Außen kernig, innen kultiviert

3.400 Euro teurer und etwas robuster im Auftritt: Welchen Mehrwert bietet der Audi allroad quattro 3.0 TDI tiptronic im Vergleich zum Standard-A6 Avant? ( , 01.01.2009)

Der Audi A6 allroad quattro will mehr sein als nur der A6 Avant für Hobby-Jäger und Caravan-Jünger. Er will leichte Offroad-Qualitäten mit edlem Ambiente verbinden und dabei ähnlich dynamisch wie der Kombi-Bruder aus der oberen Mittelklasse sein. Kann der allroad in der 3.0 TDI tiptronic-Version den hohen Ansprüchen gerecht werden?

allroad Quattro - Seitenansicht
Reichlich Chromzierrat lässt die Silhouette des Audi A6 allroad quattro edel wirken

Design

Der aktuelle Offroad-Kombi präsentiert die schnörkellose Linienführung des A6 Avant, zeigt sich aber eigenständiger als die erste allroad-Generation. Mit seinem Outfit drückt der allroad seinen universellen Charakter aus. Obenrum präsentiert der Ingolstädter schmückendes Beiwerk in Form zahlreicher Chrom-Accessoires wie Fensterleisten und einer glänzenden Dachreling. Hinzu kommt ein chromblitzender Singleframe-Grill, der im Vergleich zum Standard-A6 für eine Extraportion Überholprestige sorgt. Untenrum ist der allroad dagegen die praktische Cargo-Hose geschlüpft: Die farblich abgesetzte Kunststoff-Beplankung sowie der angedeutete Unterfahrschutz vorne und hinten verhelfen dem allroad zu einen robusten Auftritt und schützen die Karosserie beim Erkunden des heimischen Feldwege-Netzes vor Steinschlägen. Das Schuhwerk gehört eher in die Kategorie „Wanderstiefel“ statt „Edeltreter“: Die 17-Zöller tragen rundum 225/55er Reifen.

allroad Quattro - Motor
Der 3.0 TDI-Motor unseres Testwagens entwickelt Bärenkräfte (233 PS und 450 Nm), gibt sich aber stets kultiviert

Karosserie/Innenraum

Mit 4,93 Metern Außenlänge gehört der Audi A6 allroad quattro zu den XL-Kombis. Entsprechend üppig ist das Platzangebot. Selbst zu fünft reist man bequem, und der Kofferraum ist mit einem Volumen von 565 Litern groß genug, um die meisten Transportaufgaben zu bewältigen. Dank des einfachen Umklappmechanismus der Rücksitzlehnen und des dann maximal 1,94 Meter langen Laderaums steht der Ingolstädter bei Bedarf auch für Umzüge oder als Campingmobil bereit. Positiv: Die Rundumsicht im allroad ist ordentlich, und die optionale, exzellente Bilder liefernde Heckkamera mit „Einpark-Wegweiser“ nimmt auch dem engsten Parkhaus den Schrecken.Im Interieur herrscht Audi-typisch ein edles Ambiente, bei Verarbeitung, Design und Oberflächenmaterialien macht den Bayern kaum einer etwas vor. Die Bedienung zeigt sich meist problemlos. Das „Multi Media Interface“ MMI, das alle Funktionen steuert, lässt sich schnell erlernen und nach ein wenig Eingewöhnungszeit intuitiv bedienen. Nur die Verteilung der Bedienelemente, besonders die auf der Mittelkonsole platzierten MMI-Menütasten sowie der beifahrerseitig des tiptronic-Wählhebels untergebrachte Lautstärkeregler, werfen zuweilen Fragen auf. Besonders Audi-Neulinge müssen die Augen lange von der Straße abwenden, um zwischen Fahrer- und Beifahrersitz die richtige Taste zu finden.

allroad Quattro - Frontdetail
Ein eigenständiger Kühlergrill und die Seitenbeplankung sorgen für einen individuellen Auftritt des Audi A6 allroad quattro

Antrieb und Fahrwerk

Der Dreiliter-V6 mit 233 PS ist der Topdiesel der allroad-Palette. Der Common Rail-Selbstzünder verfügt über Bärenkräfte (450 Newtonmeter ab 1.400 U/min), legt aber sehr zivilisierte Manieren an den Tag: Beim Kickdown gibt es eine kurze Gedenksekunde, daraufhin einen sanft einsetzenden Schub statt eines heftigen Trittes ins Kreuz. Turboloch? Fehlanzeige! Wie schnell es tatsächlich vorangeht (Null auf Hundert in 7,8 Sekunden, Topspeed 230 km/h), wird dem Piloten erst beim Blick auf den Tacho bewusst. Der allroad scheint in sich zu ruhen, die sehr dezente Geräuschkulisse verrät nur nach außen, dass unter der Motorhaube ein Diesel arbeitet und schlägt bei hohen Drehzahlen sogar eine recht sportliche Tonart an. Dazu passt das ausgewogene Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe: Im Automatikmodus schaltet es nicht hektisch hin und her, sondern nutzt das bärige Drehmoment des Motors aus. Fahrstufenwechsel gehen der tiptronic sanft und kaum spürbar von der Hand. Wer möchte, kann mit Lenkradwippen manuell durch die Gänge zappen.Verwandlungsfähig zeigt sich das Fahrwerk. Die Luftfederung erlaubt fünf vorkonfigurierte Einstellungen („dynamic“, „automatic“, „comfort“, „allroad“ und „lift“), die je nach Einsatzzweck über das MMI angewählt werden können. So legen die „dynamic“- und die „comfort“-Einstellung tatsächlich unterschiedliche Charakteristika an den Tag, auch wenn beide alles andere als kompromisslos sind. Die „lift“-Variante macht den allroad in Verbindung mit dem quattro-Antrieb fit für Feldwege und widrige Witterungsbedingungen. Steht eine Tour in härteres Gelände an, bleibt er mangels des nötigen Rüstzeugs (Bodenfreiheit, Getriebeuntersetzung oder Differentialsperren) aber lieber in der Garage.

allroad quattro - MMI-Panel
Die Bedientasten des MMI befinden sich auf der Mittelkonsole, was gerade Audi-Neulingen den Umgang mit dem A6 allroad quattro etwas erschwert

Kosten

Wer bei einem Grundpreis von 52.200 Euro (3.400 Euro mehr als ein vergleichbarer A6 Avant) einen komplett ausgestatteten allroad quattro 3.0 TDI tiptronic erwartet, sieht sich von Audi eines Besseren belehrt. Licht- und Regensensor, elektrische Spiegel und Fensterheber, Klimaautomatik und ein CD-Radio mit vier Lautsprechern spendieren die Ingolstädter noch als kostenlose Beigabe. Doch fast alles Weitere muss extra gezahlt werden. Wer sich allzu sorglos in der Aufpreisliste bedient, kann gut und gerne bei 70.000 Euro landen. Leider sorgen die Trinksitten des Motors nicht gerade für eine Entlastung des Portemonnaies: Aus den von Audi versprochenen 8,8 Litern sind in unserem Testbetrieb 11,5 Liter im Schnitt geworden; hier fordert das hohe Leergewicht von rund 1,9 Tonnen seinen Tribut. Dafür sind die Versicherungseinstufungen (HP: 19, VK: 23, TK: 28) durchaus moderat.

allroad Quattro - Heckansicht 2
Der Audi A6 allroad quattro steht rundum auf 17-Zöllern mit 225/55er Bereifung. Optional bietet Audi auch 18-Zoll-Felgen an

Fazit

Natürlich ist der Audi A6 allroad quattro kein SUV, schon gar kein Geländewagen. Stattdessen ist er ein großer Kombi, der seinem Besitzer die Qualitäten des A6 Avant bietet und diese mit dem Luftfahrwerk und der individuelleren Optik kombiniert. Zahlreichen Stärken (Motor, Getriebe, Fahrverhalten, Platzangebot, Innenraumambiente) steht bis die Preisgestaltung und den zu hohen Verbrauch keine Schwäche gegenüber. Wer ihn sich leisten kann und die Offroad-Optik mag, wird mit dem A6 allroad quattro seine Freude haben.

allroad Quattro - Cockpit
Übersichtlich, gut verarbeitet, aber mit leichten Bedienschwächen: Das Cockpit des Audi A6 allroad quattro

Technische Daten (Werksangaben):

Leistung: 171 kW (233 PS) / 4.000 U/min
Max. Drehmoment: 450 Nm / 1.400 bis 3.250 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 7,8 s
Durchschnittsverbrauch: 8,8 l / 100 km
CO2-Emission: 232 g/km
Grundpreis: 52.200 Euro

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