Doppelkupplungsgetriebe, 170 PS - mit der neuen Kraftübertragung mausert sich die Giulietta von Alfa Romeo zum flotten Feger. Die Italiener kombinieren die neue Schaltbox mit beiden 170-PS-Motoren, egal ob Benziner oder Diesel. Wir durften bei der ersten Ausfahrt bereits Julchens frischem Charme erliegen. (Jürgen Schramek, Jessica Fischer , 25.01.2012)
Neues DSG
"Julchen ist nun wirklich groß, pfiffig, rund und tadellos" - reimte 1877 schon Wilhelm Busch. Er könnte auch auf Alfa Romeo "Julchen" gereimt haben - "Giulietta" heißt nichts anderes als "Julchen" auf Italienisch. Denn145 Jahre später kokettiert Julchen mit neuer Antriebstechnik , was sie pfiffig abrundet. Ab sofort stehen für ihren Diesel- oder Benzin-Motor mit jeweils 170 PS ein Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gangstufen zur Verfügung. Und in der Praxis gestand der Kompakte alle automobilen Tugenden den Testern zu, die ihr abverlangt wurden.
Unmerkliche Schaltvorgänge
Auch in der Doppelkupplungs-Version präsentierte die Giulietta beim Einsteigen Vertrautes. Schließlich ist der kompakte Fünftürer bereits seit 2010 auf dem Markt. Schickes Innenleben und sportlich angehauchtes Gestühl sprechen per se die fahraktive Frohnatur an. Mit sanftem Klick rastet der Schaltknauf in die richtige Position innerhalb der Kulisse. Dann fährt der Italiener eher sanft an und schaltet kurz vor Erreichen der Maximaldrehzahl selbständig in den nächsten Gang hoch. Dieser Wechsel ist für den Fahrer fast nicht spürbar. Auch nicht, dass die 170 PS ein mit knapp 1 400 Kilogramm ein wirklich ziemlich rundes Julchen anschieben müssen. Der aufgeladene 1,4-Liter-Motor dreht dabei geschmeidig, leise und mühelos. Der Gangwechsel fällt eigentlich nur optisch wegen der in niedrigere
Drehzahlregionen fallenden Nadel des Drehzahlmessers auf. Die
Schaltvorgänge sind ausgesprochen komfortabel ausgelegt. Es bleibt neben
den automatischen Gangwechseln aber auch die Möglichkeit, das Getriebe
auf manuell zu stellen - dafür muss entweder an den Schaltwippen am
Lenkrad geklickt, oder der Wahlhebel auf der Mittelkonsole ganz
klassische vor- oder zurück gedrückt werden.
Zu kurze Schaltwippen
Zudem bietet die Giulietta auf der Mittelkonsole einen Schalter, mit dem die Abstimmung für das gesamte Fahrzeug verändert werden kann. In der Stufe "Sport" verkürzen sich die Schaltzeiten, die Lenkung reagiert direkter und die Dämpfung strafft sich. In dieser Einstellung geht es dann auch am agilsten voran. Jetzt wird Julchen großartig und pfiffig. Wer möchte, kann die Giulietta so programmiert in 7,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen. Und selbst hierbei wechseln die Gänge fast unmerklich. Als störend erweisen sich lediglich die zu klein geratenen Schaltwippen am Lenkrad. Für deren Bedienung sind eigentlich längere Finger nötig als sie ein Taschendieb auf dem Petersplatz für seinen Broterwerb benötigt. Darüber hinaus drehen die Wippen sich unnötigerweise auch noch mit dem Lenkrad mit. Da hätte ein Blick der verantwortlichen Ingenieure auf die entsprechende Lösung bei Ferrari höchst lehrreich ausfallen können. Dort gibt es große, gut erreichbare Wippen, die zudem noch in der Horizontalen fest stehen.
Deutliche Bereicherung
Wer mit Julchen zügig auf kurvigen Strecken unterwegs ist und manuell die Gänge wählen will, wird schnell von einer akustischen Begleitung genervt, die bei zu hohen Drehzahlen den fälligen Gangwechsel mit lautem Piepton anmahnt. Ansonsten funktioniert die Schaltung einwandfrei und steht dem 4,35 Meter langen Familienwagen gut zu Gesicht. Ob schnelle Fahrt auf der Autobahn, sportlich ambitionierte Fahrweise auf kurvigen Landstraßen, oder entspanntes Dahingleiten, das Angebot an Fahreinstellungen bietet für alle Situationen die richtige Charakteristik. Somit kann das Doppelkupplungsgetriebe für die Guilietta eindeutig als Bereicherung betrachtet werden. Insgesamt hat Alfa von der Giulietta im letzten Jahr rund 80 000
Einheiten verkauft. In Deutschland entschieden sich 7 600 Kunden für den
Italiener. Für dieses Jahr erwartet der Hersteller Wachstum beim Absatz
und einen Anteil des Doppelkupplungsgetriebes von rund zehn Prozent.
Alfa verbaut die automatisierte Sechsgang-Schaltbox gegen einen Aufpreis
von 1 800 Euro. Der Kaufpreis für den 1.4 TB 16V Multiair beträgt genau
26 000 Euro, für den Zweiliter Diesel 28 900 Euro.