2004 hatte Mercedes wahrlich Grund zum Feiern: Der legendäre Flügeltürer 300 SL hat sein 50-jähriges Jubiläum zelebriert. Jetzt können die Untertürkheimer wieder die Sektkorken knallen lassen: Der 300 SL Roadster kann auf eine 50-jährige Geschichte zurückblicken – eine wahrlich goldene Ära.
Seine Premiere feiert der offene Zweisitzer auf dem Genfer Autosalon 1957. Mercedes stellt allerdings keine zweite Karosserievariante neben dem Coupé vor, sondern etabliert ihn als dessen Nachfolger. Die Stuttgarter stellen dem 190 SL, der zwei Jahre früher debütiert hat, also einen größeren und stärkeren Bruder zur Seite. Initiator dieser Idee ist der gebürtige Österreicher Maximilian „Maxie“ Hoffman, seit 1952 Importeur von Mercedes-Benz in den USA. Das Ziel: Der große Roadster soll vom Erfolg des 190 SL, der sich besonders in Nordamerika großer Beliebtheit erfreut, profitieren und der elegante offene Reisewagen für die High Society sein.
Optische Unterschiede zum Coupé
Von vorne gibt sich der Roadster durch seine im Vergleich zum Coupé leicht veränderte Front zu erkennen: Statt durch runde Augen blickt er durch hochkant stehende Scheinwerfer. Der entscheidende konstruktive Unterschied liegt aber in der Modifikation des Coupé-Gitterrohrrahmens: Nur so ist es den Entwicklern möglich, vorne angeschlagene Türen und damit einen bequemen Einstieg zu ermöglichen. Das Textilverdeck findet seinen Platz in einer Abdeckung hinter den Sitzen. Allerdings sind beim Roadster zusätzliche Rohre für den Rahmen nötig, die das Leergewicht um 30 auf 1.330 Kilogramm.
Das Triebwerk: Ein Hightech-Reihensechser
Unter dem Blechkleid kommt dagegen die Antriebstechnik des Coupés zum Einsatz. Für Vortrieb sorgt ein Dreiliter-Reihensechszylinder, der auch den ursprünglich geplanten 300 SL-Rennwagen antreibt. Das Triebwerk, übrigens der erste Serien- Viertaktmotor überhaupt mit Benzindirekteinspritzung, leistet 215 PS und beschleunigt den 300 SL Roadster bei Bedarf in zehn Sekunden von Null auf 100 km/h. Maximal erreicht der Roadster sogar 250 km/h.Bis 1963 wird der 300 SL Roadster im Sindelfinger Mercedes-Werk produziert. Damit dauert seine Karriere doppelt so lang wie die des Coupés. Genau 1.858 Exemplare liefert die Marke mit dem Stern an seine Kunden aus – vornehmlich an die Reichen und Schönen. Denn die Preise von 33.250 (mit Hardtop) bzw. 34.000 Mark (mit klappbarem Verdeck) sind seinerzeit eine stolze Summe – doch nichts im Vergleich zu dem, was heute für gut erhaltene Exemplare gezahlt werden muss. Zusammen mit dem Flügeltürer gehört der 300 SL Roadster zu den gefragtesten Mercedes-Klassikern überhaupt und wird zu Preisen zwischen 350.000 und 400.000 Euro gehandelt. Mit besonders günstigen Jubiläums-Angeboten zum 50. Jahrestag darf allerdings nicht gerechnet werden.

