Ein BMW 3er Coupé mit leistungsgesteigertem M5-Motor und Flüssiggas-Antrieb – allein das wäre schon spektakulär genug. Jetzt hat der AC Schnitzer GP3.10 auch noch einen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt. (T. Harloff , 01.01.2009)
Es ist eine der größten Herausforderungen des modernen Automobilbaus: Nämlich dafür zu sorgen, dass der Fahrspaß trotz aller Ökologie- und Ökonomie-Ansprüche nicht auf der Strecke bleibt. Doch kann auch ein Auto mit den technischen Daten und Fahrleistungen eines Supersportwagens seinem Fahrer beim Tankstellenbesuch ein Lächeln ins Gesicht zaubern und für ein reines Umweltgewissen sorgen? Es kann, wie AC Schnitzer mit dem GP3.10 beweist: Das Projektfahrzeug auf Basis des 3er Coupés von BMW steht mit 552 PS gut im Futter, verträgt Flüssiggas – und hat jetzt einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt!
Der AC Schnitzer GP3.10 verfügt über den aus M5 und M6 bekannten Fünfliter-V10, der sich nochmals erstarkt präsentiert. Das durch ein neu abgestimmtes Steuergerät und einen überarbeiteten Abgastrakt mit Sport-Katalysator und Fächerkrümmer scharf gemachte Triebwerk leistet nun 552 PS – 45 mehr als im Serienzustand. Zudem wuchtet der Zehnzylinder bis zu 540 Newtonmeter auf die Kurbelwelle, was einer Steigerung von 20 Nm entspricht. Dass damit supersportliche Fahrleistungen erreicht werden können, versteht sich von selbst: Von Null auf Hundert geht es in 4,3 Sekunden, die 200 km/h-Marke erreicht man bei Vollgas - im wahrsten Sinne des Wortes - schon nach 13,9 Sekunden. Erst bei 318,1 km/h, erst kürzlich gemessen auf der Highspeed-Bahn im süditalienischen Nardo, stellt der GP3.10 die Beschleunigung ein – absoluter Rekord für ein Flüssiggas-Auto!
Die Rechnung geht auf
Dass sich AC Schnitzer dazu entschlossen hat, die 552 Pferde ausgerechnet mit Flüssiggas zu tränken, hat mehrere Gründe. Zum einen kann der auch LPG (Liquified Petrol Gas) oder Autogas genannte Brennstoff in fast jedem Ottomotor verbrannt werden – einen entsprechenden Umbau vorausgesetzt. Hinzu kommen das gut ausgebaute Tankstellennetz (allein in Deutschland gibt es inzwischen fast 3.000 Autogas-Tankstellen) und der günstige Preis von im Schnitt gut 60 Cent pro Liter. Obwohl der Verbrauch durch die geringere Dichte und den deshalb kleineren Brennwert des Gases um etwa 15 Prozent steigt, geht die Rechnung angesichts der happigen Spritkosten (ein Liter Super Plus kostet derzeit mehr als 1,50 Euro) schnell auf. Ein weiterer Vorteil des Flüssiggases: Die CO2-Emissionen eines Autos mit LPG-Antrieb liegen etwa 15 Prozent unter den eines herkömmlichen Benziners.Das heißt aber noch lange nicht, dass Anhänger des gepflegten Benzinverbrennens einen weiten Bogen um den GP3.10 machen müssen. Da der originale 60-Liter-Benzintank an Bord bleibt und durch einen 80 Liter großen Gastank ergänzt wird, bleibt dem Fahrer jederzeit die Möglichkeit, zwischen Benzin und Gas hin- und herzuwechseln.
Fahrwerk, Bremsen, Sound – alles optimiert
Mit dem Motorumbau hören AC Schnitzers technische Modifikationen aber noch lange nicht auf. Ein höhenverstellbares Rennsportfahrwerk und ein Spezial-Stabilisatorsatz sollen das 3er Coupé noch agiler um Kurven flitzen lassen als im Serienzustand. Auch die Bremsen passen die Aachener an die deutlich gestiegene Power an: Vorne krallen sich Achtkolben-Festsättel in 374 Millimeter große, gelochte und innenbelüftete Scheiben. Hinten kommen Vierkolben-Pendants und 350er Scheiben zum Einsatz. Hinzu kommt ein Sportnachschalldämpfer, dessen mittig in der Heckschürze positioniertes Endrohr ein wenig an den Lamborghini Murcièlago erinnert.Ähnlich wie ein Lamborghini dürfte auch der AC Schnitzer GP3.10 die Blicke auf sich ziehen. Dafür sind in erster Linie die mineralgrüne Sonderlackierung, die charakteristischen seitlichen Lufteinlässe mit Chromrippen und die hinteren Karosserieverbreiterungen verantwortlich. Doch auch der aggressive Gesichtsausdruck, hervorgerufen durch eine Frontschürze mit drei großen Lufteinlässen, trägt zum dynamischen Erscheinungsbild bei. Damit der Temperaturhaushalt im Motorraum stets stimmt, spendiert der Tuner eine neue Haube mit einem zusätzlichen Luftauslass. Seitenschweller – natürlich mit integrierten Lufteinlässen – führen die Optik weiter zum Heck, das sich ähnlich auffällig präsentiert wie die Front. AC Schnitzer veredelt das Hinterteil des 3er Coupés mit einer speziellen Abrisskante, einer Heckschürze samt Diffusor sowie einem auffälligen Dachflügel.
Extravagantes Felgendesign
Einen ganz neuen Weg geht AC Schnitzer nicht nur bei der Antriebstechnik, sondern auch beim Felgendesign. Das Rad „Typ VI“ kombiniert die klassische Y-Speichen-Optik mit fünf markanten Hohlspeichen und Bicolor-Finish. Die 20-Zoll-Felgen bestückt der Tuner vorne mit 245/30er und hinten mit 315/25er Reifen.Auch im Innenraum lassen die Aachener kaum etwas unangetastet. Als Zügel dient ein Dreispeichen-Sportlenkrad mit Nappaleder. Mit Alu-Pedalen gibt der Fahrer seinem GP3.10 die Sporen, und Rennschalensitze dienen als viel Seitenhalt bietender Sattel. Die mineralgrün lackierten Leisten setzen einen Kontrast zum Leder-Komplett-Interieur. Ein neues Kombiinstrument mit 330 km/h-Tacho, Fußstütze, Handbremsgriff und iDrive-Cover aus Aluminium sowie eigens gefertigte Fußmatten mit GP3.10-Logo runden AC Schnitzers Innenraumtuning ab.Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und den Flüssiggas-Renner im alltäglichen Betrieb erleben möchte, wird nun enttäuscht sein. Beim GP3.10 handelt es sich laut AC Schnitzer um ein unverkäufliches Einzelstück im Wert von 198.000 Euro. Doch Besucher der Essen Motor Show (1. bis 9. Dezember) können sich den Boliden zumindest einmal aus der Nähe – wenn auch stehend – anschauen.