Fahrbericht Audi e-tron Spyder

Audi e-tron Spyder im Erstkontakt: Der Traum vom R4

Schickt Audi neben dem offenen Sportwagen R8 Spyder bald noch einen kleinen Spaßroadster ins Rennen? Das Serienmodell des e-tron Spyder könnte eine Lücke im Modellprogramm schließen. Motorvision.de bat den luftigen Zweisitzer mit Dieselhybrid-Antrieb zu einer ersten Ausfahrt. ( , 21.10.2011)

Audi TT – ein Opfer seiner Plattform

Es ist nicht so, dass Audi keinen kleinen Roadster hätte. Doch echte Sportwagenfans rümpfen beim Antriebskonzept des offenen TT die Nase. Der bietet serienmäßig einen wenig roadstertypischen Vorderradantrieb. Als Topmodelle TTS und TT RS bieten die Ingolstädter ihr Konkurrenzprodukt für Boxster, SLK und Z4 zwar mit einem Allradantrieb an. Doch der TT ist der einzige in dem sportlichen Quartett, der auf einer Frontantriebsplattform unterwegs ist -ein für Puristen nicht zu verzeihender Makel bei einem Spaßroadster. Auch die kommende TT-Serie, die 2013 zu den Händlern kommen soll, ist wieder auf einer Plattform für Quermotoren mit Frontantrieb und Allradoption unterwegs.

Audi e-tron Spyder
Der kernig-knackige Zweisitzer Audi e-tron Spyder verfügt über eine knapp geschnittene Windschutzscheibe im Visierlook.

Serienchancen? Gleich Null!

Audis Modellpalette könnte einen kompakten offenen Spaßmacher mit hecklastiger Allradauslegung – von Hinterradantrieb wollen wir gar nicht erst träumen – gut gebrauchen. In dieser Lücke könnte sich eine Serienversion des e-tron Spyder hervorragend breitmachen – wenn man denn je eine baut. Erstmals zu bestaunen war der offene Audi-Prototyp auf dem Pariser Autosalon im Herbst 2010. Wer den e-tron Spyder nun abseits von Messehallen und Blitzlichtgewitter im Morgenlicht in den Bergen nördlich von Malibu sieht, kann nur davon träumen, dass es eine baldige Serienumsetzung gibt. Doch Entwicklungsingenieur Uwe Haller schüttelt vehement mit dem Kopf. „In dieser Form wird der e-tron Spyder keine Realität. Es geht uns um das Design und um Erfahrungen mit dem Antriebskonzept zu machen.“

Audi e-tron Spyder
Fahrdynamisch kommt dem e-tron Spyder jedoch im Gegensatz zu vielen anderen Audi-Modellen die ideale Gewichtsverteilung von 50:50 zugute.

Starke Fahrleistungen, wenig Verbrauch

Der Antrieb des sehenswerten Audi e-tron Spyder ist derzeit einzigartig. Im Heck des Spaß-Roadsters wummert der jüngst vorgestellt Powerdiesel mit drei Litern Hubraum, 313 PS und 650 Nm Drehmoment. Doch als die Fahrt beginnt, ist nicht mehr als das Abrollgeräusch der breiten Reifen zu vernehmen. Der Grund ist denkbar einfach. Der kernig-knackige Zweisitzer mit der knapp geschnittenen Windschutzscheibe im Visierlook verfügt nicht nur über den V6-Powerdiesel, sondern auch zwei zusätzliche Elektromotoren. Während jedes dieser jeweils 32 Kilowatt und 352 Nm starken Kraftpakete die Vorderachse mit Leistung versorgt, treibt der beim Prototypen nicht nennenswert gekapselte Selbstzünder die Hinterachse an. „Man kann mit dem e-tron Spyder zum Beispiel rein elektrisch aus einem Großraum wie Los Angeles herausfahren, um dann hier in den Bergen auf den kurvenreichen Straßen seinen Spaß zu haben“, erklärt Uwe Haller, „die Akku-Reichweite liegt bei rund 50 Kilometern.“ Der errechnete Normverbrauch von 2,2 Litern Diesel auf 100 Kilometer ist noch eindrucksvoller als 0 auf 100 km/h in 4,4 Sekunden und eine imaginäre Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h.

Audi e-tron Spyder
Über der Hinterachse des Audi e-tron Spyder thront der 313 PS und 650 Nm starke V6-Turbodiesel, der in diesen Tagen in diversen anderen Audi-Modellen debütiert.

Drei Motoren in stimmigem Gleichklang

Schnell zeigt sich, wie Uwe Haller sich das vorstellt, denn der Audi e-tron Spyder setzt die Vorgabe sofort konsequent um. Nachdem der 4,06 Meter lange und nur 1,11 Meter hohe Roadster die erste Meile rein elektrisch hinter sich gebracht hat und sich die ersten Kurven bergan von einem erheben, bläst der drei Liter große Commonrail-Diesel im Heck zum vehementen Angriff. Bissig gibt der drehmomentstarke Selbstzünder seine Leistung an die Hinterachse ab. Die Elektromotoren vorne boosten derweil stimmig im Gleichklang. So lässt es sich fahren. Kaum hat man das Gaspedal kraftvoll durchgedrückt, geht das Potentiometer im kargen Cockpit des Prototypen auf 100 Prozent und das Triebwerk dreht in den Begrenzer. „Die Pfeifgeräusche kommen von einem Bypass im Motor“, räumt der Prototypen-Experte Uwe Haller fast entschuldigend ein, während der offene Allradler durch die Mulholland-Hügel zischt. Diese umkurvt er satt und souverän, obwohl der Prototyp mit 1.650 Kilogramm rund 200 kg mehr wiegt, als Audi als Zielgewicht für ein etwaiges Serienmodell veranschlagt hat. Fahrdynamisch kommt dem e-tron Spyder jedochim Gegensatz zu vielen anderen Audi-Modellen die ideale Gewichtsverteilung von 50:50 zugute.

Audi e-tron Spyder
Der errechnete Normverbrauch des Audi e-tron Spyder von 2,2 Litern Diesel auf 100 Kilometer ist noch eindrucksvoller als 0 auf 100 km/h in 4,4 Sekunden und eine imaginäre Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h.

Drei Negativbeispiele

Leider steht bereits jetzt fest: Wieder einmal wird es eine sehenswerte Technologiestudie aus dem Hause Audi nicht in die Serie schaffen. Weitere Beispiele gefällig? Die Kurzversion des Audi RS5, der 2010 in Paris vorgestellte Quattro Concept mit 408 PS starkem Fünfzylinder-Turbo, ist inzwischen nahezu fertig entwickelt. Doch auch für den legitimen Nachfolger des legendären Sport Quattro gibt es für eine Kleinserie noch kein grünes Licht. Der omnipotente Audi R8 V12 TDI mit dem brachialen V12-Diesel des Q7 fiel ebenfalls dem Ingolstädter Rotstift zum Opfer. Dabei wird es Zeit, dass die umtriebigen Bayern wieder einmal eine der sehenswerten Studien in die Serie entlassen. Das war zuletzt nur dem A7 als Luxuscoupé des A6 gelungen. Doch es scheint nicht ausgeschlossen, dass das Grundkonzept des e-tron Spyder eine Zukunftschance hat. Neben dem Sportcoupé-Duett aus TT und TT Roadster wäre ein echter Sportroadster wie ein kleiner Bruder des R8 durchaus denkbar. Hier müsste man sich nur noch mit dem Renault-Nissan-Konzern einigen. Die Bezeichnung „R4“ dürfte noch belegt sein.

BEWERTE DIESEN ARTIKEL
rating_image rating_1 rating_2 rating_3 rating_4 rating_5
UMFRAGE

Braucht Audi eine Serienversion des e-tron Spyder in seiner Modellpalette?

  • Na klar. Cooles Design und ein ebenso kraftvoller wie sauberer Antrieb - das passt wunderbar.
    57%
  • Nein, ganz sicher nicht. Audi soll lieber seine Öko-Studien von der diesjährigen IAA in Serie bauen.
    19 %
  • Als Nischenmodell in einer Kleinserie funktioniert das. Aber eigentlich reicht der TT Roadster aus.
    19 %
  • Ich bin skeptisch. Dieses Segment ist von den anderen Herstellern bereits bestens besetzt.
    5 %
KOMMENTARE
Ähnliche Artikel

Hintergrund: Audi e-tron

Audi e-tron: Ingolstädter Starkstrom

Audi rast lautlos in die Zukunft. Die ersten Prototypen des Elektro-Sportwagens Audi e-tron sind öffentlich auf Testfahrt unterwegs. Das Serienmodell soll schon 2012 vorgestellt werden.

Audi e-tron – Audis Wege zum Elektroantrieb

In Detroit zeigt Audi derzeit das zweite Elektro-Konzept namens e-tron. Schon auf der IAA 2009 hat Audi eine Studie vorgestellt, die e-tron heißt. Damit zeigt Audi zwei völlig verschiedene Wege zum reinen Elektroantrieb.

Motorvision-Adventskalender

Adventskalender – 19. Türchen

24 Tage bis zum Fest, 24 große Automarken in unserem Motorvision-Adventskalender. Jeden Tag bis zum Heiligen Abend beleuchten wir die Geschichte eines Autokonzerns mit historischen Wendepunkten in der Firmenpolitik und den wichtigsten Modellen. Hinter dem 19. Türchen unseres Adventskalenders versteckt sich eine sächsich-bayerische Geschichte.

Vorstellung Audi R8 GT Spyder

Automobilbau-Poesie – Audi R8 GT Spyder

Supersport-Fans mit Oben ohne-Faible werden mit extremem Entzücken zu kämpfen haben, denn der Audi R8 GT kommt als offene Version – erneut limitiert auf 333 Stück und – wie das Coupé –extrem in sämtlichen Belangen.

Abt Audi R8 GT S

Erotisches auf vier Rädern: Genf-Premiere des Abt Audi R8 GT S

Abt Sportsline präsentiert auf dem Genfer Autosalon einen wahren „Frischlust-Sportler“: Der R8 GT S sieht trotz kleiner Schönheitsfehler hinreißend aus und präsentiert sich als bärenstarker und sauschneller Potenzprotz.
Ähnliche Videos

Audi e-tron Spyder und Quattro Concept

Motorvision stellt Audis Highlights vom Pariser Autosalon vor.

Audi R18 e-tron quattro

Audi fährt beim 2012er 24-Stunden-Rennen in Le Mans zweigleisig: Neben dem R18 mit Dieselmotor soll mit dem R18 e-tron quattro ein allradgetriebener Dieselhybrid-Bolide den Sieg nach Ingolstadt holen. Wir stellen den aufsehenerregenden Langstreckenrenner vor.

Audi auf der Peking Motor Show

Audi stellt auf der Peking Motor Show 2012 gleich drei wichtige Neuheiten vor. Neben dem Jinlong Yufeng auf Q3-Basis stehen die Studie RS Q3 concept und der A6 L e-tron im Fokus.

Audi R8 Spyder

Motorvision ist mit der offenen Sportwagen-Schönheit am Mittelmeer unterwegs.

Porsche 550 Spyder

Motorvision stellt das Auto vor, in dem James Dean seinen Tod fand.

Spyker C8 Spyder

Motorvision ist mit dem niederländischen Sportwagen-Exoten unterwegs.
MOTORVISION MAGAZIN
MOTORVISION AUF FACEBOOK
AKTUELLES VIDEO
Lucy bei Knud Tiroch Teil 6
FACEBOOK EMPFEHLUNGEN