500 PS und 650 Nm: Daten, die zum aktuellen Porsche 911 Turbo passen – und zum Audi TT RS von Abt Sportsline. Die Äbte beweisen einmal mehr ihre Kompetenz in Sachen Turbo-Tuning und bieten den wohl günstigsten 911 Turbo-Kontrahenten an. (Thomas Harloff , 02.09.2010)
Wie einst der Urquattro
Kompakte Abmessungen, relativ wenig Gewicht, Allradantrieb, dazu ein strammer Fünfzylinder-Turbo: Das Konzept des Audi TT RS hat uns von Anfang an überzeugt, schließlich kennt man dessen Zutaten schon aus dem legendären Urquattro. Schon diesen hat Audis Haus-und-Hof-Tuner Abt Sportsline seinerzeit in eine wahre Allradwaffe verwandelt: 1985 bauen die Äbte ein Einzelstück des Fünfzylinder-Turbo-Sportlers, der zwar den normalen Radstand hat, aber die Optik des „kurzen“ Sport Quattro präsentiert. 300 PS hat der Abt Urquattro, die Serienversion nur deren 200. Zum Vergleich: Soviel Leistung hat seinerzeit gerade einmal der Porsche 911 Turbo zu bieten. Womit die Brücke zur Moderne geschlagen wäre, denn auch jetzt stößt Abt Sportsline mit seiner Interpretation des Audi TT RS in die Leistungsregionen des Porsche 911 Turbo vor.
Abt zündet zwei Leistungsstufen
Der im Urzustand 340 PS starke Fünfender mit Turbo-Aufladung hat offensichtlich große Leistungsreserven zu bieten. Schon die Installation eines Ladeluftkühlers und eine optimierte Motorelektronik reichen aus, um die Leistung auf 420 PS anzuheben. Das maximale Drehmoment steigt von 450 auf 570 Nm. Doch das Ende der Fahnenstange ist erst oberhalb der 500 PS-Marke erreicht. 501 PS sind es mit dem „Abt Power S“-Leistungskit, um genau zu sein.Und 650 Nm, womit er tatsächlich die Werte des Turbo-Elfers (500 PS und 650 Nm) erreicht – für einen vergleichsweise schmalen Tarif. Inklusive Montage und TÜV-Abnahme ruft Abt für den Power S-Umbau 9.715 Euro auf. Die 420 PS-Variante schlägt mit 4.215 Euro zu Buche.
Der 911 Turbo zieht leicht davon
In punkto Fahrleistungen kann der Abt TT RS allerdings nicht ganz mit dem Zuffenhausener mithalten. Mit Schaltgetriebe sprintet dieser in 3,7 Sekunden von Null auf Hundert – der Kemptener im 501-PS-Trim absolviert diese Übung in vier Sekunden. Damit ist er drei Zehntel schneller als die 420 PS-Variante und gewinnt sechs Zehntel auf den Serien-TT RS. Leider verfehlt der Abt TT RS im Gegensatz zum 911 Turbo (312 km/h) die prestigeträchtige 300 km/h-Marke. Mit 501 PS sind 292 Sachen angesagt, die 420 PS-Version rennt maximal 282 km/h. Die Serienversion macht bei 250 km/h dicht.
Genauso stark, halb so teuer
Trotzdem ist der TT RS aus dem Allgäu der schnellste Abt TT aller Zeiten.Hier lässt der Veredler die inneren Werte sprechen und hält optische Änderungen am Blechkleid des TT RS für unnötig. Nur in den Radhäusern sehen die Äbte Optimierungsbedarf. Wer 20-Zöller möchte, kann sich für je 4.690 Euro pro Komplettradsatz für die CR-Felge in mattem Anthrazit oder die BR-Variante in klassischer Farbgebung oder tiefem Schwarz entscheiden. Obwohl nur 19 Zoll groß, muss man für den gewichtsoptimierte CR Superlight-Radsatz - ein Neuzugang in der Abt-Räderpalette - stramme 8.900 Euro anlegen.
Rechnen wir zusammen. Ab Werk kostet der Audi TT RS 56.150 Euro. Die Abt-Variante mit 501 PS und Superlight-Felgen schlägt mit 74.765 Euro zu Buche. Für den Porsche 911 Turbo muss man in etwa das Doppelte (148.727 Euro) investieren. Wir könnten uns gut vorstellen, dass trotz etwas schlechterer Fahrleistungen demnächst der eine oder andere leistungshungrige Sportwagen-Fan statt im Porsche-Zentrum in der Kemptener Abt-Zentrale vorstellig wird.