Aston Martins neues Topmodell DBS soll die Brücke zum Rennsport schlagen und ist von James Bond schon auf Herz und Nieren getestet worden. (F. Bauer , 01.01.2009)
Gestatten: Martin. Aston Martin. Codename: DBS. Sein Auftrag: Der Luxus-Sportwagen-Konkurrenz aus aller Welt kräftig einzuheizen. Seine Waffen: Ein Sechsliter-V12, angeordnet als Front-Mittelmotor, mit 517 PS und einem maximalen Drehmoment von gewaltigen 570 Newtonmetern. Sein Fitnesszustand: Exzellent, wie der Sprintwert von 4,3 Sekunden in der Null-auf-Hundert-Disziplin und der Topspeed von 302 km/h beweisen. Sein erster Auftritt: Auf der Frankfurter IAA, die in diesem Jahr von 13. bis 23. September stattfindet. Sein Honorar: Noch streng geheim, aber gut unterrichtete Quellen munkeln, dass es zwischen 200.000 und 250.000 Euro liegen soll. Dafür steht der edle Brite seinem Besitzer exklusiv zur Verfügung und ist stets zu jeder Schandtat bereit. Wenn gewünscht, meistert er sogar Rennstreckeneinsätze.
James Bond als Testfahrer
Der Steckbrief des neuen Aston Martin DBS, der Sportversion des bisherigen Topmodells DB9, liest sich beeindruckend – und kommt nicht von ungefähr. Schließlich durfte James Bond bereits vor rund einem Jahr in „Casino Royale“ einen Prototypen des neuen Astons fahren – um ihn im Auftrag seiner Majestät gepflegt zu Edelschrott zu verarbeiten. Den Serienautos bleibt ein solches Schicksal hoffentlich erspart, schließlich vereint das Design in typischer Aston Martin-Manier Eleganz und Dynamik auf perfekte Art und Weise.Nach offizieller Aston Martin-Lesart schließt der DBS die Lücke zwischen DB9 und DBR9, der Rennversion des Zwölfzylinder-Sportlers. Optisch sucht er eher die Nähe zum Straßensportler – keine Spur von üppigen Spoilern, ausladenden Schwellern oder auffälligen Sponsorenaufklebern. Im Gegenteil: Mit einigen wenigen Kunstgriffen schärft Aston Martin das DB9- Design nach, subtil vermittelt der Neuling, wozu er im Ernstfall fähig ist. Dabei hat jede optische Änderung auch einen praktischen Sinn: Der größere Kühlergrill, zusätzliche Lufteinlässe in der Frontschürze und Luftauslässe in der Motorhaube sorgen dafür, dass dem V12 unter der lang gestreckten Motorhaube nicht zu warm wird. Im Vergleich zum DB9 kauert der DBS etwas näher am Asphalt und verfügt über eine breitere Spur. Ein Front-Splitter, ein formschön in die Heckklappe integrierter Spoiler und ein mächtiger Diffusor mit zwei integrierten Auspuff-Endrohren optimieren die Aerodynamik.
Technisch angehauchtes Innenraum-Ambiente
Der Innenraum präsentiert sich sowohl luxuriöser als auch sportlicher als der des DB9. Die beiden Insassen nehmen auf Sportsitzen Platz, wie im Rennwagen zeigt eine Lenkradmarkierung dessen Zentrum an. Daneben sorgen viele metallisch glänzende Features (zum Beispiel die Bedienelemente in der Mittelkonsole oder der Schaltknauf) für ein sehr technisch angehauchtes Ambiente im DBS-Cockpit. Die Instrumente tragen ebenfalls ein neues Design; hinter den weißen Ziffern schimmert dunkles Graphit hervor. Wer den Rennsport-Look auf die Spitze treiben möchte, kann spezielle „Lightweight“-Sitze ordern, die rund 20 Kilogramm leichter sind als die Serien-Pendants. Überhaupt hat Aston Martin das Thema „Gewichtsersparnis“ im Innenraum nie aus den Augen gelassen. Türöffner aus Carbon oder speziell gewebte Teppiche helfen, das eine oder andere Kilo zu sparen. Mit Erfolg: Insgesamt ist der DBS mit einem Leergewicht von 1.695 Kilogramm rund 100 Kilo leichter als der DB9 – auch ein Verdienst der größtenteils aus Aluminium, Magnesium und Kohlefaser-Verbundstoff bestehenden Karosserie.Klar, dass dem DBS die Diät vor allem auf der Rennstrecke zugute kommen soll. Doch auch sonst besitzt der Top-Aston gute Voraussetzungen, um möglichst flink um die Ecken zu wetzen. Durch die Motor- und Getriebeanordnung (der V12 direkt vor, das manuelle Sechsgang-Getriebe direkt hinter der Fahrgastzelle) verfügt der DBS über eine optimale Gewichtsverteilung. Das adaptive Dämpfersystem lässt sich in fünf verschiedenen Einstellungen „von zart bis hart“ justieren und verfügt zudem über einen Rennstreckenmodus („Track Mode“), der die Performance opti- und den Komfort minimieren dürfte. Das System denkt aber auch mit: In Abhängigkeit von Lenkradposition, Geschwindigkeit sowie Gas- und Bremspedalstellung wählt das „Adaptive Damping System“ selbständig die gerade passende Einstellung für die jeweilige Fahrsituation aus.
Fit für die Rennstrecke
Wie es sich für einen Sportwagen dieser Kategorie gehört, lässt sich die Stabilitätskontrolle in zwei Stufen ausschalten. Hält man die entsprechende Taste zwei Sekunden gedrückt, aktiviert sich der „Track“-Modus. Nach vier Sekunden ist das DSC komplett deaktiviert. Auch die Bremsanlage (mit Carbon/Keramik-Scheiben sowie Sechs- und Vierkolben-Festsätteln) dürfte ihren Teil zur exzellenten Rennstreckenperformance beitragen. Die sechs Gänge werden manuell gewechselt, der Motor schickt seine Power an die Hinterräder. Die speziellen 20-Zoll-Leichtmetallfelgen sehen atemberaubend schön aus und tragen Sportreifen von Pirelli, vorne im 245/35- und hinten im 295/30er Format.Sollte bei Ihnen jetzt dieser „Den muss ich unbedingt haben“-Reflex ausgelöst worden sein, gilt es, folgendes zu beachten: Die ersten Exemplare werden nicht vor Frühjahr 2008 ausgeliefert. Und das auch nur, wenn Sie vorher einen sechsstelligen Betrag mit einer „2“ beginnend nach Gaydon überwiesen haben. Es sei denn, Ihr Name ist James Bond. Aber dann gehen Sie das nächste Mal bitte vorsichtiger mit Ihrem Dienstwagen um!