheit gab, einer als Gebrauchtwagen zum Verkauf stehenden Viper in unserer Wertungsprüfung den Giftzahn zu ziehen.
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- Die technischen Daten der Dodge Viper SRT-10: Vorn eingebauter V10-Saugmotor mit 8,3 Litern Hubraum, 506 PS und 711 Nm.
Längs
Ihren Namen trägt die Viper nicht umsonst; hinter ihr verbirgt sich ein fast unzähmbares Tier, deren Leistungshunger schier unstillbar ist. Knapp hinter der Vorderachse thront ein Monument von einem Motor, der satte 8,3 Liter Hubraum auf - für amerikanische Verhältnisse untypische - zehn Zylinder verteilt. Ein Druck auf den in rote Signalfarbe getauchten Starterknopf, und das Biest erwacht zum Leben. Erst unwillig. Als hätte man es viel zu früh aus seinem Tiefschlaf erweckt. Die Viper rüttelt sich und schüttelt sich, scheint sich sofort wieder hinlegen zu wollen. Doch nix da, wir sind schließlich zum Arbeiten hier, und führen die Ami-Sportlerin erst einmal im gemütlichen Tempo Gassi. Unter Last ändert sich das Bild, setzt das Motor-Monstrum die Fuhre geschmeidig und vibrationsarm in Bewegung. Die ersten Meter gehen wir noch gemächlich an, das 506 PS starke V10-Herz und die Hinterhufe wollen schließlich erst auf Betriebstemperatur gebracht werden. Doch als es ernst wird, beißt die Schlange gnadenlos zu. Oder besser: Krallen sich die Hinterräder erbarmungslos in den Asphalt. 4,2 Sekunden von Null auf Hundert, untermalt von einem Klangteppich, dem nur die bedeutungsstärksten Attribute – hier fallen spontan „gewaltig“, „infernalisch“ und „markerschütternd“ ein – gerecht werden. Leider muss bei 96 km/h – zufällig genau die 60 mph-Marke, also dem Zieltempo amerikanischer Beschleunigungsmessungen – in den zweiten Gang geschalten werden, was ein paar Zehntel kostet. Aber das Erlebnis, in der Viper aus dem Startblock zu schnellen wie Usain Bolt in Weltrekordform, ist trotzdem ein beeindruckendes. Zumal das Ganze so nachhaltig passiert, dass sie beim Null-auf-Zweihundert-Sprint nicht ansatzweise nachlässt. Im Gegenteil: Wer sich im teilweise störrischen Sechsgang-Schaltgetriebe mit seinen extrem engen Schaltgassen gut zurechtfindet, erntet hier mit 13,9 Sekunden eine Fabelzeit. Und dass das Ungetüm angesichts von 306 km/h Topspeed auf der Autobahn ganz am Ende der Nahrungskette steht, erklärt sich von selbst. Aber am meisten beeindruckt die Souveränität, mit der dieser Motor zu Werke geht. Bei jeder Drehzahl und - mit Abstrichen beim ellenlang übersetzten sechsten - in jedem Gang steht ein so hoher Prozentsatz der maximal 711 Nm zur Verfügung, dass die Viper eigentlich immer und überall beschleunigt.
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- Die Dodge Viper SRT-10 ist kein träges und schwerfälliges Muscle Car, sondern lenkt willig und exakt ein, liegt stramm auf dem Asphalt und bremst mit ihren hervorragenden Brembo-Stoppern bissig und verlässlich am Limit.
Quer
Was geradeaus gilt, bestätigt sich auf der kurvigen Rennstrecke. Dieses Auto will - nein, es muss! - gebändigt werden. Mit hohen Bedienkräften bei Kupplung, Lenkung und Schalthebel will die Viper ihren Piloten einschüchtern. Wer nun ängstlich die weiße Flagge hisst, mag sich sicher und geborgen fühlen, verpasst aber ein Erlebnis, dass in punkto Adrenalin- und Endorphin-Ausstoß kaum zu toppen ist. Auch wenn das Bild angesichts der amerikanischen Sportwagen-Konkurrenz unpassend erscheint: Jetzt ist die Viper ein wildgewordener Mustang, dessen Reiter die Zügel straff in der Hand halten muss, um später nicht entehrt im Dreck zu landen. Gut gewärmte Hinterräder sind das A und O, damit der Roadster die immense Power zumindest ansatzweise auf den Boden bekommt. Der riesige Motor drückt den Vorderwagen so vehement nach unten, dass das Heck stets leicht ist und entsprechend gerne die Welt abseits der Ideallinie erkunden möchte. Übersteuern ist bei der Viper also immer ein Thema, weshalb die Sinne des Piloten ständig geschärft und die Reaktionen am Volant schnell und richtig sein müssen. Besonders bei Lastwechseln keilt der Schlangenschwanz nur zu gerne aus. Wobei mit einem Vorurteil endgültig aufgeräumt werden muss: Die Viper ist kein träges und schwerfälliges Muscle Car, sondern lenkt willig und exakt ein, liegt - besonders mit dem im Testwagen installierten KW-Sportfahrwerk - stramm auf dem Asphalt und bremst mit ihren hervorragenden Brembo-Stoppern bissig und verlässlich am Limit. Insofern ist an der Viper durchaus ein richtiger Sportwagen verloren gegangen, was die beachtliche Rundenzeit von 43,6 Sekunden untermauert. Dennoch gilt: Wer in diesem Auto nicht weiß, was er tut, wird schnell von der Realität einge- bzw. vom Heck überholt. Gerade bei Nässe steigt man also besser in ein anderes Auto um, wenn man kein Könner am Volant und/oder ein Adrenalinjunkie ist.
Alltag
Die Viper ist laut, unübersichtlich, eng, erfordert stets Aufmerksamkeit und hohen Kraftaufwand. Die überbreiten Hinterreifen passen in kaum eine Waschanlage, Ersatzteile sind schwer zu bekommen und wahnsinnig teuer. Oder anders ausgedrückt: Kaum ein Auto passt so schlecht auf europäische Straßen wie die Viper. Dieses Auto ist absurd durch und durch, was auch für den Fakt gilt, dass Dodge seiner Vorzeigesportlerin ein Plastik-Cockpit spendiert, für das sich die meisten Billig-Kleinwagen-Produzenten schämen würden.
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- Eines der knackigsten Hinterteile der Automobilgeschichte: Aus dieser Perspektive sieht die Dodge Viper SRT-10 einfach nur scharf aus.
Geld
Trotz geringer Verbreitung hat die Dodge Viper in den letzten Jahren einen enormen Wertverlust hinnehmen müssen. Als Neuwagen kostete die Giftschlange einst locker einen sechsstelligen Betrag. Der Löwenanteil aller gebrauchten Modelle wird inzwischen im Dunstkreis zwischen 50.000 und 70.000 Euro angeboten – auch die muss man erst einmal bereit sein aufzubringen. Wer die Kurbelwelle oft am roten Bereich rotieren lässt, zahlt die Zeche zudem naturgemäß an der Tankstelle. Durchschnittsverbräuche nah am 30-Liter-Limit können da zur Norm werden. Auf der Autobahn ist die Viper jedoch genügsamer – dem langen Sechsten sei Dank. Unter dem Strich sind es nicht gerade bescheidene 15,3 Liter. Ausufernde Unterhaltskosten wegen exorbitant hoher Steuern und Versicherung sollten aber in jedem Fall mit einkalkuliert werden.
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- Wer in der Dodge Viper SRT-10 nicht weiß, was er tut, wird schnell von der Realität einge- bzw. vom Heck überholt.
Wahre Werte
Eine Dodge Viper ist Unvernunft im Quadrat. Ach was: hoch zehn! Entweder, sie erntet bewundernde Blicke, oder sie wird verächtlich beäugt. Wie dem auch sei, sie polarisiert, weil sie für die einen die Sportwagen-Erfüllung schlechthin bedeutet und für die anderen fast schon alleinverantwortlich für den Klimawandel ist. Dass sie nur zu gern die fahrdynamische Zicke gibt, schärft ihr Profil nur noch mehr, weshalb ihr nur der Pilot wirklich gewachsen ist, der ihr mit ausreichend Verantwortungsgefühl gegenübertritt. Auf die Nachricht, dass Konzernmutter Fiat/Chrysler die Viper ab Ende 2012 wieder auflegen möchte, haben wir jedenfalls mit freudiger Erregung reagiert. Denn ohne diese Giftschlange ist die Sportwagenwelt um einen Charakterkopf ärmer.
| Kriterien (je max. 10 Punkte) | Chrysler Viper SRT-10 |
|---|---|
| Gesamtergebnis (max. 50 Punkte) |
31 |
| Längs | 08 |
| Quer | 07 |
| Alltag | 02 |
| Geld | 04 |
| Wahre Werte | 10 |

