American Gangster: Chevrolet HHR

Der Chevrolet HHR weckt Erinnerungen an kultige Hotrods aus längst vergangenen Zeiten. Ob die Kombi/Van-Mixtur im Retrodesign selbst das Zeug zum Kult hat, darf jedoch bezweifelt werden. ( , 01.01.2009)

Endlich gibt es hierzulande wieder offiziell einen Chevrolet, den man getrost Chevy nennen darf. Koreanische Gene dürfen die anderen haben - der HHR hat rein gar nichts mit einem ehemaligen Daewoo zu tun. Von vorn bis hinten und oben bis unten in den Staaten entwickelt, will Chevrolet mit der stylishen Kombi/Van-Mixtur im Retro-Look beweisen, dass aus Detroit auch heute noch qualitativ Hochwertiges kommen kann. Ein zu hoch gegriffener Anspruch? Motorvision hat LT 2.4-Variante mit Automatikgetriebe getestet.

Chevrolet HHR - 2
Testbericht: Chevrolet HHR

Design

Die Retro-Welle brandet unvermindert weiter und hat nun auch Chevrolet zum Surfen animiert. Gerade in dieser schwarzen Lackierung könnte der HHR direkt einem Ami-Gangsterstreifen aus den Fünfziger Jahren entsprungen sein. Gewölbte Motorhaube, abgesetzte Radkästen, hinten Kastenwagendesign – klassische Formen, die den Chevy im heutigen Straßenbild zum Hingucker machen. Kühlergrill, Außenspiegelgehäuse und Dachreling in Metalloptik peppen dem Design zusätzlich auf. Nur das Heck kann mit der sonst recht stilsicheren Linienführung nicht ganz mithalten: Das HHR-Hinterteil wirkt „dank“ des aufgesetzten Dachspoilers, zu groß geratenen Auspuff-Endrohrs und der scheinbar willkürlich verteilten Rundleuchten und Rückstrahler zerklüftet. Zudem schränken die klein geratenen Fensterflächen die Rundumsicht ein.

Chevrolet HHR - 3
Testbericht: Chevrolet HHR

Karosserie/Innenraum

Hat man das HHR-Interieur erstmal erklommen – es geht beim Einsteigen erstaunlich weit nach oben -, zeigen sich die Vorteile des Designs. In alle Richtungen steht den Passagieren Platz in Hülle und Fülle zur Verfügung. Gleiches gilt für das glattflächige und gut nutzbare Gepäckabteil, das allerdings größer aussieht, als es tatsächlich ist. Doch 430 bis 960 Liter dürften für die meisten Aufgaben ausreichen. Positiv: Die Heckklappe schwingt weit auf, Kopfnussgefahr besteht höchstens für Zwei-Meter-Riesen.Und der Qualitätseindruck? Durchwachsen. Die Türen scheppern blechern beim Schließen, die Insassen empfängt eine Hartplastik-Landschaft, die aber nicht so mausgrau ist wie bei vielen anderen Amis. Den in Metall eingefassten Rundinstrumenten kann man einen gewissen Chic nicht absprechen. Das HHR-Cockpit präsentiert sich bediensicher, es gibt nur wenige, dafür aber sehr große Knöpfe und Schalter. Was die Tasten für die elektrischen Fensterheber aber vor dem Automatik-Wählhebel zu suchen haben, wird ein Geheimnis der Chevy-Ingenieure bleiben. Auf den Sitzen dürften sich auch die als besonders füllig bekannten Amerikaner wohlfühlen; sie bieten keinerlei Seitenhalt, engen also auch nicht ein, sind sonst aber durchaus bequem.

Chevrolet HHR - 4
Testbericht: Chevrolet HHR

Antrieb/Fahrwerk

Als Testwagen haben wir die 2,4-Liter-Benzinvariante geordert. Die Wahl der Motorisierung fiel nicht schwer – es gibt bisher nur diese eine. Das Datenblatt verspricht 170 PS und 222 Newtonmeter bei 4.800 Touren an. Zu spüren ist weder das Eine noch das Andere. Der Motor ist sowohl antritts- als auch durchzugsschwach und brummt bei hohen Drehzahlen laut und angestrengt vor sich hin. Zum Getriebe: Ohne es getestet zu haben, wagen wir die Behauptung, dass das manuelle Fünfgang-Getriebe die bessere Option ist. Denn die 1.200 Euro teure Automatik ist ein echtes Ärgernis. Sie schaltet zwar einigermaßen sanft, reagiert aber viel zu langsam, schaltet stets runter (selbst bei Viertelgas) und auch dann nicht hoch, wenn man im dritten Gang nahe des Topspeeds unterwegs ist. Das kostet Nerven und vor allem Geld an der Tankstelle: Statt – wie von Chevrolet angegeben – 9,0 Litern hat sich unser Testwagen im Schnitt 12,2 Liter Super gegönnt – eine Frechheit angesichts der müden Performance! Apropos: Die Höchstgeschwindigkeit von offiziell 180 km/h (laut Tacho geht der HHR gar nur gut 170 Sachen) ist für ein 170 PS-Auto ein Witz, aber wohl ein Tribut an die miese Aerodynamik.Das Fahrverhalten ist unproblematisch, wenn auch keineswegs agil. Früh kündigt sich an, dass der HHR mit der Nase am Straßenrand schnuppern möchte. Das ist leicht beherrschbar und hütet den Fahrer von vornherein vor wilden Manövern. Wer es doch darauf ankommen lässt, wird vom serienmäßigen Stabilitätsprogramm ESC schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Leidlich exakt, aber um die Mittellage zu leichtgängig präsentiert sich die Lenkung. Die Bremsen könnten mehr Biss vertragen, sind wegen des teigigen Pedalgefühls schlecht zu dosieren.

Chevrolet HHR - 5
Testbericht: Chevrolet HHR

Kosten

Alles drin, alles dran: Für sehr günstige 22.900 Euro gibt es ein komplett ausgestattetes Auto, die Aufpreisliste umfasst nur drei Positionen: Die Automatik, der Metallic-Lack (490 Euro) und ein 790 Euro teures, elektrisches Glas-Hub-Dach. Billiger kommt man sonst nur gebraucht an ein Auto dieser Größe. Bis auf die Vollkasko-Typklasse (24) kann der HHR auch mit vernünftigen Versicherungs-Einstufungen aufwarten. Der hohe Spritverbrauch ist bereits an anderer Stelle gerügt worden.

Chevrolet HHR - 6
Testbericht: Chevrolet HHR

Fazit

Der Chevy HHR ist das richtige Auto für gemütliche Naturen, die sich von der Masse abheben wollen und hin und wieder die Familie und Gepäck transportieren müssen. Er ist ein Cruiser, dem jegliche Hektik fremd ist und der sich deshalb bei forscher Gangart stets mürrisch gibt. Kritikpunkte sind der wenig überzeugende Qualitätseindruck, der müde und durstige Motor sowie die träge Automatik. Auf der Habenseite stehen das gute Platzangebot und das unproblematische Fahrverhalten. Ob das reicht, um auch in „Good Old Germany“ weit vorne in den Zulassungsstatistiken zu landen? Keine Chance, solange kein durchzugsstarker Dieselmotor im Angebot ist – trotz des heißen Preises.

Chevrolet HHR - 7
Testbericht: Chevrolet HHR

Technische Daten (Werksangaben):

Leistung: 125 kW (170 PS) / 6.200 U/min
Max. Drehmoment: 222 Nm / 4.800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 10,0 s
Durchschnittsverbrauch: 9,0 l / 100 km
CO2-Emission: 214 g/km
Grundpreis (Automatikversion): 24.190 Euro

BEWERTE DIESEN ARTIKEL
rating_image rating_1 rating_2 rating_3 rating_4 rating_5
KOMMENTARE
Ähnliche Artikel

Motorvision-Adventskalender

Adventskalender - 4.Türchen

24 Tage bis zum Fest, 24 große Automarken in unserem Motorvision-Adventskalender. Jeden Tag bis zum Heiligen Abend beleuchten wir die Geschichte eines Autokonzerns mit historischen Wendepunkten in der Firmenpolitik und den wichtigsten Modellen. Heute geht es über den großen Teich.

Chevrolet zeigt Elektro-Van in Peking

Einen Ausblick auf möglichen Familienzuwachs beim Elektroauto Chevrolet Volt gibt die Kompakt-Van-Studie MPV5 auf der Automesse in Peking

Suzuki Splash: Der unbekannte Zwilling

Es ist ein wenig ungerecht: In einigen Wochen bringt Opel unter großer Beachtung den Nachfolger seines sehr erfolgreichen Micro-Vans Agila auf den Markt.

Citroen C5: Französischer Chic für die Mittelklasse

Mit dem Flaggschiff C6 hat Citroen an die große Tradition der Avantgarde angeknüpft. Extravagante Formen für die Mittelklasse bietet jetzt auch die zweite Generation des C5.

Fahrbericht Peugeot 207 SW: Erschwinglicher Lademeister

Mit dem 207 SW bietet Peugeot als einer der wenigen Hersteller einen Kleinwagen-Kombi an. Zu Preisen ab 13 600 Euro ist der fünftürige Franzose ein erschwingliches Gefährt, beispielsweise für junge Familien.
Ähnliche Videos

Chevrolet HHR

Wolfgang Rother zeigt Euch, was der Chevrolet HHR kann - und was nicht.

Chevrolet HHR

Ein 50er Jahre-Revival auf vier Rädern: Motorvision fährt den Retro-Van Chevolet HHR.

Genfer Autosalon 2012: Die Neuheiten von Chevrolet

Chevrolet vereint auf dem Genfer Autosalon 2012 Alltag und Fortschritt. Der Cruze Kombi soll junge Familien glücklich machen, und mit den Studien Tru 140S und Code 130R soll ein betont jugendlicher Kundenkreis erschlossen werden.

IAA 2011: 100 Jahre Chevrolet

Chevrolet feiert auf der IAA 100. Geburtstag mit drei Europapremieren.

Chevrolet Captiva

Mit dem Captiva will Chevrolet in der Klasse der Kompakt-SUVs mitmischen. Motorvision sagt, ob das gelingen kann.

Corvette Stingray

Die Corvette ist die amerikanische Sportwagen-Ikone. Motorvision fährt die Stingray aus den 60er Jahren.
MOTORVISION MAGAZIN
MOTORVISION AUF FACEBOOK
AKTUELLES VIDEO
Lucy bei Knud Tiroch Teil 6
FACEBOOK EMPFEHLUNGEN