70. Todestag einer Legende

Mitte der Dreißiger Jahre ist Bernd Rosemeyer Deutschlands strahlender, mit zahlreichen Titeln dekorierter Motorsportheld. Am 28. Januar 1938 tritt er mit der Auto Union zu Rekordfahrten an – und findet einen tragischen Tod. ( , 01.01.2009)

In den späten Vormittagsstunden des 28. Januar 1938 schießt ein silberner Rennwagen mit einer Geschwindigkeit von weit über 400 km/h über die lange, gerade Strecke der Autobahn Frankfurt – Darmstadt. Er soll einen Geschwindigkeitsrekord brechen und neue Bestzeit über den Kilometer mit fliegendem Start markieren. Die Fahrt endet im Fiasko. Der Wagen gerät ins Schleudern, fliegt aus der Bahn, verliert Fahrer und Karosserie. Reste des Fahrgestells blieben an einer Böschung liegen.

Am Steuer des Rekordwagens sitzt Bernd Rosemeyer, ein Spitzensportler und Rennfahrer-Ass der sächsischen Auto Union, der damals ungeheuere Popularität genießt. Seit 1935 besitzt er einen Vertrag als Werksfahrer. Seinen ersten Grand Prix-Sieg in einem Rennwagen mit den Vier Ringen feiert er bereits im September des gleichen Jahres auf dem Masrykring bei Brünn. 1936 wird dann Rosemeyers Jahr in der legendären Silberpfeil-Ära: Sieben Mal steht er auf dem Podest ganz oben, davon allein nach drei Siegen bei Großen Preisen. Mit dem legendären Auto Union Typ C 16-Zylinder erringt er die Europameisterschaft, wird Deutscher Straßenmeister und Deutscher Bergmeister.Bereits im Juni 1937 erzielte Rosemeyer mit dem Auto Union-Rennwagen bei Rekordfahrten auf der Autobahn Frankfurt – Darmstadt seine ersten Weltrekorde. Im Oktober 1937 gelingt es ihm, diese nochmals zu überbieten. Er ist seinerzeit der erste Mensch, der auf einer normalen Straße schneller als 400 km/h fährt. Doch das reicht dem 28-jährigen, als sehr ehrgeizig bekannten Rosemeyer nicht. Auch die Auto Union hat etwas gutzumachen, den Mercedes hat die Rennsaison 1937 dominiert und stellt mit Rudolf Caracciola den amtierenden Europameister. Mit neuerlichen Rekordfahrten wollen die Sachsen zeigen, wer die schnelleren Silberpfeile baut. Im Januar 1938 bringt die Auto Union deshalb einen überarbeiteten Stromlinien-Rekordwagen mit 16-Zylinder-Motor und 545 PS an den Start.Es kommt zum großen Showdown. Auch Mercedes ist an diesem 28. Januar in Hessen vor Ort, Caracciola absolviert den fliegenden Kilometer mit 432,7 km/h und legt damit einen Fabelwert hin. Noch sind die Bedingungen perfekt: Temperaturen knapp über null Grad garantieren dem Motor eine sauerstoffreiche Luft, zudem herrscht fast Windstille. Doch später frischt der Wind auf, die Mercedes-Crew packt noch vor neun Uhr morgens ihre Sachen. Die Bahn gehört jetzt dem Team der Auto Union. Rosemeyer startet zwei Versuche, erreicht dabei aber nur „429“ km/h. Es wird noch windiger, doch der Lingener – nun vom Ehrgeiz gepackt – will den Rekord sofort erreichen, statt noch einen Tag zu warten. Die Wetterprognosen melden ruhigeres Wetter für den 29. Januar 1938.Um 11.46 Uhr startet Rosemeyer in seinen dritten Versuch, fährt seinen letzten Kilometer zwei Hundertstel Sekunden schneller als Caracciola – und lebt wenige Sekunden später nicht mehr. Die genaue Unfallursache ist bis heute ungeklärt, Rosemeyers Crash ist auch 70 Jahre später ein Mysterium. Was war die Ursache der Katastrophe? Wer hatte Schuld daran? Welchen Sinn hatten die Rekordfahrten überhaupt? Sie sind bis heute aktuell und fordern immer wieder zu neuen Überlegungen und Untersuchungen heraus.

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