Fuel - das ist nicht nur der Titel eines Metallica-Krachers, sondern auch des neuen Action-Racers von Codemasters. MotorVision hat sich auf halsbrecherische Art und Weise durch die Playstation 3-Variante gekämpft und zeigt, ob das Spiel mehr ist als ein Racer für zwischendurch. (T. Harloff , 01.01.2009)
„Give me fuel, give me fire, give me that which I desire!“ Die Rockpoeten von Metallica verlangen im Song „Fuel“ Benzin und Feuer, wollen ihren Durst mit Treibstoff löschen: „Quench my thirst with gasoline.“ Viele Fans von actiongeladenen Rennspielen dürsten nach einem Game, das mehr bietet als die übliche „Wir rasen durch urbane Leitplankenkanäle und sind schneller als Gegner und Polizei“-Attitüde. Genau diesem Anspruch möchte Codemasters nun gerecht werden. Ist „Fuel“ also ein Action-Rennspiel mit 100 Oktan oder nur wie schlaffer Bio-Diesel?
Bemerkenswert ist der Umfang des Spiels. Bei Codemasters spricht man von einem etwa 14.000 Quadratkilometer großen Spielfeld und einem Straßennetz von 160.000 Kilometern – für uns schwer nachzuprüfen, aber durchaus glaubhaft. Das Szenario hat was Apokalyptisches – Mad Max lässt grüßen. Wir Vollgas-linke-Spur-im-V8-SUV-Heizer haben eine Spur der Verwüstung auf unserem früher so blauen Planeten hinterlassen. Öl ist endgültig zum Luxusgut geworden. Das ruft ein paar Unentwegte auf den Plan, die mit einem neuen Extremsport eine Menge Fuel – die Währung des Spiels - für sich gewinnen wollen. In selbst zusammen gebastelten zwei- und vierrädrigen Gefährten treten sie an, um sich die letzten Fässer Treibstoff zu sichern. Einer dieser verrückten Hunde ist natürlich der Spieler, der nun selbst in der Hand hat, wann er vom rhythmisch blubbernden V8-Pickup ins geräuschlose Elektromobil umsteigen muss, weil ihm schlicht und ergreifend der Sprit ausgegangen ist.
Die Qual der Fahrzeugwahl
Nachdem man Haut- und Klamottenfarbe ausgewählt hat, kann es auch schon losgehen. Anfangs steht natürlich nur eine sehr überschaubare Auswahl an Fahrzeugen bereit. Um aufzurüsten, heißt es: siegen, siegen und nochmals siegen! Simulations-Fans werden hier erstmals pikiert die Nase rümpfen und fragen: „Wie jetzt, kein Fuel oder Punkte für Platz zwei?“ Nein, meinen die Entwickler, und gönnen nur dem Gewinner eines Rennens Ruhm und Ehre und natürlich die flüssige Währung. Hat man davon genug gesammelt, kann man es gegen neue Fahrzeuge tauschen, wobei die Auswahl recht üppig ausgefallen ist: Rund 70 verschiedene Boliden stehen bereit, darunter Buggys, Quads, Bikes, SUV, Trucks und Musclecars, die aber nicht alle für jeden Untergrund geeignet sind.Der Weg ins Ziel ist übrigens nur durch spärlich verteilte Checkpoints vorgegeben. Deren Reihenfolge ist wichtig, aber die Routenplanung zwischen diesen Punkten bleibt ganz dem Spieler überlassen, schließlich sind die Offroadboliden für´s Querfeldein-Heizen gebaut. Abkürzen ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Schön, dass die Karte ausreichend groß ist, um schnell den optimalen Weg zu finden. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch die GPS-Navigation einstellen, die per Pfeil den Weg zum nächsten Checkpoint weist. Wer genug Zeit hat, kann zudem im Freeride-Modus einfach nur die Gegend erkunden, was sich im Rennen positiv bemerkbar machen wird.
Grafisch schick, akustisch mau
Um an genug Fuel zu kommen und neue Bereiche der Spielwelt (oder Klamotten für sich selbst oder neue Farben für sein Vehikel) freizuschalten, absolviert man jedes Rennen in drei Schwierigkeitsstufen. Anfangs noch kein großes Problem, denn Fuel überzeugt grafisch durch schicke Farben und Detailreichtum. Alles baut sich flüssig auf, nichts ruckelt, und die wirklich in alle Richtungen offene Welt erlaubt es, auch noch so entlegene Winkel zu erforschen. Ebenfalls schick: Das dynamische Wettersystem mit zwischenzeitlichen Unwettern und der Wechsel zwischen Tag und Nacht. Recht eintönig ist leider die Soundkulisse geraten, Musik und Motorensound dudeln schon nach recht kurzer Zeit unbeachtet nebenher. Dass auf und neben den Straßen wenig los ist, mag am eingangs beschriebenen apokalyptischen Szenario liegen, macht das Geschehen aber nicht gerade spannender. Nur im Onlinemodus ist ein wenig mehr los, da ein paar Gleichgesinnte durch die Gegend kurven, immer auf der Suche nach einem actiongeladenen Rennen.Das Fahrverhalten ist keineswegs realistisch – das ist aber auch nicht der Anspruch des Spiels. Dennoch sind deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Vehikeln zu erkennen, auch wenn die Steuerung zu schwammig geraten ist. Bis auf automatisch ausgeführte Sprünge oder Wheelies sind leider keine Stunts möglich, die wenig freundschaftlichen Gesten beim Überholen eines Konkurrenten lockern die Sache auch nicht dauerhaft auf. Und so kommt recht flott der Punkt, an dem es zäh wird. Der Ablauf der Rennen ist immer gleich, nur die Fahrzeuge und Strecken wechseln. Da helfen auch die diversen Sondermissionen nicht viel.
Der Spaß bleibt unvollendet
Der Schwierigkeitsgrad bleibt sehr lange auf dem Niveau „einsteigerfreundlich“, was dem Langzeitspaß nicht gerade zuträglich ist. Leider hat Codemasters nur ein Pseudo-Schadensmodell integriert, heftige Unfälle hinterlassen – wenn überhaupt – nur optische Spuren am Gefährt. Ab und an bleibt man an einem als Schikane genutzten Autowrack oder an einem dicken Baumstamm hängen, alles andere macht man platt oder prallt daran ab. Spätestens jetzt haben Simulationsfreunde ernüchtert zum x-ten Mal GranTurismo5 Prologue eingeschoben…„Fuel is pumping engines“, heißt es bei Metallica. Fuel von Codemasters vermag leider nicht, die Redaktions-PS3 dauerhaft zu „pumpen“ – jedenfalls dann, wenn man alleine unterwegs ist. Online macht das Spiel schon bedeutend mehr Spaß, aber auch hier fehlen Actionfans auf Dauer die Stunts. Simulationsfreunde vermissen Tuningmöglichkeiten, ein anständiges Schadensmodell oder eine wirklich präzise Steuerung. Give me Fuel? Besser nur ab und zu, denn für mehr als 91-oktaniges Normal reicht es nicht.